Die deutsche Wirtschaft blickt voller Zuversicht auf die zweite Jahreshälfte und geht von steigenden Aufträgen aus. Gleichzeitig zeigen neueste Zahlen, dass das Leben in Deutschland günstiger ist als in den meisten Nachbarländern. Warum Experten über die Entwicklung positiv überrascht sind.

Nichts scheint aktuell die gute Wirtschaftsstimmung der Deutschen trüben zu können. Weder Hochwasser noch Eurokrise trüben nach Ansicht der Konjunkturforscher die Stimmung. Im Gegenteil: Die deutsche Wirtschaft tankt zur Jahresmitte weiter Zuversicht. Der Ifo-Index steigt im Juni zwar nur leicht, doch die weiteren Aussichten versprechen mehr und überraschen die Wirtschaftsforscher.
Wie das Ifo-Institut am Montag mitteilte, ist der Geschäftsklimaindex den zweiten Monat in Folge leicht gestiegen, obwohl Fachleute nicht mit einem Anstieg gerechnet hatten. Das Plus von 105,7 auf 105,9 Punkte nimmt sich zwar überschaubar aus, da jedoch die Unternehmen große Erwartungen äußern, habe die deutsche Wirtschaft laut der Experten wieder einmal positiv überrascht.
Optimismus nimmt zu
GeschäftsklimaindexDer Ifo-Index war im Februar auf sein bisheriges Jahreshoch von 107,4 Punkten geklettert. Im März und April hatte der Wert dann zweimal in Folge Punkte eingebüßt. Erst nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende. Die Richtung scheint aber eingeschlagen zu sein.
Zwar bewerteten die Unternehmen ihre Lage etwas weniger positiv als im Mai. "Mit Blick auf den zukünftigen Geschäftsverlauf nimmt der Optimismus aber weiter zu. Die deutsche Konjunktur hält Kurs", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Vor allem die Erwartungen an den Export hätten sich deutlich verbessert. Das habe den Index getrieben, sagte Wohlrabe.
Ein wenig auf die Euphoriebremse tritt allerdings der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. "Deutschland steht weiter besser da als der Rest des Euroraums", sagte er zwar, doch er bleibt dennoch vorsichtig. Zu groß seien die Risiken, die weiterhin für die Weltwirtschaft bestehen. "Denn die anderen Frühindikatoren zeigen nicht so klar nach oben."
Mehr für einen Euro
Positiv gestimmt sind weiterhin jedoch auch die deutschen Verbraucher. Gegenüber ihren Nachbarn in den angrenzenden EU-Staaten können sie auch vergleichsweise günstig einkaufen. Das Preisniveau in Deutschland liegt mit 1,8 Prozent nur knapp über dem EU-Schnitt.
PreisniveauWie das Statistische Bundesamt mitteilte, bekommen Verbraucher in Deutschland für ihren Euro mehr als die Menschen in den meisten Nachbarländern. Lediglich bei den Nachbarn Polen und Tschechien sind die Lebenshaltungskosten niedriger.
Hingegen müssen die Menschen in den direkten Anrainerstaaten im Westen, Norden und Süden für den Kauf eines repräsentativen Warenkorbs deutlich mehr bezahlen als hierzulande. Besonders in der Schweiz müssen Verbraucher tief in die Taschen greifen: Die Lebenshaltungskosten liegen bei den Eidgenossen um satte 58 Prozent über dem EU-Schnitt. Aber auch Österreich, Frankreich, Luxemburg oder Belgien sind für Verbraucher teurer als Deutschland. dhz/dpa

