Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi gehen am Sonntag zu Ende. Für Deutschland sind nicht nur Top-Stars wie Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther am Start, sondern auch viele Handwerksbetriebe. Ob im Skispringen oder Biathlon - das Handwerk bringt Bestleistungen.
Steffen Guthardt

Der Nabel der Sportwelt ist ab heute der russische Schwarzmeerort Sotschi. Damit die deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen möglichst viele Medaillen holen, braucht es nicht nur eine Top-Form, sondern auch beste Technik und optimale Wettkampfbedingungen. Dafür sorgen auch einige Handwerksbetriebe aus Deutschland.
Einer von ihnen ist Hörgeräteakustiker Christoph Dunkel, der seit Jahren mit dem Deutschen Ski-Verband zusammenarbeitet und Trainer, Techniker und Ärzte mit maßgefertigten Hörgeräten für den Funkverkehr austattet. Daraus entstand Dunkels Kontakt zu Biathleten wie Erik Lesser. Der Silbermedaillen-Gewinner von Sotschi trägt bei seinen Rennen einen vom Handwerksmeister individuell angefertigten Hörschutz. Dunkel hat dabei eine Technik verfeinert, die bereits im Jagdsport eingesetzt wird. Durch die verbaute Elektronik wird der Knall beim Schießen gedämpft, die Umgebungsgeräusche aber ohne Einschränkung wahrgenommen. "Die Sonnenbrille für die Ohren", wie Dunkel seine Erfindung bezeichnet, ermöglicht nicht nur eine bessere Konzentration am Schießstand, sondern schützt auch das Gehör vor dem 140 Dezibel starken Knall, der für die Gesundheit der Athleten nicht ungefährlich ist.
Andere Biathleten wie zum Beispiel Andrea Henkel nutzen dagegen einen Schlafgehörschutz von Dunkel, der auf Flugreisen oder im Hotel, die Geräuschkulisse komplett abschirmt und einen entspannten Schlaf ermöglicht. "Im Spitzensport können kleinste Vorteile schon den Ausschlag geben", weiß der Hörgeräteakustiker.
Biathlontraining mit Rollen
Hightech aus dem Handwerk stellt auch der Feinmechaniker Arno Barthelmes den Biathleten und Langläufern zur Verfügung. Der Geschäftsführer von Deutschlands ältestem Stimmgabel-Hersteller hat einen Skiroller entwickelt, mit dem Top-Athleten wie Biathlet Arnd Peiffer schon lange vor dem ersten Schneefall unter Wettkampfbedingungen trainieren können. "Die patentierte Zweischwingen-Technologie mir gummierten Rollen sorgen für ein echtes Skigefühl", sagt Barthelmes. Auch internationale Athleten setzen auf die Technik aus dem Thüringer Wald.

Die Schuhmacher der Firma Rass verhelfen den Skispringern und Nordischen Kombinierern zu hohen Weiten in Sotschi. Ein Großteil der Athleten vertraut seit Jahren auf die handgefertigten Skischuhe aus dem Erzgebirge. So feierte etwa der Schweizer Simon Ammann seine Olympiasiege 2002 und 2010 mit denen speziell für seine Bedürfnisse entwickelten Schuhen von Rass.
Hautnah in Sotschi dabei ist Orthopädietechnikermeister Thomas Hähnel aus Chemnitz. Er arbeitet in der Poliklinik des Olympischen Dorfes. Dort kümmert er sich mit Bandagen, Orthesen und Einlagen um das gesundheitliche wohl der Spitzensportler, die körperlichen Höchstbelastungen ausgesetzt sind. Neben der vorbeugenden Ausstattung sorgt sich Hähnel auch um verletzte Athleten. Schon 2008 bei den Paralympics in Peking war er dabei.
Hütten für das Deutsche Haus
Das deutsche Handwerk kümmert sich nicht nur um die Olympioniken, sondern ist auch in die Ausstattung vieler Wettkampf- und Veranstaltungsstätten eingebunden.
Die Raumausstatter Matthias Becker und Stephan Lohnstein aus Neu-Anspach haben die Böden für zwei temporär errichtete Hütten des Deutschen Hauses in Sotschi verlegt. Eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern wurde mit einem Vinylboden in Holzoptik versehen und soll ein gemütliches Ambiente für die zahlreichen prominenten Gäste während der Winterspiele schaffen.
Direkt nach den Olympischen Spielen werden die Raumausstatter wieder nach Russland fliegen, um die Hütten für die speziellen Anforderungen der Paralympics barrierefrei umzugestalten. Den damit verbundenen Stress nehmen die Handwerker gern in Kauf. "Teil dieses Events zu sein und mit vielen anderen Gewerken zusammenzuarbeiten, macht einfach riesigen Spaß", berichtete Becker direkt von der Baustelle in Sotschi. Schon in London, Peking und Vancouver waren die Deutschen dabei. Finanziell lohnt sich das Projekt für das Unternehmen kaum. Doch Becker weiß, dass Olympia eine große Chance ist, das Unternehmen international bekannter zu machen und neue Kunden zu gewinnen.

Ebenfalls für das Deutsche Haus war das Unternehmen "Von Alm das Beste" aus Dornach bei München im Einsatz, das auf den Bau von Almhütten im Eventbereich spezialisiert ist. Das geeignete Ambiente für das Deutsche Haus in Sotschi, dachte sich das Deutsche Sportmarketing, und beauftragte den Betrieb gemeinsam mit der Firma Schmid Kunstholzbau aus Pleiskirchen mit dem Bau zweier Hütten im russischen Schwarzmeerort.
In der größeren Hütte befinden sich unter anderem eine Akkreditierungsstelle und eine Lounge für Medienvertreter. Die kleinere Almhütte wurde als Sonderanfertigung für die Spiele in Sotschi errichtet. Die bis zu 500 qm großen Hütten zeichnen sich durch ihre mobile Holzbauweise aus. Der Betrieb verzichtet komplett auf Stahlträger und Stahlstützen. In einer Aufbauzeit von maximal drei Tagen ist eine mobile Almhütte fertiggestellt.
Bereits Olympia-Erfahrung hat auch die Firma Salzbrenner Stagetech Mediagroup aus Buttenheim. Unter anderem im Eis- und Biathlonstadion sowie im Schweizer Haus kommt die Audiotechnik aus Oberfranken zum Einsatz. So hat das Unternehmen etwa Kommentatorenanlagen und Mischpulte installiert. Auch die Tonarbeitsplätze des Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR sind von dem deutschen Audiospezialisten.
Handwerk auf der Schanze
Das Handwerker auch im Verbund erfolgreiche Projekte umsetzen können, zeigt das Anlaufspursystem Aloslide Ice, das auf den beiden Olympiaschanzen im Skisprungzentrum "RusSki
Gorki" zum Einsatz kommt. Ein integriertes Kühlsystem erzeugt mit Hilfe von Luftfeuchtigkeit eine zwei Zentimeter dicke Eisschicht in der Spur, die den Athleten konstante Wettkampfbedingungen bietet.
An der Erfindung waren gleich mehrere Handwerker aus dem Erzgebirge beteiligt: die Kunststoff-Firma Brandes Technik aus Scharfenstein, der Elektrobetrieb Frölich aus Sosa und die Klempnerei Polusik aus Aue. Unterstützung kam vom rheinländischen Keramik-Spezialist CeramTec-Etec. Das Anlaufsystem wird nicht nur in Sotschi eingesetzt, sondern etwa auch bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf.
Großevents wie die Olympischen Spiele sind auch immer ein Schaulaufen von Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltungsindustrie. Um eine gemütliche Atmosphäre und wohlige Temperaturen im VIP-Zelt von Sotschi kümmert sich Heinz Okroy aus Teisendorf. Der Kaminbauer fertigte einen Feuertisch mit einem speziellen Saug- und Schubgebläse, das ein offenes Feuer ohne lästige Rauchentwicklung ermöglicht.
Das Handwerk hat alles vorbereitet. Jetzt müssen nur noch die deutschen Athleten für viele Medaillen sorgen.
