Studie Deutschen Arbeitnehmern mangelt es an Motivation

Die Deutschen sind mit ihren Gehältern unzufrieden und auch deshalb nicht gerade die engagiertesten im Beruf. Sie schätzen einer Umfrage zufolge zwar, dass sie meist wissen, was von ihnen im Job erwartet wird. Im internationalen Vergleich engagieren sie sich jedoch weniger als andere.

Gute Unternehmensführung, Fairness und Respekt motivieren die deutschen Arbeitnehmer. Im internationalen Vergleich sind sie nicht die engagiertesten. Foto: Ben Chams/ Fotolia

Deutschen Arbeitnehmern mangelt es an Motivation

Die Managementberatung Kienbaum befragte rund 10.000 Arbeitnehmer in 18 Ländern der Wirtschaftsregionen Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien zu ihrer Zufriedenheit und ihrem Engagement im Beruf. Von den Befragten kamen 2.500 aus Deutschland. Und hier zeigten sich auch einige Defizite.

Laut der Studie arbeiten die motiviertesten Mitarbeiter in Indien, China und Brasilien. Die Mitarbeiter in den traditionell starken Volkswirtschaften sind hingegen eher schwach motiviert: Schlusslicht auf Platz 18 ist Japan; auf den Plätzen 14 bis 17 liegen Spanien, Frankreich, Hongkong und Großbritannien. Deutschland belegt nur den neunten Platz. "Hier könnte die Finanz- und Wirtschaftskrise stärkere Spuren hinterlassen haben. Gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten und ist sogar der eigene Arbeitsplatz in Gefahr, sinkt häufig die Motivation der betroffenen Mitarbeiter", erklärt Jan-Marek Pfau, Projektleiter bei Kienbaum in Berlin.

Schweizer sind mit Gehalt großenteils zufrieden

Im Drei-Länder-Vergleich sind die schweizerischen Mitarbeiter am engagiertesten. Danach folgt Österreich und dann erst Deutschland. "Die Schweiz mit ihrem starken Bankensektor ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Land für Hochqualifizierte aus den umliegenden Staaten. Das könnte ihre Spitzenposition im deutschsprachigen Raum erklären", sagt Pfau.

Auch bei der Zufriedenheit mit dem Gehalt liegen Österreich und die Schweiz vor Deutschland. In der Schweiz sei der Anteil derjenigen Mitarbeiter, die mit ihrer Vergütung zufrieden sind, 15 Prozentpunkte höher als in Deutschland, in Österreich sind es 13 Prozentpunkte mehr.

Ähnlich ist das Bild bei der Frage, ob die jeweilige persönliche Leistung auch vom Unternehmen anerkannt wird: Hier ist der Anteil der Zufriedenen in der Schweiz zwölf Prozentpunkte höher als in Deutschland. Auch ihre Weiterbildungsmöglichkeiten schätzen Schweizer und Österreicher besser ein als in Deutschland.

Dabei zeigte sich, dass vor allem die Aus- und Weiterbildung viel zur Motivation beitragen kann. Sie wurde nach den Ergebnissen der Studie aus Sicht der Mitarbeiter als zweitwichtigster Faktor, eingestuft der ihr Engagement positiv beeinflusst. Am wichtigsten sei ihnen, dass das Unternehmen insgesamt gut geführt wird. Außerdem legen die deutschen Mitarbeiter viel Wert auf Fairness und Respekt.

Die Deutschen wollen wissen, wo sie stehen

Es gab aber auch positive Ergebnisse für Deutschland. So zeigte sich, dass die Arbeitsnehmer in Deutschland an ihren Arbeitgebern in erster Linie die Erwartungssicherheit schätzen: 79 Prozent der Befragten bewerten es laut der Studie positiv, dass sie jederzeit wissen, was ihr Arbeitgeber von ihnen im Job erwartet.

Knapp drei Viertel der Mitarbeiter können darüber hinaus gut einschätzen, inwieweit sie mit ihrer Arbeit zum Erfolg des gesamten Unternehmens beitragen. Deshalb möchten auch knapp 70 Prozent der deutschen Studienteilnehmer ihrem aktuellen Arbeitgeber treu bleiben.

dhz