Kita-Ausbau stockt Deutsche wollen bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, stellt für viele Deutsche immer noch eine Herausforderung dar. Grund sind die fehlenden Betreuungsplätze. Doch obwohl ab August 2013 ein neuer Rechtsanspruch besteht, hinkt der Kita-Ausbau den Plänen hinterher. Familienministerin Schröder macht nun Druck, denn die Mehrheit der Deutschen fordert mehr Unterstützung.

Der flächendeckende Ausbau von Kitaplätzen stockt weiterhin. Ob der neue Rechtsanspruch ab August 2013 erfüllt werden kann, wird immer unwahrscheinlicher. - © PhotoSG/Fotolia

Von einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie würden alle profitieren. Die Wirtschaft könnte den Fachkräftebedarf besser decken, viele Frauen nicht mehr vor der Entscheidung zwischen Kind oder Karriere stehen und die Politik wäre ein ewiges Streitthema los. Doch noch der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland kommt noch immer nicht voran.

Laut dem aktuellen Familienmonitor des Instituts für Demoskopie Allensbach sind knapp 60 Prozent der Deutschen skeptisch, ob der neue Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige, der ab August 2013 besteht, auch erfüllt werden kann. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) appellierte deshalb an die Länder, beim stockenden Kita-Ausbau aufs Tempo zu drücken.

Schröder sagte, sie könne die Skepsis der Bevölkerung nachvollziehen. Sie forderte die Landesregierungen auf, Verzögerungen jetzt bekannt zu geben "und nicht irgendwann entdecken zu lassen", wenn sie den Ausbau nicht wie geplant schafften. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz sei für sie "nicht verhandelbar". Er verbessere die Entwicklungschancen für Kinder und erleichtere Müttern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Arbeitgeber in der Pflicht

75 Prozent der Befragten halten den geplanten Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab einem Jahr für eine gute Sache. Nur 13 Prozent lehnen dies in der Befragung ab, die das Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben hatte.

Danach befragt, wo die Schwerpunkte der Familienpolitik liegen sollen, plädieren mit 74 Prozent die meisten für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 68 Prozent fordern, dass Personen unterstützt werden, die pflegebedürftige Angehörige zu Hause betreuen. 55 Prozent fordern, das Angebot an Krippen auszubauen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördere die beruflichen Ein- und Aufstiegschancen von Frauen viel stärker als "eine starre Frauenquote für Aufsichtsräte", erklärte Schröder. Die Arbeitswelt müsse im Alltag "familienbewusster und weiblicher werden".

Dafür sah sie auch die Arbeitgeber in der Pflicht: Diese müssten "attraktive Angebote" machen und Eltern bei der Arbeitszeit und durch betriebliche Kinderbetreuung unterstützen. 69 Prozent der Befragten geben an, dass Staat und Unternehmen gleichermaßen eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf verantwortlich sind. Bei den Eltern von Kindern unter 18 Jahren sind dies sogar 75 Prozent.

Schröder warb darüber hinaus für die Einführung einer Großelternzeit analog zur Elternzeit. Diese solle berufstätigen Großeltern ermöglichen, zeitweise aus dem Beruf auszusteigen oder die Arbeitszeit zu reduzieren, um sich um ihre Enkel zu kümmern. Ein Gesetzentwurf hierzu befinde sich bereits in der regierungsinternen Abstimmung. Schröder zeigte sich "zuversichtlich" für Einführung der Großelternzeit, der Entwurf werde in der Bundesregierung positiv gesehen.

Betreuungsgeld weiter in der Warteschleife

Anders als beim Kita-Ausbau, dessen Notwendigkeit bereits zwischen allen Bundesländern grundsätzlich abgestimmt ist, sieht es hingegen beim Betreuungsgeld aus. Hierzu gibt es noch nicht einmal innerhalb der Koalition eine Übereinstimmung. Auch ein erneutes Treffen der Spitzen der Koalitionsfraktionen am Dienstagmorgen brachte keine Einigung. "Es wird weiter Gespräche geben", sagte Unions-Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) nach dem in Sitzungswochen üblichen Koalitionsfrühstück in Berlin. Das Thema wird nun in dieser Woche nicht wie beabsichtigt im Familienausschuss beraten. Zunächst müsste es eine Einigung geben.

CDU und CSU hatten in der vergangenen Woche neue Einzelheiten zu der geplanten Leistung ausgehandelt. Das FDP-Parteipräsidium hatte sich am Montag einhellig gegen den Vorschlag ausgesprochen. Das Betreuungsgeld soll eigentlich am 18. Oktober im Plenum verabschiedet werden. Doch es hat viele Gegner. So sprach sich auch die Wirtschaft schon mehrmals dagegen aus.