TV-Kritik: WDR-Reportage "Die China-Falle" Deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in Abhängigkeit von China

Eine gelungene WDR-Reportage zeigte nun, wie hoch die Abhängigkeit von China ist – und welche Folgen das nicht nur für Großprojekte wie die Energiewende, sondern auch für kleinere Wirtschaftsbereiche wie die Fahrradbranche hat. Der Viessmann-Verkauf ist nur das jüngste mahnende Beispiel für eine verfehlte Wirtschaftspolitik.

80 Prozent der weltweit verbauten Solarzellen stammen aus China. Eine Zahl, die zeigt, wie abhängig Deutschland bei der Energiewende vom Reich der Mitte ist. - © JRJfin - stock.adobe.com

In seiner "Folterkammer für Fahrradteile" prüft Dirk Zedler beispielsweise Rahmen auf ihre Beständigkeit. Er checkt, ob Prototypen den europäischen Bestimmungen genügen. So wird etwa die ständige Krafteinwirkung auf bestimmte Teile getestet – und diese Teile stammen zu einem großen Teil aus China. In Deutschland werden die Fahrräder dann oft nur noch montiert. "Ein Fahrrad ohne China, das wäre kein Fahrrad", sagt Zedler in der WDR-Reportage "Die China-Falle: wie erpressbar sind wir?". Ob Rahmen, Lenker, Vorbau oder Sattelstütze – alles seien typische China-Bauteile. Denn: Alleine neun Schweißnähte am Rahmen bedeuten laut Zedler "unglaublich viele Handarbeitsschritte, die wir uns hier nicht mehr leisten können." Deshalb ist der Fall auch klar: "Ohne China wäre Ende. Da bleiben ein paar kleine Manufakturen übrig, die irgendwo in Portugal Lastenradrahmen beziehen. Von diesen fünf Millionen Fahrrädern, die wir aktuell auf dem deutschen Markt verkaufen – ich weiß nicht, ob da noch 50.000 übrig wären."

"Dann kann ich kein Fahrrad ausliefern"

Die Abhängigkeit vom "Reich der Mitte", sie ist mittlerweile so gewaltig, dass nicht mal mehr im Bereich der Fahrräder die heimische Nachfrage auch nur ansatzweise gedeckt werden könnte. Was es indes genau bedeutet, wenn aus China nichts mehr kommt, machte die Reportage – ebenfalls beim Thema Fahrräder – anschließend auch ganz plastisch deutlich: Lieferketten aus Asien, unterbrochen durch Corona - Wolfgang Renner, Chef des Fahrradherstellers Merida & Centurion, kann davon ein Lied singen. "Da haben Schaltungen gefehlt, Ketten, Scheibenbremsen", sagt er. 20 Prozent der Teile seien einfach nicht vorhanden gewesen – und "dann kann ich kein Fahrrad ausliefern". Die Folgen für seinen Betrieb waren enorm, sodass er mit Blick auf die globale Politik und den chinesischen Präsidenten sagt: "Die Zeit ist reif, dass man die Grenzen aufzeigt, sonst geht Xi immer weiter."

Viessmann – ein mahnendes Beispiel

Immer weiter gehen die Chinesen indes auch in einem anderen Bereich, wie jüngst klar wurde. Offenbar auch, weil sich Hersteller von Wärmepumpen aus Fernost angesichts der von der Bundesregierung ausgerufenen und großzügig subventionierten Heiz-Wende darauf vorbereiten, massiv auf den deutschen Markt zu drängen, verkauft der hessische Heizungs- und Klimaspezialist Viessmann seine komplette Klimasparte samt Wärmepumpen-Technologie an eine US-amerikanische Firma. Die Produktion soll erst einmal in Deutschland bleiben, doch dem asiatischen Ansturm auf deutsche Subventionen und Steuergelder sieht man sich in Deutschland offenbar angesichts evident unterschiedlicher Kostenstrukturen und starker Dynamiken in China nicht gewachsen und verkauft lieber beizeiten, ehe die Preise sinken, als später fremdbestimmt übernommen zu werden.

So verlassen Volksvermögen, Wertschöpfung und Technologie mittelfristig das Land. Da hilft dann auch die enge Verzahnung Viessmanns mit dem Handwerk nichts, das oft deutsche Produkte empfiehlt – bei den drohenden horrenden Kosten dürften viele Käufer ausschließlich auf den Preis der Pumpe schauen. Die Politik – Wirtschaftsminister Habeck sieht durch den Verkauf der Viessmann-Sparte allen Ernstes die Attraktivität des Marktes für Wärmepumpen bestätigt, wo doch der Staat diesen nur künstlich mit Subventionen erschafft – hat offenbar keine Strategie gegen die schweren Schäden, die ihre Klimapolitik aus standortpolitischer Sicht zeitigt. Vor Jahren hatte es eine ähnliche Entwicklung schon bei Photovoltaik-Technik gegeben, als chinesische Ware den deutschen Markt überschwemmte – doch dazu später mehr. Gelernt, so viel sei vorweggenommen, hat die deutsche Wirtschaftspolitik indes in all den Jahren nichts.

Die Politik macht wenig Hoffnung

Denn die Chancen, dass China diese Abhängigkeiten Deutschlands und Europas nicht weiterhin und immer mehr ausnutzt, auch auf anderen Feldern, sind eher gering. Auf der zweiten Ebene der Reportage beleuchtete der WDR die politischen Umstände in der Auseinandersetzung mit China – und hier ergaben sich eher düstere Aussichten. Der chinesische Expansionskurs wird sich nicht von deutschen Befindlichkeiten ausbremsen lassen, das war die Quintessenz. Xi fährt einen klaren geopolitischen Kurs zugunsten der wirtschaftlichen und politischen Expansion seines Landes und geht dabei mit totalitären und diktatorischen Methoden vor.

Hiesige Politiker wie CDU-Chef Friedrich Merz und die Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeichneten ebenfalls ein eher düsteres Bild von der Wehrhaftigkeit Deutschland gegenüber solchem Vorgehen und der hohen Abhängigkeit. Nicht mal Masken habe man zu Beginn der Pandemie in Deutschland gehabt, merkte etwa Strack-Zimmermann an. Die seien alle aus China gekommen. Und Merz skizzierte zwar, dass es in Deutschland etwa mit Biontech noch Unternehmen gebe, die auf dem Weltmarkt führend seien. Doch die Redakteure schnitten Szenen aus einem Unternehmen dagegen, das Windkraftanlagen baut, und das die günstigsten Angebote für die Komponenten oft aus China bekommt.

Auch in der Autoindustrie müsse man sich vorbereiten, sagte Experte Ferdinand Dudenhöffer. "Mit Werten alleine" komme man gegen China nicht weiter. Und Katja Drinhausen vom Mercator-Institut für China-Studien merkte an, dass auch positive Beziehungen zu China vom einen auf den anderen Tag kippen könnten, wenn es "zu politischen Fällen" komme. Die Abhängigkeit kann schnell in eine Problemlage umschlagen.

China hat Deutschland bei der Energiewende im Griff

Und das, wo China Deutschland gerade bei dessen Energiewende im Griff hat. Diese sei nämlich so zerbrechlich wie eine Solarzelle, sagt der Sprecher aus dem Off, nachdem Peter Bachmann, Leiter Strategie beim Photovoltaikanlagen-Hersteller Solarwatt eine solche kurzerhand zerbrochen hatte. Das Bild passt gut, denn die Abhängigkeit von China erstreckt sich bei Weitem nicht nur auf Fahrräder, sondern auf Bereiche, von denen die Energiewende abhängt. Wer bislang schon Zweifel an der Sinnhaftigkeit etwa des Atomausstiegs in Zeiten von Stromknappheit oder an den einseitig zugunsten der Wärmepumpe ausgerichteten Heizungsplänen der Bundesregierung hatte, der konnte nach der WDR-Reportage noch weiter verzweifeln. Denn 80 Prozent der weltweit verbauten Solarzellen – zur Erinnerung: mit denen, Windrädern und anderen erneuerbaren Energien will die Bundesregierung die Energieversorgung in Deutschland bestreiten – kommen aus China. Wenn die Chinesen nicht mehr liefern würden, sagt Bachmann, würde das "einen massiven Einschnitt" bedeuten. Die Frage des Redakteurs, ob man in einer zentralen politischen Zukunftsvision wie der Energiewende abhängig von China sei, konnte er dann auch nur mit einem "das kann man so sagen" beantworten.

Industrie- und standortpolitisches Fiasko

Und es ist historisch gesehen ja sogar noch schlimmer: Erst hatte die Konkurrenz aus Ostasien den deutschen Markt angesichts extremer Subventionen für Solarenergie vor Jahren überschwemmt und dabei auch mit deutschen Steuergeldern einen Reibach gemacht, während deutsche Anbieter aus dem Markt gedrängt wurden. Und nun, da sich die Situation wieder normalisiert hat und auch deutsche Unternehmen wieder gutes Geld mit Photovoltaik verdienen, wird die Abhängigkeit von China immer größer. In dem Beitrag wird dann noch wie beiläufig mitgeteilt, dass auch die Fertigungslinie für die PV-Anlagen, die der Hersteller Kuka anbietet, auch fast nur noch in China zu besorgen ist – zumindest, seit Kuka selbst chinesisch ist.

Es bleibt als Quintessenz, dass Deutschland von einem industrie- und standortpolitischen Fiasko in das nächste tappt – immer unter dem Banner eines hehren Ziels, aber ohne Sinn für das große Ganze und die ökonomische Basis des Landes, die den Wohlstand erst ermöglicht. Letztlich fehlt eine stringente Industrie- und Standortpolitik komplett, das zeigen kritische Reportagen wie diese vom WDR immer wieder. Sie scheint angesichts des alles dominierenden Klimaschutzes, dem so gut wie jede politische Entscheidung untergeordnet wird, schlichtweg nicht mehr zu existieren. So wurden auch in diesem Film die Diskrepanzen zwischen den hochtrabenden moralischen Zielen der deutschen Energiewende und der dilettantischen, in Teilen sogar für das eigene Land schädlichen Umsetzung mehr als deutlich. Dadurch wiederum wird nicht nur der Standort Deutschland nachhaltig geschwächt, sondern die Abhängigkeit von Ländern wir China weiter steigen. Und wohin Abhängigkeiten führen, ist im Falle Russlands auch dem Letzten klar geworden.

>>> Die komplette Reportage können Sie sich hier ansehen: Die China-Falle: wie erpressbar sind wir?