Statt Firmenwagen und Spesenkonto spielen heute flexible Arbeitszeiten eine große Rolle im Job
Dörthe Rautmann
Der sanfte Weg zurück
Immer mehr Unternehmen nutzen Familienfreundlichkeit als ein wichtiges Instrument, um ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Vor dem Hintergrund des bereits jetzt spürbaren Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung wird für das Unternehmen nämlich immer wichtiger, das Know-how und die Erfahrung des Beschäftigten im Betrieb zu halten.
Für Iris Schneckenburger, Geschäftsführerin der Bäckerei Schneckenburger, stand schon früh fest, sich in diesem
Bereich zu engagieren. Als Mutter von zwei Kindern kennt sie die Probleme aus eigener Erfahrung, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Wir hatten immer Probleme, genug Personal zu rekrutieren. Durch unser Schichtmodell und unsere flexiblen Arbeitszeiten haben wir nun eine relativ geringe Fluktuationsrate im Unternehmen.“ Insgesamt vier Schichtmodelle gibt es bei der Meisterbäckerei in Tuttlingen zurzeit, hauptsächlich im Verkauf. „Bei uns ist es möglich, dass Frauen für den Anfang ihres Berufseinstiegs beispielsweise nur für den Verkauf am Sonntag eingeteilt werden. Je älter die Kinder sind, umso mehr Stunden können die Mütter wieder im Beruf verbringen“, berichtet Iris Schneckenburger.
Für über 90 Prozent der Fachkräfte zwischen 25 und 39 Jahre mit Kindern ist nach Angaben des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend bei der Arbeitgeberwahl Familienfreundlichkeit ebenso wichtig wie das Gehalt, für 78 Prozent ist es ein Grund, den Arbeitgeber zu wechseln, rund 20 Prozent haben dies schon einmal getan. Mehr als 40 Prozent der Frauen in Westdeutschland und 22 Prozent der Frauen in Ostdeutschland kehren nach dreijähriger Elternzeit nicht an ihren Arbeitsplatz zurück.
Iris Schneckenburger nennt die stundenweise Eingliederung von Müttern in den Beruf den „sanften Weg zurück“. „Stundenweise wachsen die Mitarbeiter wieder in das Unternehmen hinein und benötigen im Vergleich zu Neueinstellungen eine geringere Einarbeitungszeit“, erklärt die Geschäftsführerin.
Hinzu kommt bei der Bäckerei noch, dass in den einzelnen Verkaufsfilialen Teams arbeiten, das heißt: Muss jemand früher gehen, wird darüber gesprochen und eine Lösung gefunden. Eine große Erleichterung im Alltag, wenn zwischen Schule und Kindergarten gependelt werden muss.
Beide Seiten gewinnen
Und auch die Betriebe profitieren von ihrer familienfreundlichen Einstellung:
- Die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität durch ein glaubwürdiges familienfreundliches Image senkt den Aufwand für die Personalgewinnung und Fluktuationskosten.
- Eine kluge Begleitung des (schnellen) Wiedereinstiegs von Vätern und Müttern in Elternzeit reduziert die Kosten für die Überbrückung und Wiedereingliederung familienbedingter Auszeiten, aber auch für die Gewinnung von neuen Mitarbeitern.
- Ein familienfreundliches Klima erhöht die Flexibilität und die Einsetzbarkeit von Beschäftigten mit Familienpflichten und
- fördert die emotionale Bindung und die Loyalität von Beschäftigten an ihr Unternehmen.
Für Iris Schneckenburger war es nach eigener Aussage das Normalste auf der Welt, nach Lösungen zu suchen, damit möglichst viele Mitarbeiterinnen in den Beruf zurückkehren können. Sie selbst hat die Schichtpläne praxistauglich ausgetüftelt; und der große Erfolg kann täglich beobachtet werden.
Ihre Erfahrung ist gefragt
Mittlerweile wird sie immer häufiger von außerhalb angesprochen, ob Sie nicht vor Publikum über ihre Erfahrungen berichten kann, wie zum Beispiel auf einer Veranstaltung der Handwerkskammer Konstanz zum Thema „familienbewusste Unternehmensführung“.
In nächster Zeit stehen bei Iris Schneckenburger noch weitere Projekte an: „Im September habe ich einen Termin in der Berufsschule. Dort wird es um die Aus- und Weiterbildung der Auszubildenden gehen.“ Denn auch in diesem Bereich setzt sich die engagierte Unternehmerin ein.
Im Laufe der Zeit hat es sich herumgesprochen, dass die Bäckerei Schneckenburger dank des Einsatzes ihrer Geschäftsführerin auch in diesem Bereich sehr aktiv und erfolgreich ist.