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Debatte zur Wiedereinführung der Meisterpflicht Der Meisterbrief hat nicht nur Freunde

Liberale Ökonomen lehnen eine umfassende Rückkehr zur Meisterpflicht ab – Mehr Verständnis für Solo-Selbständige gefordert.

Die mögliche Ausweitung der Meisterpflicht auf bisher zulassungsfreie Gewerke findet nicht nur Befürworter. Gerade liberal eingestellte Wirtschaftswissenschaftler stören sich am Meistervorbehalt, den sie als Eingriff in Markt und Wettbewerb werten. Auch einzelne Handwerksvertreter äußern Kritik. Sie vertreten die Meinung, Betriebsinhaber ohne Meisterbrief würden herabgewürdigt. Die Deutsche Handwerks Zeitung fasst die wichtigsten Gegenpositionen zusammen.

Großes Aufsehen erregte Anfang des Jahres eine Stellungnahme der Monopolkommission. Die Monopolkommission ist ein Beratergremium der Bundesregierung. Deren Vorsitzender Achim Wambach, Ökonom aus Mannheim, bekräftigt nun seine Bedenken. "Für eine Rückkehr zur Meisterpflicht gibt es mit Blick auf die derzeit zulassungsfreien Gewerke keine Rechtfertigung", teilte Wambach der Deutschen Handwerks Zeitung mit. Zwar habe die teilweise Abschaffung der Meisterpflicht vor 15 Jahren zu einem Rückgang der formalen Qualifikation der Betriebsinhaber in den zulassungsfrei gestellten Handwerksberufen geführt, "tatsächliche Qualitätsdefizite sind aber nicht belegt". Der Chef der Monopolkommission vertritt die Auffassung, dass keines der aktuellen Probleme durch eine Wiederausweitung der Meisterpflicht beseitigt würde. Dazu rechnet er lange Wartezeiten und hohe Preise aus Sicht der Verbraucher, unfaire Konkurrenz durch Schwarzarbeit und die ungelöste Nachfolgeproblematik aus Sicht der Handwerker. Diese Herausforderungen ließen sich nicht durch "höhere Zugangsbarrieren für neue Betriebe und Nachfolger" lösen. Wambach spricht sich dafür aus, den Meisterbrief als freiwilliges Qualitätssiegel zu erhalten.

Etliche Ökonomen teilen die Haltung der Monopolkommission. Bereits seit vielen Jahren kritisiert etwa der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung den "Meisterzwang". Dabei führen die "Wirtschaftsweisen" Argumente an, die 2004 zur Veränderung der Handwerksordnung führte. Sie versprechen sich von einem möglichst schrankenlosen Zugang zu vielen - nicht gefahrgeneigten - Handwerksberufen mehr Firmengründungen, niedrigere Preise für die Verbraucher, neue Jobs. Zuletzt schrieb der Sachverständigenrat im Jahresgutachten 2018/19: "Eine Rückkehr zur Meisterpflicht, wie derzeit diskutiert, geht in die falsche Richtung."

Diese Ansicht vertritt auch Jörg Michael Neubert. Der Wirtschaftswissenschaftler verfasste Anfang des Jahres einen vielbeachteten Aufsatz, der auf verschiedenen Politikblogs im Internet verbreitet wurde. "Insgesamt zeigt sich, dass die Hauptargumente für die Wiedereinführung des Meisterzwangs eher schwach sind", schreibt er in seinem Artikel. "Es wäre vielmehr zu wünschen, dass weitere Berufe von diesem befreit werden. So kann für die Zukunft sichergestellt werden, dass es weiterhin genug Handwerker gibt und diese auch für 'jedermann' bezahlbar bleiben." Neubert gesteht allerdings auch dem Handwerk überzeugende Argumente zu. Die Diskussion werde seiner Meinung nach "zu verhärtet" geführt. Der Ökonom plädiert für den "zwanglosen Meister". Jeder Handwerker sollte weiterhin die Möglichkeit haben, einen Meisterabschluss zu erwerben und so die besondere Qualität seiner Dienstleistung zu betonen. "Er muss sich dann eben auch dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb stellen, um für seine zusätzliche Qualifikation den entsprechenden Preis zu erzielen."

Auch einzelne Vertreter aus dem Handwerk äußern Kritik an einer Ausweitung der Meisterpflicht. Jonas Kuckuk vom Berufsverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker (BUH), ein Reetdachdecker aus Bremen, wünscht sich vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), aber auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Zurückhaltung in der Diskussion. "Der Meisterzwang liegt keineswegs im gesellschaftlichen Gesamtinteresse", sagt Kuckuk. Er fordert mehr Anerkennung für die Leistung von Kleinstunternehmern. "Solo-Selbständigkeit ist nicht per se etwas Schlechtes, sie ist die Urzelle der Selbständigkeit." Leider werde eine Politik gegen Solo-Selbständige gemacht. "Sie werden schlecht geredet." Kuckuk wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Miniunternehmer ohne Meisterbrief schlechte Arbeit leisteten oder im Rentenalter dem Steuerzahler zu Last fielen, weil sie nicht vorsorgen könnten. "Ein Meister kann auch schlechte Arbeit abliefern, und auch ein Meister kann im Alter verarmen." Gleichwohl schließt Kuckuk im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung versöhnlich: "Sie werden von mir kein schlechtes Wort über den Meisterbrief hören." str

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