Kolumne Der heimliche Pünktlichkeits-Bonus: Ein Führungsfehler

Wer immer pünktlich ist, bekommt Geld. Wer nicht, geht leer aus – ohne es zu wissen. Steinmetzmeisterin und Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg über die Idee eines Unternehmers, die mehr kaputt macht als sie löst.

Pünktlichkeit entsteht nicht durch heimliche Boni, sondern durch klare Regeln und verlässliche Führung. - © Krakenimages.com - stock.adobe.com

Vor kurzem saß ich mit einem Unternehmer zusammen, der mir von einer Idee erzählte: Er wolle einen Bonus einführen für alle, die immer pünktlich zur Arbeit kommen. Nicht offiziell, sondern stillschweigend. Er meinte, er würde sich das merken und zum Jahresende belohnen. Wer dagegen öfter zu spät kommt, geht leer aus. 

Ich fragte ihn: Warum forderst du Pünktlichkeit nicht einfach ein? Warum ist das kein klarer Standard in deinem Betrieb, so wie es anderswo selbstverständlich funktioniert? Aber auch das wollte er nicht. Zeiten minutengenau erfassen? Ebenfalls nein.

Mein Eindruck war deutlich: Hier geht es gar nicht nur um Pünktlichkeit. Es geht um Vertrauen, um Zugehörigkeit und um die Frage, ob sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Betrieb verbunden fühlen. Eine Arbeitgebermarke ist nicht stark, wenn sie Mitarbeiter auf ein Podest stellt und andere still bestraft. Eine Arbeitgebermarke ist stark, wenn alle gemeinsam ziehen wollen. 

Natürlich kann es mal passieren, dass jemand im Stau steht oder das Kind morgens mehr Zeit gebraucht hat. Das ist Alltag. Aber wenn jemand regelmäßig zu spät kommt und damit die Stimmung im Team belastet, dann ist das keine Frage von Bonus oder Strafe. Dann ist es eine Frage, ob diese Person wirklich Teil des Ganzen sein möchte. 

3 Tipps für deine Arbeitgebermarke

  1. Verbindlichkeit klären 
    Machen Sie klar, welche Regeln gelten und warum sie wichtig sind. Pünktlichkeit ist keine Gnade, sondern Ausdruck von Respekt und Verlässlichkeit. 
  2. Loyalität fördern 
    Fragen Sie sich: Wo fehlt Vertrauen, wo fehlt Zugehörigkeit? Mitarbeiter, die sich mit dem Betrieb verbunden fühlen, haben ein echtes Interesse daran, dass Abläufe reibungslos funktionieren. 
  3. Team im Blick behalten 
    Schauen Sie nicht nur auf Einzelne. Wer immer wieder Unruhe stiftet, schwächt das Ganze. Eine starke Arbeitgebermarke erkennt, wann Förderung sinnvoll ist und wann klare Konsequenzen nötig sind. 

Fazit

Eine Arbeitgebermarke ist kein System von Belohnung und Strafe. Sie ist ein gemeinsames Fundament, das dafür sorgt, dass alle mitmachen wollen. Wer hier nur Einzelne heraushebt, übersieht das Wesentliche: Stärke entsteht immer im Miteinander. 

Kathrin Post-Isenberg
© Markus Zielke

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.