Gestalter im Handwerk Gabriel Tarmassi: Dem Charakter des Holzes auf der Spur

Die Ausbildung zum Gestalter im Handwerk war für Gabriel Tarmassi Wegbereiter für sein weiteres Schaffen. Nun möchte sich der Schreiner am internationalen Kunstmarkt etablieren.

Gabriel Tarmassi, Schreiner und Gestalter im Handwerk
Gabriel Tarmassi wurde dieses Jahr beim Hessischen Staatspreis für Kunsthandwerk mit einem der Förderpreise ausgezeichnet. - © Katharina Meixner

Holz fasziniert Gabriel Tarmassi seit frühester Kindheit. In seiner fränkischen Heimat mit ihrem Bezug zum Wald wurzelt ein tiefes Verständnis für den Werkstoff, in dem der junge Schreiner sich ausdrücken möchte.

In der Rolle eines klassischen Ge­sellen konnte er sich diesen Wunsch nicht erfüllen. Als Dienstleister die Vorstellungen der Kundschaft umzusetzen, war seine Sache nicht. Tarmassi wollte sich von eigenen Inspirationen leiten lassen. Lieber be­suchte er die Akademie für Gestaltung und Design der Handwerkskammer für München und Ober­bayern. Der 15-monatige Vollzeitkurs sollte für ihn zum Wegbereiter für sein weiteres Schaffen werden. In diesem Jahr konnte er sich in Bamberg dank eines Stipendiums den Traum vom eigenen Atelier erfüllen. Freiraum für freies Arbeiten.

Lieber Schreinerlehre als Holzbaustudium

Die Grundlagen dafür hat er an der Akademie in München gelegt – nach einigen Umwegen. "Das Ingenieurstudium im Holzbau war nichts für mich, weil mir der Kontakt mit den Händen zum Material fehlte", rechtfertigt Tarmassi den Studien­abbruch.

Nach erfolgreicher Schreinerlehre entschied er sich für die Fortbildung zum Gestalter im Handwerk. "Der interdisziplinäre Austausch unter den Gewerken und die Beschäftigung mit anderen Materialien wie Keramik, Glas oder Metall waren sehr bereichernd, besonders bei den Exkursionen. Einmal haben wir zum Beispiel Kupfer geschmiedet", sagt Tarmassi.

Das Kleine im Großen zeigen

Abschlussarbeit von Gabriel Tarmassi.
Gefäßobjekt aus der Serie "Lids", der Abschlussarbeit von Gabriel Tarmassi. - © privat

Für seine Abschlussarbeit übersetzte er die mikroskopischen Zellstrukturen des Holzes in makroskopische Dimensionen. Die 28 kreisrunden Deckel aus Ahorn, Eiche und Esche wurden der jeweiligen Holzart entsprechend geschnitzt, gebürstet oder gar sandgestrahlt, um die gewünschten Effekte zu erzielen. "Außerdem habe ich auf Henkel verzichtet, so dass sie nur mit zwei Händen vom Gefäß genommen werden können. Ich möchte ein Aha-Erlebnis provozieren, damit die Leute das Holz im wahrsten Sinne des Wortes begreifen", erklärt Gabriel Tarmassi.

Konkrete Vorbilder möchte er für seine Arbeiten nicht nennen. "Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Wenn Kunst authentisch sein soll, muss sie aus einem selbst heraus entstehen", glaubt Tarmassi. Orientierung aber findet er in den Werken von Künstlern wie Ernst Gamperl oder Nic Webb. Als Werkstudent hat er mehrere Monate beim Holz- und Lehmkünstler Webb in Südostengland mitgearbeitet und dabei wichtige Impulse für sein weiteres Schaffen erhalten. Er sieht seine Zukunft inzwischen am internationalen Kunstmarkt, seine Website wendet sich ausschließlich an englischsprachiges Publikum.

Aktuell hat sich Tarmassi mit einem seiner Werke für den renommierten Loewe Craft Prize beworben, für den 3.000 Arbeiten aus 107 Ländern eingereicht wurden. Die Preise werden im Frühjahr in Seoul ver­liehen.