Tipps und praktische Infos Das Steuer-Einmaleins zur energetischen Sanierung

Der Clou bei der energetischen Sanierung: Es können entweder staatliche Förderungen in Anspruch genommen werden oder der Eigenheimbesitzer beantragt in seiner Steuererklärung eine Steuerermäßigung nach § 35c EStG. Hier einige Infos und Tipps.

Die Finanzämter sind bei einer begünstigten energetischen Sanierung sehr großzügig. Doch genauso streng sind die Finanzämter bei der Überprüfung der Voraussetzungen. - © Kara - stock.adobe.com

Grundsätze zur Steuerermäßigung bei der energetischen Sanierung

Eine Steuerermäßigung für eine energetische Sanierung nach § 35c EStG setzt voraus, dass die Immobilie zu eigenen Wohnzwecken genutzt wird. Bei Vermietung einer Immobilie dürfen die Aufwendungen für die Sanierung als Werbungskosten abgezogen werden. § 35c EStG greift bei Vermietung nicht.

Wird eine Immobilie (z.B. Mehrfamilienhaus) teils zu eigenen Wohnzwecken genutzt und teils vermietet, sind die Sanierungskosten aufzuteilen. Eine Steuerermäßigung winkt zudem nur, wenn die Immobilie, an der die energetische Sanierung vorgenommen wird, mindestens zehn Jahre alt ist. Maßgeblich für die Berechnung des Alters der Immobilie ist der Beginn der Herstellung (= Stellung des Bauantrags). Die Steuerermäßigung für eine energetische Sanierung gibt es für Sanierungsmaßnahmen, die nach dem 31. Dezember 2019 begonnen haben bzw. werden und die vor dem 1. Januar 2030 enden.

Praxis-Tipp: Die Steueranrechnung beträgt 20 Prozent der Aufwendungen für die energetische Sanierung, maximal 40.000 Euro. Die Steueranrechnung wird allerdings auf drei Jahre verteilt gewährt und nicht auf einmal.

Besonderheiten zur Steuerermäßigung bei energetischer Sanierung

Die Finanzämter sind bei einer begünstigten energetischen Sanierung sehr großzügig. Doch genauso streng sind die Finanzämter bei der Überprüfung der Voraussetzungen. Folgende Besonderheiten sollten Eigenheimbesitzer, die eine energetische Sanierung planen, unbedingt kennen.

Erbschaft I

Wie bereits erwähnt, berechnet das Finanzamt die Höhe der Steueranrechnung und verteilt diese dann auf drei Jahre. Wird die Immobilie vor Ablauf dieser drei Jahre vererbt oder im Rahmen einer Schenkung übertragen, fällt die noch nicht erfolgte Anrechnung weg. Begründung: Der bisherige Immobilieneigentümer hat kein Eigentum mehr und der neue Eigentümer (Erbe, Beschenkter) hatte keine Aufwendungen für eine energetische Sanierung.

Beispiel: Sie beauftragen einen Handwerker mit der energetischen Sanierung Ihres Eigenheims. Kosten: 30.000 Euro. Dafür winkt insgesamt eine Steueranrechnung von 6.000 Euro. Die Anrechnungen in den Jahren eins und zwei betragen jeweils 2.100 Euro und im dritten Jahr 1.800 Euro. Sie schenken die Immobilie zu Beginn des zweiten Jahres Ihrer Tochter.

Folge: Hier winkt nur eine Steueranrechnung von 2.100 Euro. Der restliche Anrechnungsbetrag für die energetische Sanierung geht verloren.

Erbschaft II

Die strenge Sichtweise des Finanzamts bei Erbschaft oder Schenkung innerhalb des Dreijahreszeitraums gilt nicht, wenn Ehegatten gemeinsam ein Eigenheim besitzen, einer der beiden Ehegatten verstirbt und der andere erbt. In diesem Fall darf der erbende Ehegatte die noch nicht vom Verstorbenen in Anspruch genommene Steueranrechnung für sich geltend machen.

EU- und EWR-Ausland

Die steuerliche Förderung ist übrigens nicht auf das Eigenheim begrenzt. Auch für Zweitwohnungen oder Ferienwohnungen, bei denen eine energetische Sanierung notwendig ist, winkt bei Vorliegen aller Voraussetzungen die Steueranrechnung nach § 35c EStG. Auch zu eigenen Wohnzwecken genutzte Immobilien im EU- und EWR-Ausland sind begünstigt. Zum EWR-Ausland zählen die Mitgliedsstaaten der EU inklusive Norwegen, Liechtenstein und Island.

Praxis-Tipp: Bei der energetischen Sanierung von selbst genutzten Immobilien im EU- oder EWR-Ausland sollte man dafür sorgen, dass die notwendigen Voraussetzungen für die Steueranrechnung tatsächlich erfüllt sind und nachgewiesen werden können. Insbesondere die Bescheinigung eines Fachunternehmens, dass eine energetische Sanierung im Rahmen der deutschen Vorschriften vorliegt, muss dem Finanzamt vorgelegt werden können.

Staatliche Förderung

Wer Fachunternehmen mit der energetischen Sanierung seines Eigenheims beauftragt, kann zwischen staatlichen Fördermaßnahmen und der Steuerermäßigung nach § 35c EStG wählen. Beide Förderungen nebeneinander schließen sich aus. Das bedeutet im Klartext: Wer einen Zuschuss für die energetische Sanierung oder ein zinsgünstiges Darlehen bei der KfW beantragt und abruft, hat keinen Anspruch mehr auf die Steueranrechnung nach § 35c EStG.

Höhe der Steuerermäßigung bei energetischer Sanierung

Wie bereits ausgeführt, gibt es die Steueranrechnung in Höhe von 20 Prozent der Aufwendungen für die energetische Sanierung nicht auf einen Schlag, sondern auf drei Jahre verteilt. Die Verteilung erfolgt nach folgendem Schlüssel:

  • Im ersten und zweiten Jahr beträgt die Steueranrechnung jeweils sieben Prozent der Aufwendungen, maximal 40.000 Euro je Immobilie, für die energetische Sanierung, maximal jeweils 14.000 Euro pro Jahr.
  • Im Jahr drei beträgt die Steueranrechnung sechs Prozent der Sanierungsausgaben, maximal 12.000 Euro.

Praxis-Tipp: Die Steueranrechnung ist auf die Höhe der festgesetzten Steuerschuld begrenzt. Das bedeutet im Klartext: Beträgt die festgesetzte Steuer im ersten Jahr 7.000 Euro und das Finanzamt errechnet für das erste Jahr eine Steueranrechnung von 10.000 Euro, beträgt die Steueranrechnung nur 7.000 Euro. Die restliche Steueranrechnung in Höhe von 3.000 Euro für Jahr eins geht verloren.

Begünstigte Maßnahmen zur energetischen Sanierung

Der Gesetzgeber hat in § 35c EStG abschließend aufgeführt, für welche Maßnahmen zur energetischen Sanierung es eine Steueranrechnung gibt. Die Steuerermäßigung gibt es danach für folgende Sanierungsmaßnahmen:

  • Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen und Geschossdecken,
  • Erneuerung der Fenster und Außentüren,
  • Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage,
  • Erneuerung der Heizungsanlage,
  • Einbau digitaler Systeme zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung,
  • Optimierung bestehender Heizungsanlagen, die älter als zwei Jahre sind.

Praxis-Tipp: Die Differenzierung, ob es sich bei den einzelnen Maßnahmen um eigen steuerlich begünstigte energetische Sanierung handelt, kann weder der Finanzbeamte noch der Eigenheimbesitzer genau wissen. Deshalb muss das mit der energetischen Sanierung beauftragte Fachunternehmen eine steuerliche Bescheinigung ausstellen. Nur mit dieser Bescheinigung winkt die Steueranrechnung.

Unterschied zwischen Handwerkerbonus und Steueranrechnung für energetische Sanierung

Eine Steueranrechnung gibt es schon seit Jahren auch für Handwerkerleistungen, die im Privathaushalt erbracht werden. Folgender Unterschied ist zwischen diesen beiden Steuerbegünstigungen zu beachten:

  • Steueranrechnung für energetische Sanierung nach § 35c EStG: Hier gibt es eine Steueranrechnung von 20 Prozent der Sanierungsaufwendungen (gesamte Aufwendungen, also Aufwendungen für Material plus Arbeitsleistung), maximal 40.000 Euro je Immobilie.
  • Steueranrechnung für Handwerkerleistungen nach § 35a Abs. 3 EStG: Handelt es sich nicht um begünstigte Aufwendungen im Rahmen einer energetischen Sanierung, sondern um andere Handwerkerleistungen, beträgt die Steueranrechnung 20 Prozent der Aufwendungen für die Arbeitsleistung (Materialkosten nicht begünstigt), maximal 1.200 Euro pro Jahr.

Steuergestaltung zur energetischen Sanierung

Da die Steueranrechnung für eine energetische Sanierung auf drei Jahre verteilt ausbezahlt wird, sollte die Sanierung also frühzeitig vor dem Ruhestand begonnen werden. Denn wird keine Steuer oder eine sehr niedrige Steuer im Jahr des Ruhestands festgesetzt, könnte die komplette Steueranrechnung oder zumindest ein Teil steuerlich verpuffen.

Fundstellen zur steuerlichen Behandlung der energetischen Sanierung

Wer Informationen der Finanzverwaltung zur steuerlichen Begünstigung einer energetischen Sanierung sucht, sollte sich im Portal des Bayerischen Landsamts für Steuern umsehen. Hier findet man die gewünschten Steuerinfos.

Auch das Bundesfinanzministerium bietet in seinem Portal einen leicht verständlichen Fragen-Antworten-Katalog zur energetischen Sanierung (siehe hier).

Ausführliche Hinweise zur steuerlichen Behandlung der energetischen Sanierung nach § 35c EStG finden sich zudem in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 14. Januar 2021 (siehe hier).

Ohne Bescheinigung eines Fachunternehmens zur energetischen Sanierung geht beim Finanzamt nichts. In einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom, 15. Oktober 2021 werden die Voraussetzungen zu der Bescheinigung vorgestellt (siehe hier).