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Tipps für Arbeitgeber Das gehört ins Ausbildungszeugnis

Der Inhalt von Ausbildungszeugnissen ist kein einfaches Thema, auch deswegen gibt es dazu einige Ratgeberbücher. Wer nur das Wichtigste in aller Kürze braucht, etwa welche Formulierung welche Note bedeutet, bekommt hier einen Überblick.

Welche Form muss beim Zeugnis eingehalten werden?

Das Zeugnis ist maschinell geschrieben auf einem Geschäftsbogen des Ausbildungsbetriebs zur Beendigung des Ausbildungsverhältnisses auszustellen und muss das Datum der Ausstellung (spätestens am letzten Tag der Ausbildung) enthalten. Original unterschreiben muss es der Arbeitgeber oder ein Vertreter. Hat der Arbeitgeber die Ausbildung nicht persönlich durchgeführt, muss der Ausbilder mit unterzeichnen.

Selbstverständlich muss das Zeugnis in einem ungeknickten, sauberen und auch sonst tadellosen Zustand sein – also auch ohne Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Einzelne Worte im Text dürfen nicht in Anführungszeichen stehen und nicht unterstrichen, fett oder kursiv gedruckt sein.

Was sollte mindestens ein einfaches Ausbildungszeugnis enthalten?

Ohne Forderung nach einem qualifizierten Zeugnis, darf sich der Ausbildungsbetrieb auf ein einfaches Zeugnis beschränken, in dem nur das Grundsätzlichste steht: Überschrift, Name, Ausbildungsberuf, Beginn und Ende sowie gegebenfalls Verkürzung der Ausbildungsdauer, Firmenbeschreibung. Dann folgt eine Tätigkeitsbeschreibung inklusive Auflistung der betrieblichen und außerbetrieblichen Orte der Ausbildung. Dabei sollten auch die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten aufgeführt werden. Es reicht, dass zu erkennen ist, welche Inhalte der Azubi kennengelernt oder mit welchem Ausbildungsstand er seine Ausbildung vorzeitig abgebrochen hat.

Aus Höflichkeit sollte eine Schlussfloskel das Zeugnis beenden, in der zumindest gute Wünsche für den weiteren Lebensweg formuliert sind, bestenfalls aber dem Azubi gedankt und sein Weggang bedauert wird. Am Ende steht die Unterschrift des Arbeitgebers und gegebenenfalls des Ausbilders.

Was ist ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis?

Bei Verlangen ist ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen, welches neben den Angaben eines einfachen Zeugnisses weitere Aspekte enthält. Erstens wertende Beschreibungen zum Verhalten des Azubis wie beispielsweise der Umgang mit Kunden, Vorgesetzten oder anderen Auszubildenden. Dabei bedeut die Formulierung "stets vorbildlich" ein sehr gut, "vorbildlich" ein gut, "einwandfrei" ein befriedigend, "ohne Tadel" ein ausreichend, "gab zu keiner Klage Anlass" ein mangelhaft und "über ihn/ sie ist uns Nachteiliges nicht bekannt geworden" ein unzureichend. Zweitens enthält ein qualifiziertes Zeugnis wertende Beschreibungen der Leistung.

Zu einer ausführlichen Leistungsbeurteilung gehören neben einer zusammenfassenden Leistungsbewertung (siehe "Welche Formulierung bedeutet welche Note?") laut dem Landesarbeitsgericht Hamm sechs Merkmale:

  • Ausbildungsbefähigung (Fachwissen und -kenntnisse, Umsetzung des theoretischen Wissens)
  • Arbeitserwartung (Potenzial, Auffassungsgabe und -vermögen, Verhandlungsgeschick und Urteilsvermögen),
  • Ausbildungsbereitschaft (Engagement, Initiative, Interesse an Weiterbildung)
  • Ausbildungs- bzw. Arbeitsvermögen (Ausdauer, Belastbarkeit)
  • Arbeitsweise (Selbständigkeit, Sorgfalt, Zuverlässigkeit)
  • Arbeitserfolg oder -ergebnis (Effizienz, Tempo, Arbeitsmenge und -qualität, Termineinhaltung)

Nicht alle dieser Aspekte müssen in jedem Zeugnis enthalten sein. Die Leistungsbeurteilung kann auch nur in Form der zusammenfassenden Beurteilung erfolgen. Je besser aber der Azubi ist, desto mehr Aspekte sollte das Zeugnis enthalten. Nur mit ausführlichen Aussagen wirkt es glaubhaft, dass der Azubi gute oder sehr gute Leistungen erbracht hat. Besondere Leistungen wie beispielsweise besondere prüfungsrelevante Kenntnisse oder Prüfungsbester sollten speziell erwähnt werden. Übrigens bieten viele Handwerkskammern Musterzeugnisse an.

Was darf nicht im Zeugnis genannt werden?

Es gibt zwar eine Reihe von Gerichtsurteilen, das einzelne Inhalte nichts in einem Zeugnis zu suchen haben. Dennoch sind sich selbst Rechtsexperten nicht immer einig. Die folgenden Punkte gelten aber allgemein als unangebracht:

  • Einmaliges Fehlverhalten
  • Außerbetriebliches Verhalten
  • Einkommen
  • Tätigkeit in einer Interessenvertretung
  • Krankheiten und Krankheitsszeiten dürfen üblicherweise nicht genannt werden – es sei denn, sie machen etwa die Hälfte der gesamten Beschäftigungszeit aus
  • Kündigungsgründe – es sei denn, der Auszubildende verlangt die Angabe der Gründe oder ihm wurde aus betrieblichen, wirtschaftlichen Gründen gekündigt
  • Straftaten dürfen nur erwähnt werden, wenn sie im Zusammenhang mit dem Beschäftigungsverhältnis stehen, nachgewiesen sind und noch nicht aus dem Vorstrafenregister getilgt wurden. Der Hinweis auf laufende Ermittlungsverfahren ist verboten
  • Abmahnungen  

Muss ein Zeugnis immer wohlwollend formuliert sein?

Das Zeugnis soll dem Azubi als Unterlage für seine Bewerbung dienen und Dritte unterrichten. Dafür soll es alle wesentlichen Tatsachen enthalten, die zur Beurteilung von Bedeutung sind. Der Zeugnisaussteller ist bei der Entscheidung, welche Leistungen und Eigenschaften er hervorheben möchte, grundsätzlich frei. Nach der Rechtssprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) müssen Ausbildungszeugnisse jedoch in ihrer Aussage vollständig, wahr und gleichzeitig wohlwollend sein.

Die wohlwollende Zeugniserteilung darf aber nicht auf Kosten der Wahrheit erfolgen, da der künftige Arbeitgeber die Möglichkeit haben muss, sich ein Urteil über die Eignung seines zukünftigen Arbeitnehmers zu bilden. Dabei stellt nach einem neueren Urteil eine befriedigende Bewertung, also die Note drei, den Normalzustand dar. Daraus folgern die Richter, dass der Arbeitgeber eine schlechtere Beurteilung und der Azubi eine bessere Beurteilung beweisen müssen, wenn es zum Streit kommt.  

Welche Formulierung bedeutet welche Note?

Bei den meisten Zeugnissen werden Floskeln verwendet, mit denen die Leistung des Azubis bewertet wird. Nachfolgend werden gebräuchliche Formulierungen genannt, mit denen bestimmte Noten ausgedrückt werden sollen, wenn zum Beispiel der Satz "Herr Mustermann hat die ihm anvertrauten Aufgaben..." ergänzt wird mit:

  • "stets zu unserer vollsten / außerordentlichen Zufriedenheit erledigt." = Note 1
  • "stets zu unserer vollen Zufriedenheit / stets gut erledigt." = Note 2
  • "zu unserer vollen Zufriedenheit / gut erledigt." = Note 3
  • "stets zu unserer Zufriedenheit erledigt." = Note 3-4
  • "zu unserer Zufriedenheit / zufriedenstellend erledigt." = Note 4
  • "insgesamt / im Wesentlichen zu unserer Zufriedenheit / im Wesentlichen zufriedenstellend erledigt." = Note 5
  • "zu unserer Zufriedenheit zu erledigen versucht." = Note 6

 Welche Formulierungen bedeuten "zwischen den Zeilen" eine negative Wertung?

Wird zum Beispiel das Verhalten des Azubi gegenüber Kollegen und Vorgesetzten beschrieben, bedeutet dies, dass das Verhältnis gegenüber den Vorgesetzten nicht so gut war – ansonsten hätte die Reihenfolge andersherum sein müssen, nämlich "gegenüber Vorgesetzten und Kollegen". Wird im Zeugnis das Verhalten zu Vorgesetzten oder zu Kollegen nicht erwähnt, soll das bedeuten, dass der Azubi Schwierigkeiten mit diesen hatte.

In der Regel beinhalten Zeugnisse zudem eine Schlussformel mit den Aspekten Dank, Bedauern und Wünsche für die Zukunft. Solch ein Schluss mit allen drei Aspekten ist nicht zwingend, jedoch wünschenswert: Fehlt dies bei einem ansonsten sehr guten Zeugnis, kann das so verstanden werden, dass der Azubi doch nicht so gut war – ansonsten würde man es bedauern, dass er geht, sich bedanken und alles Gute wünschen.

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