Die Rezepte stammen vom Uropa, Produktion und Vertrieb sind auf dem neuesten Stand. Bereits 1997 war die Metzgerei Böbel im Internet vertreten, heute wird die Hälfte des Umsatzes online erwirtschaftet. Mit Ideen wie Weißwurstkonfetti, einem eigens entwickelten SB-Konzept und der amtierenden Weißwurstkönigin an der Spitze beweist der Betrieb, wie innovativ modernes Fleischerhandwerk sein kann.

"Breze mit grobem Salz", in Julia Böbels Stimme schwingen viele Emotionen mit, als sie das sagt. Die 27-jährige Metzgermeisterin blickt fassungslos auf ihr Publikum, das auch über Brötchen oder gar Brot als passende alternative Beilagen zur Weißwurst nachdenkt. Undenkbar.
Böbel wurde im Februar 2026 von der Metzgerinnung AberLand zur 11. Bayerischen Weißwurstkönigin gekrönt. Mit der jährlichen Vergabe des Titels feiert die Innung die Qualität des Metzgerhandwerks und die Verbundenheit der Menschen mit ihrer kulinarischen Tradition. Auf die Frage hingegen, was man dazu trinken soll, zeigt sich Ihre Königliche Hoheit deutlich flexibler. Ob Bier oder Weizen, ist dem eigenen Geschmack überlassen.
Und was hält sie von dem Spruch, dass die Wurst das 12-Uhr-Läuten nicht hören darf? Da winkt sie ganz ab. "Das liegt nur daran, dass man früher keine ordentliche Kühlung hatte und die Wurst daher schnell essen musste. Heute kann man sie genauso gut auch nachmittags verspeisen."
Überzeugungen wurden ihr vorgelebt
Wie mit den Ritualen hält es Julia Böbel auch mit der Produktion ihrer königlichen Weißwurst: Das Rezept ist noch von Uropa Georg – regelmäßig vom 80-jährigen Opa Willy kontrolliert –, die Produktion natürlich auf Stand 2026. "Das Handwerk lebt sehr von Traditionen", ist die Metzgermeisterin überzeugt, "aber auch davon, mit der Zeit zu gehen."
Diese Überzeugung hat sie im Familienbetrieb schon als Kind vorgelebt bekommen: Papa Claus Böbel brachte die kleine Metzgerei in Rittersbach schon 1997 ins Internet. Da waren erst 6,5 Prozent der Deutschen überhaupt verbunden. Und Boris Becker war über AOL auch erst 1999 "drin". 2007 führte der findige Metzgermeister den ersten Online-Shop ein, seit 2009 gibt es das Event- und Kursangebot WurstErleben und seit 2011 den 24-Stunden-SB-Verkauf. 2018 eröffnete er das weltweit erste Bratwursthotel im Familiengasthof, aus dem die Metzgerei Anfang des 20. Jahrhunderts ursprünglich entstanden war. Über 60 verschiedene Bratwurstsorten bieten die Böbels dort an, unter anderem mit Mehlwürmern oder Popcorn.

Hybrides Konzept
Und trotzdem: Auch Julia möchte nicht stehenbleiben. In der Bachelorarbeit ihres Studienfachs Lebensmittelmanagement hat sie daher verschiedene SB-Systeme miteinander verglichen und das perfekte für sich und ihren Familienbetrieb konzipiert und umgesetzt. Dafür musste auch der 2015 angeschaffte Wurst- und Gefrierautomat (für die 60 Bratwurstsorten) wieder weichen. Durch die Einzelentnahme der Produkte hatte er sich als zu langsam und umständlich erwiesen.
Seit 2024 gibt es in Rittersbach jetzt ein hybrides Konzept. "Die Menschen, vor allem die ältere Kundschaft, schätzen den persönlichen Kontakt beim Metzger", erläutert sie. Daher gibt es an vier Tagen der Woche den normalen Verkauf – auch für Spezialwünsche. Doch ein großer Teil der Theke ist mittlerweile so gestaltet, dass die Kunden sich dort selbst bedienen können. Die Waren sind portionsgerecht vakuumverpackt, können selbstständig entnommen und an der automatischen Kasse eingescannt und bezahlt werden.
Öffnungszeiten der SB-Theke? 6 bis 22 Uhr – täglich. "Damit sprechen wir vor allem jüngere Kunden oder sonntägliche Ausflügler an, die sich nicht unterhalten möchten oder die die erweiterten Öffnungszeiten schätzen“, erklärt die Metzgermeisterin. Das Erklärvideo zur Selbstbedienung hat Julia Böbel aber selbst gesprochen – für die persönliche Note.
50 Prozent des Umsatzes passieren im Laden, 50 Prozent im Online-Shop und dann gibt es ja noch das Bratwursthotel. Dort wohnen "normale" Gäste, die wegen des Triathlons oder der NürnbergMesse in der Region sind, aber auch solche, die WurstErleben möchten. Sie zerlegen, wursten, kochen und genießen in Hotel und Metzgerei – seit neuestem zum Beispiel Weißwürste mit der Weißwurstkönigin Julia I.
Seit 2025 leitet Julia Böbel die Produktion
Wenn sie mit ihr in der Werkstatt stehen und das Brät in die Schweinsdärme füllen, hat Julia Böbel ihr Ziel erreicht: "Ich habe mich um die Krone beworben, weil ich Menschen Einblicke in dieses wunderbare Handwerk geben möchte", erzählt sie begeistert. "Wir machen viel mehr als schlachten und zerlegen. Wir sind kreativ."

2025 hat sie von ihrem Vater die Produktionsleitung übernommen. "Wir sind ein junges Team, alle um die 30 Jahre, und wir lachen viel bei der Arbeit." So entstehen auch die besten Ideen: "Letztes Jahr haben wir an Fasching Gelbwürste gelb gefärbt und uns dabei überlegt: Warum gibt es eigentlich kein Weißwurstkonfetti?" Da hat sie mit ihrem Kollegen schnell Abhilfe geschaffen: Seit vergangenem Jahr gibt es bei Böbels kleine Weißwurstkugeln in Rot, Grün, Blau und Gelb. "Vor allem die Kinder sind immer total begeistert, wenn sie es in der Theke sehen. Aber auch im Online-Shop ist es beliebt", freut sich die Erfinderin. An Ostern hat sie so lange getüftelt, bis sie einen Bratwurstosterhasen entworfen hatte. "Aber der blieb ein Einzelstück", winkt sie lachend ab.
Die Lust am Ausprobieren ist es auch, die sie bewogen hat, ins Familienunternehmen einzusteigen: "Ich bin gerne mein eigener Chef", sagt Julia Böbel. Zu ihren Ideen sagt Papa Claus, der selbst ein Freigeist ist: "Wenn du es versuchen möchtest, probiere es aus." Sie liebt diese kreative Freiheit: "Manchmal klappt es und manchmal weiß ich danach, warum wir die Dinge so machen, wie wir sie schon immer machen", lacht die Metzgermeisterin.
Handwerk soll den Menschen nähergebracht werden
Was sie in Zukunft noch so plant? "Ich möchte als Weißwurstkönigin auf jeden Fall mehr Social Media machen, um den Menschen unser Handwerk nahezubringen. Was kann ich aus welchem Teil des Schweins kochen, wie entsteht eine Weißwurst oder was macht eine Metzgerin eigentlich den ganzen Tag?"
Außerdem hat sie noch jede Menge Ideen. Um die Zukunft wird der Weißwurstkönigin also nicht bang. "Kleine, kreative, individuelle, persönliche Metzgereien wie uns wird es auch in 20 Jahren noch geben – mit Social Media, mit SB-Theke, automatischen Kassensystemen, Online-Shop und Traditionen."