2022 hat das Dachdeckerhandwerk einen Gesamtumsatz von rund 13 Milliarden Euro erzielt – das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von fast 14 Prozent. Hohe Kosten für Baustoffe, Energie und Personal haben diesen Zuwachs allerdings komplett aufgefressen. Trotz der Probleme blickt die Branche aber mehrheitlich zuversichtlich in die Zukunft.

Das Dachdeckerhandwerk erzielte im letzten Jahr einen Gesamtumsatz von 12,95 Milliarden Euro. Das ist im Vergleich zu 2021 ein Zuwachs von 13,6 Prozent oder 1,55 Milliarden Euro. Das belegen Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung der Branche vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Auch die Lieferengpässe wurden 2022 größtenteils überwunden. "Die Preissteigerungen von insgesamt durchschnittlich knapp 20 Prozent bei wichtigen Baustoffen, Energie und Personal haben allerdings den Zuwachs komplett aufgefressen", stellt Felix Fink, Diplom-Ökonom beim ZVDH fest und führt aus: "Am Ende dürfte der Gesamtumsatz der Betriebe real um circa sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken sein. Damit relativiert sich der erfreulicher Weise gestiegene Umsatz schnell wieder."
Problem Fachkräftemangel
Der Verband weißt noch auf ein weiteres Problem hin, das den Betrieben Sorgen bereitet: "Wir verlieren Mitarbeitende im gewerblichen Bereich", so Fink. Die durchschnittliche Zahl habe im letzten Jahr im Dachdeckerhandwerk mit 63.552 um 1,4 Prozent unterhalb der Vorjahreszahl gelegen. "Da auch die Zahl der Auszubildenden Anfang 2023 leicht gesunken ist, wird sich der Fachkräftemangel noch verschärfen", erläutert Fink.
Das Dachdeckerhandwerk ist zuversichtlich
Doch trotz dieser Schwierigkeiten blickt der überwiegende Teil der Betriebe im Dachdeckerhandwerk optimistisch in das weitere Jahr 2023 – und das, obwohl zusätzlich viele von ihnen vom Einbruch im Wohnungsneubau betroffen sind. Die Ertragslage wurde von den Inhabern in der aktuellen ZVDH-Jahresumfrage vielfach als gut bis zufriedenstellend angesehen.
Die Zuversicht resultiere zudem aus der Erkenntnis, dass das Dachdeckerhandwerk maßgeblich an der Energiewende beteiligt sein wird. Für das Erreichen der gesteckten Klimaziele ist eine deutliche Zunahme der Maßnahmen bei der energetischen Gebäudesanierung und bei der Errichtung von Photovoltaikanlagen unabdingbar, so der Verband. Bei abgeschwächten, aber immer noch vergleichsweise hohen Preissteigerungsraten könnte das Jahr 2023 für das Dachdeckerhandwerk einen weiteren nominalen Umsatzzuwachs zwischen sieben und zehn Prozent bringen, meint ZVDH-Ökonom Fink.
Im Zusammenhang mit den Energiewende fordert der Verband von der Politik neue Förderregelungen. Explizit nennt er die Weiterbildungsmaßnahme zum "ZVDH-zertifizierten Photovoltaikmanager im Dachdeckerhandwerk". "Eine Förderung dieser Weiterbildungsmaßnahmen könnte dazu beitragen, dass das Dachdeckerhandwerk die geforderten PS auch auf die Straße bringt", sagt Fink. Auch eine Doppelförderung wäre hilfreich: Erhöhung der Förderung auf 20 Prozent für die Dämmung der Gebäudehülle und zusätzlich 25 Prozent Förderung für Solaranlagen. ew