Umgang mit psychischen Belastungen Corona-Weihnachten: 7 Tipps für ein ausgeglichenes Fest

Schon wieder ein Weihnachten mit dem Corona-Virus. Wie gelingt es trotz Gefühlen von Ängstlichkeit, Verunsicherung und Traurigkeit ein psychisch ausgeglichenes Weihnachtsfest zu feiern? Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung gibt Empfehlungen.

Das Corona-Virus beeinflusst auch in diesem Jahr das Weihnachtsfest. Wegfallende Rituale in der Weihnachtszeit können zu zusätzlichen psychischen Belastungen führen. - © ink drop - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie hat viele Gewohnheiten und Alltagsstrukturen auf den Kopf gestellt. Auch in diesem Jahr wird das Weihnachtsfest für viele Menschen anders sein als sonst – kleiner, vielleicht einsamer, improvisiert.
 
Traditionen und Rituale der Weihnachtszeit dienen aus psychologischer Sicht dazu, gemeinsame Identität und Zugehörigkeit zu stiften. Gerät dies ins Wanken, kann bei all der gesellschaftlichen Unsicherheit in der Pandemie eine zusätzliche psychische Belastung entstehen. Zudem ist in der "dunklen Jahreszeit" das Risiko einer saisonalen Depression ohnehin erhöht. Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) hat Empfehlungen formuliert, die für psychische Entlastung in der Weihnachtszeit sorgen können.

Corona-Weihnachten: Trotz Sorgen ausgeglichen feiern

1. Verständnis für sich und andere haben

Die Menschen dachten, sie wüssten, was auf sie zukommt? Auch wenn es wissenschaftliche Vorhersagen gab, so ist es für die meisten die erste Pandemie, die sie erleben. Es gibt zwar mittlerweile viele Erfahrungen damit – aber nicht mit dem Verlauf einer Pandemie. Es bleibt für viele eine neue Situation, in einer Pandemie zu leben – mit allem Auf und Ab. Geduld und Verständnis für die eigene und vor allem für die Unsicherheit der Mitmenschen sind wichtig.

2. Perspektiven schaffen

Unsere Psyche will wissen, was als nächstes kommt. Die Kernfrage ist auch dieses Jahr: Wie verbringe ich Weihnachten, wenn das Virus weiterhin wütet? Sprechen Sie rechtzeitig darüber, mit wem und wie Sie Weihnachten verbringen werden. Vermeiden Sie die Frage nicht, denn ein Hin-und-Hergerissen sein (kognitive Dissonanz) macht der Psyche zusätzlichen Stress. Überlegen Sie im Einzelfall auch, welche Möglichkeiten es gibt, mit einer freiwilligen Vorab-Quarantäne Risikopatienten besonders zu schützen und den Kontakt über Weihnachten zu halten. Machen Sie einen Plan.

3. Sich zu ärgern, ist auch mal in Ordnung

Werden Erwartungen und Hoffnungen enttäuscht, ist es nur allzu verständlich, dass Frust, Traurigkeit oder andere Gefühle entstehen können. In der Regel gibt es gute Gründe, warum Menschen so reagieren, wie sie reagieren – und das ist in Ordnung. Es ist daher wichtig, sich auch mal ordentlich ärgern zu dürfen. Und es ist genauso wichtig, Ärger wieder loslassen zu können. Denn auf Dauer kostet Ärger Kraft und wird somit zu einem zusätzlichen Stressfaktor.

Corona-Weihnachten: 4. Ideen hamstern

Nicht nur Supermarktartikel, sondern auch Ideen lassen sich hamstern. Könnten Sie Plätzchen backen, Weihnachtsbaum schmücken; auch per Videotelefonat? Würde sich jemand über Briefe, Fotos, Päckchen freuen? Stellen Sie emotionale Nähe statt physischer Nähe her. Wenn Sie Weihnachten nicht allein bleiben wollen, gehen Sie es jetzt aktiv an. Sprechen Sie andere Menschen an, erlauben Sie sich, um Unterstützung zu bitten. Setzen Sie Ihre Ideen trotz derzeit begrenzter Möglichkeiten, so gut es geht in Taten um. Auch Bewegung ist hilfreich, insbesondere Bewegung in der Natur.

5. Zeit statt Zeug

Einiges wird in der Pandemie neu gedacht und erlebt. Vielleicht auch unser Konsumverhalten in der Weihnachtszeit? Vielleicht ist es auch entlastend, nicht für viele Leute kochen zu müssen, weniger unterwegs zu sein, weniger "Feiertagsstress" zu haben? Überlegen Sie, wie Sie sich bewussten Genuss und Zeit für Schönes gönnen können.

6. Radikale Akzeptanz

Es ist verständlich, dass Veränderungen in der Weihnachtszeit durch die Pandemie traurig oder wütend machen können. Das Konzept der "Radikalen Akzeptanz" beschreibt die aktive Entscheidung, Dinge, die man nicht beeinflussen kann, zu akzeptieren – und zwar radikal. Dies bedeutet nicht, etwas gutzuheißen oder einverstanden zu sein, sondern lediglich, die Realität so zu sehen, wie sie ist. Erfolgt dieser psychologische Prozess bewusst als Entscheidung, kann eine radikale Akzeptanz Selbstwirksamkeit und das Erleben von Handlungsfähigkeit stärken und schleichender Frustration oder sogar Hilflosigkeit entgegenwirken.

Corona-Weihnachten: 7. Nachrichten und Social Media gezielt nutzen

Bei großer Verunsicherung suchen wir nach Informationen. Aber zu viel davon kann auch weiter verunsichern. Das ständige Beschäftigen mit angstbesetzten Neuigkeiten in Medien und Social Media "füttert" Angstgedanken und führt zu zusätzlicher Nervosität und Gedankenkreisen. Hilfreich kann es daher sein, den Medienkonsum aktiv zu begrenzen – etwa mit einem Timer, durch das Stummschalten von Messenger-Gruppen, Hashtags oder Accounts. Achten Sie auf vertrauenswürdige Quellen. Auf welche Trigger reagieren Sie besonders? Können Sie diese meiden?

ew/mit Inhalten der dpa