Gesundheit -

Hygienekonzept in der Praxis Corona-Schutz im Laden: So bereitet sich dieser Radhändler vor

Autohäuser, Fahrradhändler und auch Friseure dürfen schon bald wieder ihre Ladentüren öffnen, allerdings nur unter Auflagen. Betriebe müssen ein Hygienekonzept vorlegen. Der Radhändler Rose Bikes sieht sich gewappnet. Ein Praxisbeispiel, wie Betriebe mit Ladengeschäft ihre Kunden und Mitarbeiter vor dem Coronavirus schützen können.

Die "neue Normalität" nannte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) die Phase, die nun vor uns liegt. Kontaktbeschränkungen bleiben zwar vorerst bestehen, Schulen und kleinere Geschäfte dürfen ihren Betrieb jedoch schrittweise wieder aufnehmen. Zunächst gilt dies nur für bestimmte Klassenstufen sowie für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern, wobei die Regelungen je nach Bundesland abweichen können. Kfz- und Fahrradhändler sowie Buchhandlungen sollen ihre Türen unabhängig von der Verkaufsfläche wieder öffnen dürfen.

Für Autohäuser und Handwerksbetriebe mit Ladengeschäft gelten dann jedoch strenge Auflagen. Ebenso für Friseursalons, die Anfang Mai wieder öffnen dürfen. Die Betriebe müssen auf Grundlage einer angepassten Gefährdungsbeurteilung sowie betrieblichen Pandemieplanung ein Hygienekonzept umsetzen. Das Bundesarbeitsministerium hat hierzu inzwischen verbindliche SARS-CoV-2-Ar­beits­schutz­stan­dards veröffentlicht, die jedoch für die einzelnen Branchen noch konkreter gefasst werden.  

Individuelle Corona-Schutzmaßnahmen erforderlich

"Die Arbeitgeber sind verantwortlich, sichere Arbeitsbedingungen zu bieten", erklärt Martin Lützeler, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS. Betriebe müssten Schutzmaßnahmen einführen, die auf die betriebliche Situation angepasst sind. "Es hängt von den betrieblichen Gegebenheiten – Aufgaben, Anzahl Beschäftigte, Teamarbeit, Räume, Kundenbesuche – ab, welche Maßnahmen erforderlich sind." Arbeitgeber müssten hierfür eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Bei den Maßnahmen müssen Arbeitgeber die im Arbeitsschutzgesetz vorgesehene Reihenfolge einhalten: vorranging sind technische Maßnahmen vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen.

Hygienekonzept: Rose Bikes sieht sich gewappnet

Der Fahrradhändler Rose Bikes sieht sich gut vorbereitet. "Auch wenn die Öffnung unserer Geschäfte gesundheitspolitisch vertretbar ist, müssen wir mehr tun als die Sicherheits- und Hygienevorkehrungen zu treffen, die uns die Regierung vorgibt", ist Tim Böker, Retail-Chef bei Rose Bikes, überzeugt. "Die Prävention und Verhinderung von Infektionsketten ist extremwichtig. Dafür haben wir ein umfassendes Schutzprogramm und Vorsorgemaßnahmen erarbeitet. Alle Mitarbeiter erhalten regelmäßig Schulungen über Hygienevorschriften und werden täglich sensibilisiert, den nötigen Mindestabstand einzuhalten."

Rose Bikes beschäftigt in seinen drei stationären Geschäften in Bocholt, München und Posthausen insgesamt 85 Mitarbeiter. Zur Sicherung der Nahverkehrsmobilität soll neben dem Ladengeschäft auch der in der Lockdown-Phase eingeschränkte Werkstattservice wieder auf Normalbetrieb hochgefahren werden.

Strenge Selbstauflagen für Wiedereröffnung

Der Mittelständler hat einen Katalog an Selbstauflagen und Maßnahmen erarbeitet, die den Mitarbeitern klare Regeln an die Hand gibt, das Infektionsrisiko in den Geschäften zu reduzieren und gleichzeitig ermöglicht, den wirtschaftlichen Betrieb der stationären Geschäfte und den Werkstattservice in einer der Situation angemessenen Form wieder aufzunehmen:

  1. Sicherung der Einhaltung des Mindestabstands: Dazu gibt es in den jeweiligen Geschäften Einlassbeschränkungen und Zugangskontrollen – abhängig von der Quadratmeterzahl und ein kontaktloser Kassenbereich. Für die Überwachung innerhalb des Geschäftes wird zusätzliches Personal eingesetzt, es werden Mitarbeiter als Hygiene- und Flächencoaches abgestellt.
  2. Schutzmaskenpflicht für alle Kunden und Mitarbeiter: Rose wird Kunden Schutzmasken gegen eine freiwillige Spende für die Deutsche Förderungsgesellschaft zur Mukoviszidose-Forschung zur Verfügung stellen.
  3. Strenge Hygienevorschriften: Rose Bikes stellt erhöhte Reinigungsintervalle sicher, sowohl für das Ladengeschäft selbst wie auch für die Produkte. Fahrräder werden nach Beratungsterminen bzw. nach Testfahrten vollständig desinfiziert. Teile, Zubehör und Bekleidung dürfen von Kunden und Mitarbeitern nur mit Handschuhen oder nach gründlicher Händedesinfektion ausgehändigt werden. Dazu werden in den Läden ausreichend Desinfektionsstationen eingerichtet.
  4. Beratung möglichst nur noch nach Terminvereinbarung: Um die Frequenz in den Geschäften niedrig zu halten und Warteschlangen zu vermeiden, werden die Kunden dafür sensibilisiert, möglichst nur noch auf Terminvereinbarung in die Stores zu kommen. Alternativ können Kunden auch auf die digitale Verkaufsberatung über Livechat zurückgreifen.
  5. Öffnungsintervalle der Werkstatt: Die Werkstatt von Rose Bikes öffnet in Intervallen getrennt für Annahme und Abholung. Neue Räder werden direkt an den Kunden zuhause ausgeliefert.
  6. Transparente Kommunikation über digitale Kanäle: Rose Bikes fordert seine Kunden auf, so weit möglich Beratung, die Klärung von persönlichen Anliegen und Fragen über die digitalen Kanäle in Anspruch zu nehmen.

Für den Laden in Bocholt plant der Fahrradhändler zusätzlich einen mobilen Service für die Kunden einzurichten, um die Frequenz in den Läden niedrig zu halten und Warteschlangen zu vermeiden. Die Mitarbeiter kommen nach einer Online-Terminvereinbarung im Umkreis von 50 Kilometer zu einer persönlichen Beratung unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen zu den Kunden nach Hause.

Corona-Schutzmaßnahmen: Tipps für Fahrradhändler
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten