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Ertrags- und Umsatzsteuer Corona-Krise: Ist Crowdfunding ein Fall fürs Finanzamt?

In der Corona-Krise entstehen viele Ideen, wie Unternehmer die schwierige Zeit ohne Aufträge oder bei Betriebsschließung finanziell möglichst unbeschadet überstehen können. Eine dieser Überlegungen ist das Einsammeln von Geld per Crowdfunding. Doch wie wirkt sich Crowdfunding beim Unternehmer ertrags- und umsatzsteuerlich aus?

Um möglichst schnell an Geld zu kommen, ohne bei der Bank einen Kredit aufnehmen zu müssen, ist der Aufruf über eine speziell auf Crowdfunding spezialisierte Internetseite möglich. Dort stellt man seine Ziele vor, die mit dem Geld erreicht werden sollen. Die Ziele in Zeiten Corona dürften klar sein. Interessenten sollten dem Betrieb Geld "spenden", damit der Betrieb nach der Kontaktsperre wieder öffnen kann.

Zu unterscheiden ist zwischen folgenden Formen des Crowdfundings:

  • Donation-Crowdfunding: Der Geldgeber leistet an den Initiator (= Handwerksbetrieb) eine Zahlung, ohne dass er dafür einen materielle oder finanzielle Gegenleistung erwartet.
  • Reward-Crowdfunding: Der Geldgeber bekommt für seine Zahlung, die er an den Initiator (= Handwerksbetrieb) leistet, ein kleines Dankeschön in Form eines Rabatts auf Waren und Dienstleistungen oder ein kleines Präsent.
  • Lending-Crowdfunding: Der Geldgeber leiht dem Unternehmer Geld und bekommt dafür entweder Zinsen oder einen festgelegten Naturalrabatt (Geldgutschein zum Bezug von Waren und Dienstleistungen). Hier hat man einen Anspruch auf Rückzahlung des hingegebenen Geldes.
  • Equitiy-Crowd-Investing: Hier bekommt der Geldgeber für seine Zahlung entweder einen Anteil am Handwerksbetrieb oder einen festgelegten Anteil am Gewinn.

In diesem Praxisbeitrag beleuchten wir vor allem die ersten beiden Crowdfunding-Modelle aus steuerlicher Sicht, weil diese in der Praxis am einfachsten umsetzbar sind.

Führt Crowdfunding zu steuerpflichtigen Betriebseinnahmen?

Registriert sich ein Handwerker, der durch die Corona-Krise erhebliche finanzielle Schwierigkeiten hat, bei einem Crowdfunding-Portal und ruft potentielle Geldgeber auf, für das Weiterbestehen des Betriebs Geld zu spenden, führen die Zahlungen beim Initiator (= Handwerksbetrieb) bei den beiden ersten Crowdfunding-Modellen zu einkommensteuerpflichtigen Betriebseinnahmen. Das kann einer Antwort auf eine Frage zum Crowdfunding der Bundesregierung entnommen werden.

Man könnte nun auch auf die Idee kommen, dass der Kunde dem Handwerksbetrieb eine freigiebige Zuwendung zukommen lässt und es sich hierbei um eine Schenkung handelt, wenn er keine Gegenleistung für seine Zahlung erhält. Dann wären Zuwendungen je Schenker bis zu einem Betrag von 20.000 Euro steuerfrei. Doch dieser Überlegung funktioniert bei der Unterstützung von Handwerksbetrieben nicht.

Fällt Umsatzsteuer auf die Crowdfunding-Zahlungen an?

Ob Umsatzsteuer für die erhaltene Zahlung der Geldgeber ans Finanzamt abgeführt werden muss, hängt davon ab, welche Gegenleistung vom Initiator versprochen wurde. Ohne konkret vereinbarte Gegenleistung (z.B. Anspruch auf Bezug von Waren oder Dienstleistungen zu einem bestimmten Wert), fehlt es an der entsprechenden Gegenleistung. Folge: Hier fehlt es an einem umsatzsteuerbaren Leistungsaustausch zwischen dem Handwerksbetrieb und dem Geldgeber. Deshalb muss für solche Zahlungen keine Umsatzsteuer ans Finanzamt abgeführt werden. Legen Geldgeber und Initiator des Crowdfundings dagegen klar fest, welche Gegenleistung der Geldgeber bekommt und handelt es sich um eine im Verhältnis zum erhaltenen Geldbetrag angemessene Gegenleistung, ist die Zahlung des Geldgebers als umsatzsteuerpflichtig Einnahme zu qualifizieren.

Praxis-Tipps: Wer es gerne einfacher mag und davor zurückschreckt, Kunden um Geld anzubetteln, kann auch einen einfacheren Weg gehen. Bieten Sie Ihren Kunden den Kauf von Waren- oder Dienstleistungsgutscheinen an. Um steuerlich auf der sicheren Seite zu stehen, sollten Sie vorab das Gespräch mit Ihrem Steuerberater suchen.

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