Arbeitsrecht Corona: Anhusten rechtfertigt fristlose Kündigung

Wer in der Pandemie einen Kollegen absichtlich anhustet, riskiert seinen Job. Ein Arbeitgeber kann daraufhin eine fristlose Kündigung aussprechen, wie das Landesarbeitsgericht Düsseldorf betont.

Um andere nicht anzustecken, gilt die Husten-Etikette, indem man beispielsweise in die Armbeuge niest. - © Andrei - stock.adobe.com

Eine fristlose Kündigung sei gerechtfertigt, wenn ein Arbeitnehmer bewusst einen Kollegen aus nächster Nähe anhuste und ihm wünsche, er möge sich mit Corona anstecken. Dieses Verhalten verletze in erheblicher Weise die Rücksichtnahmepflicht gegenüber Kollegen.

Im vorliegenden Fall war ein junger Zerspanungsmechaniker in seinem Unternehmen auffällig geworden, weil er sich wiederholt nicht an die Corona-Schutzmaßnahmen wie Hygiene und Abstand gehalten hatte. Er soll auch gesagt haben, dass er die Maßnahmen "nicht ernst nehme“ und nicht einhalten werde, so das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (LAG Düsseldorf, Az. 3 Sa 646/20).

Ohne Abstand und mit Vorsatz

Zu Beginn der Corona-Pandemie im März vergangenen Jahres habe er einen Kollegen gegen dessen Willen am Arm angefasst und vorsätzlich ohne ausreichenden Abstand angehustet. Sinngemäß habe er die Hoffnung geäußert, "dass der Kollege Corona bekäme". Es war nicht bekannt, ob der junge Zerspanungsmechaniker zu diesem Zeitpunkt mit Corona infiziert war.

Dieser behauptete, er habe an diesem Tag spontan husten müssen und niemanden einer Infektionsgefahr ausgesetzt. Als der Kollege sich belästigt gefühlt habe, entgegnete er, der Kollege möge "chillen, er würde schon kein Corona bekommen".

Unternehmen muss Fehlverhalten beweisen

Im konkreten Fall gab das LAG Düsseldorf der Klage des gekündigten Arbeitnehmers statt, weil das beklagte Unternehmen den Sachverhalt nicht beweisen konnte. Arbeitgeber tragen für den Kündigungsgrund die Beweislast. Es wies in seinem Urteil jedoch darauf hin, dass – hätte der Sachverhalt bewiesen werden können – eine fristlose Kündigung gerechtfertigt sei. Eine Abmahnung genüge in der derzeitigen Situation nicht, wenn ein Arbeitnehmer betone, Arbeitsschutzvorschriften nicht einhalten zu wollen und absichtlich einen Kollegen ohne Abstand und Schutz anhuste.

Arbeitgeber sind verpflichtet, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu schützen und die Corona-Arbeitsschutzregeln in ihrem Betrieb durchzusetzen. Das beklagte Unternehmen hatte im März vergangenen Jahres einen internen Pandemieplan aktiviert. Zu den Verhaltensregeln gehörte, Abstand zu halten und bei Husten oder Niesen Mund und Nase zu bedecken.

Das LAG hat die Revision nicht zugelassen.

dan/Quelle: LAG Düsseldorf