Schreinerei in Rimpar CNC statt Hobelbank: Stephan Ganz strebt nach Effizienz

Stephan Ganz hat eine klare Vision: Mit neuester Technologie individuellen Kundenwünschen gerecht werden. Auf seine Schreinerei warten große Herausforderungen und der eigene Qualitätsanspruch. Mithilfe neuster Datentechnologie und autarker Energieversorgung sucht Ganz den Weg zu einem effizienten Handwerksbetrieb.

Stephan Ganz, CNC statt Hobelbank
Stephan Ganz möchte seinen Betrieb effizient gestalten. - © Simon Knaack

Schon auf der Straße im Rimparer Industriegebiet liegt ein zärtlicher Holzduft in der Nase. Je näher man dem modernen Firmengebäude kommt, desto mehr intensiviert sich der Geruch. Die Tür zum hellen Büro steht offen. Drinnen sitzt Stephan Ganz vor zwei riesigen PC-Bildschirmen. Auf diesen sind 3D-Detailzeichnungen von Möbelstücken zu erkennen. Ein massiver Holztisch in der Mitte, flankiert von mattschwarzen Schränken sorgen für ein modernes Ambiente. Der Raum könnte so auch in einer Werbeagentur stehen.

Qualitätsprüfung mit eigenen Augen

An Ganz Arbeitshose hängt ein Maßband und ein Tieflochmarker. Gerade kommt der 32-Jährige Inhaber der Schreinerei von der ersten Abnahme des Tages. "Mir ist es sehr wichtig bei jeder Montage mindestens einmal vor Ort zu sein. Manche Dinge montiere ich selber, bei gewissen schaue ich nur mal vorbei. Der Vorteil ist, dass ich bei der Betriebsgröße die Qualität noch selbst sichern kann", schildert Stephan Ganz. In Sachen Betriebsgröße hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Nach der Ausbildung zum Schreiner und ersten selbstständigen Tätigkeiten fällt für Ganz vor sechs Jahren die Entscheidung, eine eigene Produktion aufzubauen. Inzwischen beschäftigt der junge Gründer elf Mitarbeiter innerhalb des 960 Quadratmeter großen Firmenneubaus.

CNC-Technik und Reste-Verwertung

Durch nur eine massive Tür gelingt der Eintritt in eine andere Welt. Eine riesige CNC-Fräsmaschine prangt inmitten einer großen Industriehalle, ergänzt durch weitere Schnitt- und Kantenmaschinen. Eine Hobelbank sucht man hier vergebens. Immer wieder durchbricht das sägende Geräusch der Plattensäge die Szenerie, gepaart mit dem immer gleichmäßigen Dröhnen der beiden Absaugmaschinen, welche über der Produktionshalle thronen. Die Produktionsmaschinen tragen einen großen Teil zur autarken Energieversorgung der Schreinerei bei. "Die gepressten Holzreste dienen in Form von Briketts als Material für die Heizanlage. Über die PV-Anlage auf dem Dach werden knapp zwei Drittel des Strombedarfs gedeckt", schildert Ganz mit leichtem Stolz in der Stimme.

Produktion durch Planungssoftware verdreifacht

Vor der CNC-Bearbeitungsmaschine steht Eugen Schweigert. Als Mitarbeiter der ersten Stunden und Verantwortlicher für die Arbeitsvorbereitung, beobachtet der staatlich geprüfte Techniker die sich immer wiederholenden Bohrungen des fünfachsigen Kolosses. Schweigert blättert in den mehrseitigen Unterlagen. Jedem Möbelstück wird in der Produktion automatisch ein Produktionsbegleitzettel und Mengenstückliste samt 3D-Zeichnung mit auf den Weg gegeben. Im Zuge der Digitalumstellung im letzten Jahr wurde eine Schnittstelle vom Zeichenprogramm an die verschiedenen Arbeitsstationen geschaffen. "Vorher habe ich jeden Auftrag ein bis zwei Tage für die CNC-Maschine vorprogrammiert", erzählt Schweigert verschmitzt. Nun werden die 3D-Daten direkt an die Maschinen übergeben. Mithilfe der neuen Planungssoftware konnte die Produktionsleistung verdreifacht werden, so der langjährige Mitarbeiter.

Gerade bohrt das CNC-Bearbeitungszentrum punktgenau die Löcher für den heute anstehenden Arbeitsauftrag. Für ein Kleiderschrankmodell werden die letzten Schranktüren benötigt, bevor im Anschluss die Montage erfolgen kann. Schon am nächsten Tag soll der Schrank fertig aufgebaut beim Kunden stehen. In mattweiß gehalten, entspreche dieser laut Ganz genau dem aktuellen Trend. "Oft fügen sich die matten Modelle schön in den Wohnraum ein. Sie erzeugen keine Dominanz, sondern wirken eher zurückhaltend", erläutert der Schreiner.

Montage im Bankraum

Von der großen Maschinenhalle ist es nur ein kleiner Schritt in den Operationssaal der Schreinerei. Hier geht es fast zu wie im Wespennest. Am ersten Montagetisch werden gerade Tischbeine angebracht, auf der anderen Seite laufen Bohrungen an einem Bettgestell. Zwei Küchen stehen fast fertig konfektioniert an der Seite, in Erwartung der letzten Montageschritte. Am letzten der drei Montagetische liegen bereits die meisten Einzelteile des Kleiderschranks und warten auf die Zusammenstellung.

Leopold Schäbler spricht lieber von dem sogenannten Bankraum. Der junge Schreinermeister ist in seiner Hauptzeit für die Montage verantwortlich. Gerade wartet Schäbler noch auf die Sockel des Kleiderschranks, damit der Zusammenbau starten kann. Diese sind notwendig, damit der Schrank später direkt auf dem Boden richtig ausgerichtet und platziert werden kann. Nachdem die Einzelteile mit Zitrussäure gesäubert sind, folgt der Aufbau. "Jedes bearbeitete Halbteil ist mit einem Etikett ausgestattet, das mehr über die Position verrät und auf dem 3D-Plan wiederzufinden ist“, verrät Schäbler. Für ihn sind es heute schnelle Handgriffe. Selbstsicher schnappt sich der junge Schreiner die Begleitpapiere: "Die Arbeitsschritte fließen an vielen Stellen ineinander". Passend zum Unterboden folgt Oberboden, Rückwand, Seitenteile und Deckel. "Wenn das alles in Waage steht folgt der restliche Zusammenbau, sodass der Schrank einmal komplett steht", erklärt er.

Flache Hierarchien und Innovation

Wenn die Mitarbeiter über ihren Arbeitsplatz sprechen wird oft das junge Team oder die innovativen Prozesse erwähnt. Viele schätzen die flachen Hierarchien oder auch die helle Gestaltung der Arbeitsplätze. Miteinander statt gegeneinander zu gehen sei heute das Erfolgsgeheimnis, erklärt Stephan Ganz.

Ihn selbst sieht man währenddessen alle paar Minuten am Telefon. Aus der Ruhe bringen lässt er sich dadurch nicht. Jedes Telefonat absolviert er in derselben ruhigen und konzentrierten Tonlage wie das vorherige. "Gut, dass ich einen Hund habe", gibt er dann aber offen zu. Oft liegt der braune Labradormischling in sich geruht an den Füßen des Herrchens. Durch diesen gelingt dem Eigentümer zumindest mal eine kurze Auszeit vom hektischen Betriebsalltag.

Der weiße Kleiderschrank wird schon am nächsten Tag in einer Dachschräge irgendwo in Unterfranken eingebaut sein und auf seinen Einsatz warten. Das Ganze ohne jemals eine Hobelbank gesehen zu haben, dafür umso intensiver das neue CNC-Bearbeitungszentrum einer modernen Schreinerei.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner war die Deutsche Handwerks Zeitung.