Social Media Clubhouse: Hype oder echte Chance?

Noch ist der Kreis der Clubhouse-Nutzer ein ausgewählter Zirkel, doch es werden Tag für Tag mehr User. Wie funktioniert die neue Audio Plattform? Und lohnt es sich, für Klein- oder mittelständische Unternehmer Teil der Clubhouse-Community zu werden?

Gastautor Christian Seifert

Die App "Clubhouse" ist serh gefragt. Doch ist der Erfolg von Dauer? - © MichaelJBerlin - stock.adobe.com

Seit einigen Wochen versetzt die neue Social-Media-App Clubhouse die Internet-Community in wahre Höhenflüge. Echte Begeisterung oder nur Anfangseuphorie? Ich war neugierig und lud mir den Drop-in-Audio Chat Clubhouse im Apple-App-Store direkt auf mein Smartphone. Achtung! Verwechslungsgefahr! Im Store gibt es noch weitere Apps unter gleichem Namen. Und wer ein Android-Endgerät verwendet, hat im Moment noch das Nachsehen. An der Android-Version arbeiten die Entwickler gerade.

Clubhouse ist ein exklusiver Club: Jeder, der mitmachen möchte, benötigt derzeit (noch) eine Einladung . So ist das Konzept der Plattform. Jeder neu registrierte User kann zwei weitere Interessenten einladen. Wer keine Einladung hat, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen. Dort hinterlässt man eine Telefonnummer und wartet solange, bis man von einem Clubhouse-Mitglied eine Einladung erhält. Dann endlich öffnen sich die Tore.

Was mich dahinter erwartete, hatte ich in dieser Form bislang auf keinem Social-Media-Kanal erlebt. In kürzester Zeit war ich begeistert von der Einfachheit, wie dieser Kanal funktioniert. Ich kenne keine andere Social-Media-Plattform, die so viel Nähe und Interaktion zulässt. Der Audio-Kanal eignet sich hervorragend, um Erfahrungen auszutauschen, sich zu vernetzen und sich auf eine sehr authentische und persönliche Art zu präsentieren. Ich selbst habe bereits nach nur wenigen Veranstaltungen mein Netzwerk um interessante Menschen erweitern können, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Und ich kann mir gut vorstellen, dass aus dem einen oder anderen Kontakt eine Zusammenarbeit erwachsen könnte. Doch nun zu den Fakten.

So funktioniert die App

Unter dem Dach von Clubhouse gibt es Clubs zu unterschiedlichen Inhalten. Das reicht von B2B-Themen wie Unternehmensführung, Marketing, IT und Technik bis hin zu Lifestyle, Gesundheit, Entertainment oder auch Kunst und Philosophie. Nutzer können den Clubs folgen, sich mit anderen Mitgliedern vernetzen und das Wichtigste, live an Veranstaltungen teilnehmen, die in den verschiedenen Räumen des Clubhouses angeboten werden. Dabei handelt es sich um Diskussionsrunden mit einem oder mehreren Moderatoren, bei dem jeder Teilnehmer zu Wort kommen kann. Interessierte Clubhouse-Mitglieder können an den Live-Events als passive und aktive Zuhörer teilnehmen. Jeder hat auch die Möglichkeit, sich direkt einzubringen. Die Umsetzung und Formate sind individuell. Alles ist möglich – ob Monolog oder Dialog – Interviews oder Themenstammtische und Vieles mehr.

Während andere Social-Media-Plattformen mit Text, Bild und Video arbeiten, funktioniert Clubhouse ausschließlich über Audio und live. Es gibt keine Likes, keine Retweets, keine Aufzeichnungen. Alles passiert in den Sessions. Es ist wie eine Art öffentliche Telefonkonferenz.

Das kann die Audio-App

Auf Clubhouse gibt es ausschließlich Personenprofile. Denn hier steht der Einzelne mit seinem Expertenwissen, seiner Persönlichkeit und wenn gewünscht auch mit seiner Job- und privaten Biografie im Fokus. Dies eröffnet jedem Mitglied eine ganz eigene Art und Weise, sich zu präsentieren und wahrgenommen zu werden. Mit einer aussagekräftigen Biografie im Profil hat man zudem die Chance, in anderen Sessions als Sprecher auf die Bühne geholt zu werden.

Das Besondere: Die Stimme vermittelt mehr als den Inhalt bloßer Worte. Sie ist quasi die Visitenkarte der Persönlichkeit. An ihrem Klang lassen sich Launen, Emotionen und sogar Charakter ablesen. Somit eignet sich Clubhouse nicht nur dazu, den eigenen Expertenstatus zu stärken, sondern stellt die gesamte Personal Brand in den Mittelpunkt.

Jedes Mitglied kann eigene Themen setzen, in dem es Sessions organisiert – auch spontan - und Clubs eröffnet. Hierbei kann man sich selbst ein eigenes Netzwerk mit vielen Followern aufbauen. Während man einen Raum selbst initiieren kann, erfolgt die Einrichtung eines Clubs nur auf Anfrage. Im Gegensatz zu anderen Social Media Apps können auf Clubhouse bislang keine Unternehmensprofile eingestellt werden.

Lohnt sich Clubhouse auch für Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmer?

Ja, aber man muss bereit sein, sich darauf einzulassen und Spaß am Austausch und der Vernetzung haben. Gerade in der Anfangsphase gibt es noch nicht so viele Sessions. Dies bietet die Chance, mit seinen Themen wahrgenommen zu werden und direkt mit seiner Zielgruppe kommunizieren zu können. Vorstellbar sind dabei auch Branchenthemen wie die Digitalisierung im Handwerk, Arbeits- und Klimaschutz, oder auch fachspezifische Themen oder Sessions mit Tipps und Hinweisen, die sich an Endkunden aber auch an das interessierte Fachpublikum richten können.

Zudem hat man auf Clubhouse die Möglichkeit sein Netzwerk um Menschen zu erweitern, die nicht nur aus unternehmerischer und fachlicher Sicht relevant sein können, sondern die auch eine interessante Biografie und Persönlichkeit haben. So kommt man mit Menschen in Kontakt, die einen nicht nur im Business weiterbringen, sondern auf vielfältige Art und Weise bereichern können. Nirgendwo kann man derzeit so leicht, Menschen kennenlernen und sich mit ihnen auf einer Bühne austauschen.

Fazit: Clubhouse steckt noch in den Kinderschuhen. Doch hat die App viel Potenzial, um auch im Business sinnvoll und ergänzend eingesetzt zu werden. Sie schließt eine Lücke bei den Social-Media-Communities. Texte, Bilder und Videos zu posten, das kennen wir bereits. Sich ausschließlich auf der Tonspur und Live zu präsentieren und Audio-Content zur Verfügung zu stellen, das ist neu. Durch die sehr persönliche Form der Präsentation hat Clubhouse einen ganz besonderen Reiz und eröffnet spannende Möglichkeiten des Austausches, der Interaktion und der Vernetzung. Meine Empfehlung: Testen Sie Clubhouse auf jeden Fall aus, um zu erfahren, ob diese Form der Vernetzung Ihnen liegt. Wenn ja, kann Ihnen Clubhouse enorme Potenziale für die Entwicklung Ihres Unternehmens erschließen.

Die wichtigsten Fakten auf einem Blick

  • Clubhouse ist eine reine Audio-App: Sie funktioniert ohne Bild, Text oder Video.
  • Man kann als passiver oder aktiver Zuhörer live an Diskussionen teilnehmen oder als Moderator eigene Diskussionsrunden initiieren.
  • Bislang gibt es Clubhouse nur im Apple-App-Store, eine Android-Version ist in Arbeit.
  • Teilnehmen kann nur, wer eingeladen ist. 
- © avenit AG

Christian Seifert , Experte für digitale Lösungen und Kommunikation, ist Gründer und CEO der avenit AG. Als Internetspezialist unterstützt er mittelständische Unternehmen bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Digitalstrategie.