Geldanlage ChatGPT und seine Auswirkungen auf die Geldanlage

Welche Folgen ChatGPT für Anleger haben wird, ist noch offen. Klar ist aber, dass die Entwicklung genau beobachtet werden muss. Während Microsoft profitieren könnte, könnte die Künstliche Intelligenz speziell für Google eine echte Bedrohung werden.

Frauenhand hält Smartphone mit Logo ChatGPT
Die Einführung von ChatGPT könnte die Marktmacht des Suchmaschinen-Riesen Google bedrohen. - © boumenjapet - stock.adobe.com

Der 30. November 2022 könnte als einer der Tage in die Geschichte eingehen, die für eine technologische Geburtsstunde stehen. An diesem Tag Ende November veröffentlichte die US-Firma OpenAI die aktuelle Version von ChatGPT (GPT-3), einem auf künstlicher Intelligenz (KI) beruhenden Chatbot.

Über die Webseite openai.com/blog/chatgpt können Nutzer Fragen jeglicher Art formulieren, auf die das Programm in einer Sprache antwortet, die verblüffend natürlich klingt und grammatikalisch fast perfekt ist. Fast so, als hätte sie ein Mensch verfasst. Um dies zu ermöglichen, wurde ChatGPT mit Milliarden von Texten aus dem gesamten Internet einschließlich Wikipedia, Nachrichtenseiten, Büchern und Blogs trainiert.

Wer braucht eigentlich noch Google, wenn es ChatGPT gibt?

Schon wird das Sprachmodell von einigen Experten als der nächste große technische Fortschritt gesehen, der unser (digitales) Leben verändern und ähnliche Umwälzungen nach sich ziehen wird wie die Einführung von Google oder die Erfindung des iPhones. Apropos Google (ISIN US02079K3059): Wer braucht eigentlich noch Google, wenn es ChatGPT gibt?

Über zwei Jahrzehnte lang war Google mit einem globalen Marktanteil von über 90 Prozent die führende Seite, um Informationen im Internet zu finden. "Ich googel mal" ging in den Sprachgebrauch über. Wenn OpenAI es schafft, sein KI-Modell in Echtzeit das Internet analysieren zu lassen, könnte dies einen Wendepunkt darstellen. Die Menschen dürften sich dann auf ChatGPT verlassen, weil es natürlicher und ergiebiger ist, mit einer Maschine einen Dialog zu führen, als eine Reihe von Schlüsselwörtern in ein Suchfeld einzugeben.

Microsoft als Gewinner

Aus diesem Grund will Microsoft (ISIN US5949181045) zehn Milliarden Dollar in OpenAI investieren, sich damit 49 Prozent an dem ChatGPT-Anbieter sichern und den Chatbot in seine eigene Suchmaschine Bing implementieren. Dies wäre ein Frontalangriff auf Google.

Die New York Times berichtet, dass bei dem US-Konzern der Code Red ausgelöst worden sei. Offenbar befürchtet Google, dass ChatGPT sein Suchmaschinengeschäft mit den sehr lukrativen Anzeigenerlösen substanziell bedrohen könnte. Zwar ist bekannt, dass Googles Mutterkonzern Alphabet an einer eigenen KI-gesteuerten Plattform bastelt, doch bislang ist davon wenig nach außen gedrungen.

>>> Lesetipp: Wie ChatGPT dem Handwerk helfen kann

Auch andere funktionierende Geschäftsmodelle müssen die KI-Anwendung fürchten. Schließlich entsteht Werbetextern, Programmierern und Journalisten mit ChatGPT eine neue Konkurrenz. Oder wie ChatGPT auf die Frage, ob es Geschäftsmodelle bedrohe, selber feststellt:

"In einigen Fällen kann die Verwendung von ChatGPT jedoch dazu führen, dass bestimmte Arten von Arbeitsplätzen überflüssig werden oder dass bestehende Geschäftsmodelle beeinträchtigt werden. Beispielsweise kann die automatisierte Erstellung von Inhalten dazu führen, dass weniger Autoren für bestimmte Arten von Inhalten benötigt werden. Es gibt auch Möglichkeiten, ChatGPT zu nutzen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder bestehende zu verbessern."

Zum Autor: Adrian Roestel ist Leiter Portfoliomanagement bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München.