Der Übergang von beruflicher und akademischer Bildung ist für die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka die Schwachstelle des deutschen Bildungssystems. Deshalb will sie hier für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen. Zudem hat sich Wanka fünf weitere Schwerpunkte gesetzt, ihre Pläne reichen über die Bundestagswahl im September hinaus.

Bei ihrer ersten Pressekonferenz als Bundesministerin hat Johanna Wanka (CDU) ihr Programm vorgestellt. Sie setze Schwerpunkte in sechs Bereichen, auch wenn sie wisse, dass nicht alles bis zur Wahl am 22. September abzuarbeiten sei, sagte die 61-Jährige. Zuvor war sie von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) im Bundestag vereidigt worden.
Wanka sagte, dass sie "das große Glück habe, dass Annette Schavan ein wirklich gut bestelltes Haus hinterlassen hat". Schavan war nach der Aberkennung ihres Doktortitels wegen Plagiatsvorwürfen am 9. Februar von ihrem Amt zurückgetreten.
Keine große Hoffnung auf eine Grundgesetzänderung
Drei Themen lägen in ihrem Ressort auf dem Tisch, sagte Wanka. Dazu gehöre, den Hochschulpakt zum Ausbau von Studienmöglichkeiten fortzusetzen. In der Lehrerbildung müsse die Anerkennung von Abschlüssen gesetzlich geregelt werden. Außerdem strebe sie weiter eine Grundgesetzänderung mit dem Ziel an, das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildungspolitik aufzuheben.
"Mein Wunsch wäre, dass es zu einer Grundgesetzänderung kommt", sagte Wanka und fügte hinzu: "Ich habe keine große Hoffnung, dass da bis zur Wahl noch etwas erfolgt." Wenn aber doch, könnte der Bund beispielsweise einen Lehrstuhl für Inklusion fördern. Darunter versteht man beispielsweise die Einbeziehung von Behinderten.
Darüber hinaus seien ihr aber drei weitere Punkte sehr wichtig, sagte Wanka. Einmal sei dies die Bildungsgerechtigkeit, dabei besonders die Schwachstellen beim Übergang von beruflicher und akademischer Bildung. Um die Energiewende voranzutreiben, will die Bundesbildungsministerin ein neues Format für die Bündelung der Energieforschung entwickeln. Und schließlich soll bei der Erforschung von Volkskrankheiten der Schwerpunkt noch stärker auf die Prävention gelegt werden.
Auch die Frauenförderung sei nötig, sagte die Ministerin auf Nachfrage. Als in der DDR aufgewachsene Frau sei sie erst gegen eine Frauenquote gewesen, habe aber "im Laufe der Jahre die Meinung geändert". Sie halte die Förderung für erforderlich, weil es noch immer eine gläserne Decke gebe, die Frauen den Aufstieg versperre. Zum Streit in der Bundesregierung über den richtigen Weg der Förderung wollte Wanka nicht Stellung nehmen. "Es gibt verschiedene Wege - ich würde nicht A oder B wählen", sagte sie. dhz/dapd