Geschäftsbericht Bundesagentur kämpft gegen den Fachkräftemangel

Beschäftigungszahl gestiegen, Arbeitslosigkeit gesunken – also, alles gut bei der Bundesagentur für Arbeit? Nicht ganz, denn im Geschäftsbericht für das Jahr 2011 zeichnet sich ein Problem der deutschen Wirtschaft immer deutlicher ab: Der Fachkräftemangel. Für dieses Problem hat die Arbeitsagentur diese Lösungen.

Bei steigender Beschäftigung braucht die Bundesagentur für Arbeit länger, um Betrieben die richtigen Fachkräfte zu vermitteln. - © Bundesagentur für Arbeit

Das vergangene Jahr war ein Gutes für den Arbeitsmarkt und damit für die Bundesagentur für Arbeit (BA). Über 41 Millionen Menschen in Deutschland waren erwerbstätig. Das ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung. Darunter waren 28,38 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Das sind rund 671.000 mehr als im Vorjahr, gab die Arbeitsagentur in ihrem Geschäftsbericht bekannt.

Arbeitgeber warteten 64 Tage auf neue Arbeitskräfte

Die Unternehmen stellen wieder ein. Die Anzahl der bei der BA gemeldeten Stellen ist im Jahr 2011 um 30 Prozent gestiegen. Durchschnittlich warteten 466.000 Stellen auf einen Bewerber. Doch die positiven Daten auf dem Arbeitsmarkt haben einen Haken für Unternehmer. Eine gute Woche länger als im Vorjahr suchten sie 2011 nach neuen Mitarbeitern. Im Durchschnitt dauerte es 64 Tage bis sie für eine ausgeschriebene Stelle den Richtigen fanden. Die größten Nachfrager kamen aus der Zeitarbeit, dem Handel, dem Baugewerbe, der Gastronomie und dem Gesundheitswesen.

Plus 25 Millionen Euro für Weiterbildung

Als eine Maßnahme um dem gestiegenen Bedarf an Fachkräften gerecht zu werden, erweitert die BA in diesem Jahr ihre Fortbildungsförderung Wegebau. Die Arbeitsagentur zahlt bei diesem Programm nicht mehr nur für Hälfte der Kosten für Weiterbildung von Geringqualifizierten und Älteren, sondern das Projekt mit einem erhöhten Volumen von 25 Millionen Euro, soll allen Arbeitnehmern offen stehen.

Als weitere Maßnahme für die Besetzung von freien Stellen...

...bekamen mehr Ausländer eine Arbeitsgenehmigung. Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Staatsangehörige aus acht osteuropäischen EU-Staaten seit Mai 2011 sind mehr Menschen zum Arbeiten nach Deutschland gekommen. Außerdem bekamen rund 72.000 Kräfte aus anderen Staaten eine Arbeitsgenehmigung. Daneben kamen 168.000 Saisonarbeiter in die Bundesrepublik.

Unter drei Millionen Arbeitslose

Auch ist die Arbeitslosigkeit gesunken. Im Durchschnitt gab es im Jahr 2011 rund 2,98 Millionen Arbeitslose. Das sind gut sieben Prozent der Erwerbspersonen. So gering war die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik seit 1991 nicht mehr.

Im Vergleich mit den anderen Staaten der Europäischen Union sah der deutsche Arbeitsmarkt gut aus. Geringer war die Arbeitslosigkeit nur in Norwegen, den Niederlanden, Österreich und Luxemburg. Im Krisen geschüttelten Griechenland lag die Arbeitslosenquote nach Berechnung von Eurostat mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. In Spanien macht der Anteil der Arbeitssuchenden an der Erwerbsbevölkerung das Dreifache der deutschen Quote aus. Die Bundesagentur für Arbeit nutzt diese Zahlen auf ihre Weise. Firmen aus dem Baugewerbe gibt sie zum Beispiel Hilfestellung bei der Anwerbung von Fachkräften aus Spanien.

Der positive Trend betraf zwar alle Bundesländer, doch im Süden kamen deutlich mehr Menschen in Arbeit als im Osten: In Baden-Württemberg sank die Arbeitslosigkeit um minus 17 Prozent. In der Hauptstadt dagegen nur um minus ein Prozent.

Unterbeschäftigung sank um 14 Prozent

Die Unterbeschäftigung sank 2011 um 14 Prozent. Insgesamt sind in Deutschland 4,21 Millionen Menschen unterbeschäftigt. Die Zahl der Kurzarbeitenden sank innerhalb des Jahres auf 81.000. Doch während die Teilzeitbeschäftigung gegenüber dem Vorkrisenniveau in allen Branchen gewachsen ist, ist die Zahl der Vollzeitstellen in einigen Branchen noch auf Vorkrisenniveau (2008). Die Bundesagentur will daher die Betriebe anreizen, mehr Vollzeitstellen anzubieten. cg