Aufwändigere Visaverfahren Brexit bremst deutsche Handwerker in Großbritannien aus

Der Brexit erschwert deutschen Handwerkern das Geschäft mit Großbritannien. Wer Dienstleistungen im Land vollbringen möchte, muss seit dem 1. Januar 2021 einen immensen bürokratische Aufwand auf sich nehmen. Auch ist nicht sicher, inwieweit sich die Lage in Zukunft ändern wird.

Aktuell können deutsche Handwerker in Großbritannien nicht rechtlich sicher arbeiten. - © Nuthawut - stock.adobe.com

Von Eileen Wesolowski

"Betriebe und ihre Mitarbeiter können aktuell nicht rechtssicher in Großbritannien auf einer Baustelle arbeiten", sagt die Außenwirtschaftsexpertin der Handwerkskammer Düsseldorf, Marie-Theres Sobik. Grund ist das Brexit-Handelsabkommen zwischen London und Brüssel. Nachdem Anfang des letzten Jahres eine Übergangsfrist gewährt wurde, hat Großbritannien am 1. Januar 2021 den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen. Damit haben sich auch die Bestimmungen für Unternehmer aus der EU verändert, die im Land Dienstleistungen erbringen wollen: "Großbritannien ist jetzt Drittland. Zwei bestehende EU-Rechte, die die Dienstleistungsfreiheit geregelt haben, gelten nun nicht mehr", so Sobik. Der bürokratische Aufwand sei deutlich gestiegen, zudem seien aufwändigere Visaverfahren nötig.

Aufwand für kleinere Handwerksbetriebe zu hoch

"Alleine Visa zu beantragen für mehrere Mitarbeiter, kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Der Aufwand ist riesig", sagt Sobik. Vor allem für kleinere Handwerksunternehmen, die kein eigenes Exportteam haben, lohne es sich nicht, diesen in Kauf zu nehmen. Betroffen seien etwa Umbaumaßnahmen und Renovierungsarbeiten, oft für Privatkunden, aber auch Ladenbau oder Geschäftseinrichtungen für gewerbliche Auftraggeber. "Diese Arbeiten sind im Moment nicht ausführbar, weil die Vorgaben des Abkommens und die britischen Einreisegeln nicht hergeben, dass man als ausländischer Dienstleister mit seinem Montagepersonal visumsfrei auf Baustellen oder auf typischen Montageeinsatzorten tätig wird."

Einige Handwerker seien bereits auf die HWK Düsseldorf zugekommen und hätten von Problemen berichtet: "Es gibt Unternehmer, die noch Angebote im Land offen haben und jetzt komplett ausgebremst sind", so Sobik.

Handwerker begeben sich in Grauzone

Doch die Vorgaben gelten nicht für alle Handwerker. Ausnahmen gibt es etwa für Maschinenbauer, die im Kaufvertrag von Anlagen die Installation oder Wartung vereinbart haben. Diese Firmen dürfen weiterhin Fachkräfte visumsfrei nach Großbritannien schicken. Doch auch hier mahnt Sobik zur Vorsicht: "Momentan weiß niemand, wie der Fall bei Subunternehmern liegt, die auf Basis eines Werkvertrags im Auftrag eines anderen Unternehmens im Land arbeiten. Der Status innerhalb der Kauf- und Lieferverträge ist noch ungeklärt", so Sobik. Generell begebe man sich als deutscher Handwerker in eine Grauzone: "Ich würde deshalb keinem Betrieb empfehlen, Aufträge in Großbritannien auszuführen. Wird bei Kontrollen festgestellt, dass man illegal im Land ist, können hohe Bußgelder drohen", so die Außenwirtschaftsexpertin.

Deutsche Handwerker in Großbritannien beliebt

Über die Anzahl der betroffenen Betriebe liegen keine Zahlen vor. Für die allermeisten Unternehmen handele es sich um ein zweites Standbein und nicht um die Hauptertragsquelle, sagte Sobik. Jedoch seien Auftrage in Großbritannien prinzipiell bei vielen deutschen Handwerkern beliebt. Das liege auch an dem hohen Anteil an alten Gebäuden im Land. Dementsprechend fielen dort viele Renovierungs-, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an. Überwiegend arbeiten in Großbritannien Handwerker aus dem Bau- und Ausbaugewerken wie Tischler, Dachdecker, Zimmerer, Maler oder Elektriker.

Aber auch britische Kunden würden die deutschen Handwerker schätzen. Das liege an ihrer fundierten Ausbildung. Sobik könnte sich deshalb vorstellen, dass es in Zukunft vereinfachte Regelungen geben wird. Ob und wann jedoch, stehe noch in den Sternen. "Ich rechne damit nicht bis Ende dieses Jahres", so Sobik. Mit Inhalten von dpa

Was gilt nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs?

Seit dem 1. Januar ist Großbritannien nicht mehr Teil der EU. Mit dem Ende der Übergangsphase treten einige Änderungen in Kraft. Damit Bürger und Unternehmer sich darauf vorbereiten können, bietet die Bundesregierung auf ihrer Website eine Übersicht der wichtigsten Informationsangebote. Sie behandeln Fragen zu Themen wie Handel, Erwerbstätigkeit, Finanzen oder Steuern:

Hier geht es zur Website der Bundesregierung: Brexit-Einigung Was ist nach der Übergangsphase zu beachten?