Das Lebensmittelhandwerk spürt die Kauflust der Verbraucher. Die Kfz-Branche wartet auf Umsatzeffekte. Der Bau ist unbeirrt auf Boom eingestellt. Die DHZ-Konjunkturumfrage zeigt die aktuelle Lage nach Branchen.
Lothar Semper und Marco Wenz

Sichere Jobs, billige Kredite und steigende Löhne treiben nicht nur den Konsum, sondern auch die Wohnungsbaunachfrage an. Auch das Lebensmittelhandwerk profitiert von der starken privaten Nachfrage. So geht es den Branchen im Einzelnen:
Handwerke für privaten Bedarf
Die verfügbaren Einkommen in Deutschland dürften 2015 um knapp drei Prozent steigen. Schon jetzt lassen es die Verbraucher krachen, meint die Gesellschaft für Konsumforschung. Mit der Kauflaune steigt zwar vor allem die Neigung der Bürger, teure Konsumgüter wie Autos oder Möbel zu erwerben. Aber auch für Uhrmacher und Goldschmiede, deren Waren einen bleibenden Wert haben, sind die Rahmenbedingungen günstig. Letztlich waren acht von zehn Betrieben der Handwerke für privaten Bedarf mit ihrer gegenwärtigen Lage einverstanden.
Lebensmittelhandwerk
Mehr Begeisterung zeigten Bäcker, Metzger, Konditoren und Brauer. 87 Prozent der Befragten gaben ihrer aktuellen Situation die Note gut oder befriedigend. Berücksichtigt man den saisonalen Abschwung, ist das ein sehr hoher Wert. Nur zum Teil beruht er darauf, dass die EEG-Umlage 2015 leicht gesunken ist und so den Preisanstieg beim Strom dämpfte. Gas und Heizöl wurden sogar billiger.
Grundsätzlich sind die nach einem langem Konzentrationsprozess am Markt verbliebenen Unternehmen einfach gut aufgestellt. Dies gilt umso mehr, als die Nachfrage anzieht. Die Kunden schätzen Lebensmittelhandwerker wegen der Frische und Regionalität der Ware sowie der Fachkompetenz hinter der Theke.
Handwerk des gewerblichen Bedarfs
Bestellungen beim Maschinenbau gelten als Indikator für die Investitionsbereitschaft im Lande. Laut amtlicher Statistik nahm die Inlandsnachfrage im Zeitraum Januar und Februar 2015 um 0,3 Prozent ab, vergleicht man sie mit dem Vorjahr und rechnet Arbeitstageeffekte heraus. Für das Handwerk des gewerblichen Bedarfs ist das relevant, weil Zulieferer, Ausrüster oder Dienstleister an der Wertschöpfung beteiligt sind.
Die Auswirkungen auf die Branche hielten sich aber in Grenzen; die Nachfrage war tendenziell nur geringfügig schwächer als zum Auftakt ins Jahr 2014. Somit behielten die Betriebe ihren Optimismus. Der Anteil positiver Einschätzungen zur Geschäftslage nahm binnen Jahresfrist sogar auf 86 Prozent zu.
Bauhauptgewerbe
Im Bauhauptgewerbe ging es zuletzt ruhiger zu. Der Tiefbau musste lange die Arbeit ruhen lassen. 46 Prozent der Betriebe verzeichneten schrumpfende Umsätze. Große Sorgen macht sich die Branche dennoch nicht. Man profitiert vom Zinstief und der Attraktivität des Standorts: Das Kapital wird im sicheren "Heimathafen" investiert: in Immobilien. Zudem strömen mehr Menschen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen nach Deutschland und stimulieren zusätzlich den Wohnungsneubau.
Ähnlich gut sind die Chancen für Ausbaubetriebe. Nur jeder Zehnte bezeichnete zum Einstieg ins neue Jahr seine Lage als schlecht. Renovierungswillige Kunden denken zumeist an ein neues Badezimmer oder eine energieeffizientere Form der Wärmeversorgung. Mindestens 70 Prozent der deutschen Heizungsanlagen sind veraltet. Anschubhilfe leistet die Neuauflage der Energieeinsparverordnung. Sie sorgt dafür, dass bis zu 200.000 veraltete Heizungsanlagen ausgetauscht werden müssen.
Kfz-Gewerbe
Im Kfz-Gewerbe war jeder vierte Teilnehmer mit der Marktentwicklung unzufrieden. Dabei hätten die „harten“ Zahlen Anlass für gute Laune bieten müssen. So wurden im ersten Quartal 758.000 Pkw neu zugelassen, hinzu kamen rund 1,8 Millionen Gebrauchte. Das Vorjahresergebnis wurde zum Teil deutlich überschritten (plus 6,4 beziehungsweise plus 3,0 Prozent).
Offensichtlich sind die hohen Stückzahlen aber nicht gleichbedeutend mit ordentlichen Umsätzen im klassischen Handel. Ein Indiz dafür: Die privaten Käufer hielten nur einen Anteil von 36 Prozent an den Neuzulassungen. Zwei Drittel entfallen also auf Gewerbekunden sowie Hersteller und Händler selbst. Diese Fahrzeuge dürften nur mit erheblichen Rabatten oder als junge Gebrauchte verkauft werden. Die Durchschnittspreise neuer Autos insbesondere aus heimischer Produktion sind mittlerweile infolge des technischen Fortschritts zu hoch für viele Erstkäufer.
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