Angesichts der Stärke der Binnenwirtschaft wird sich das Handwerk 2012 erneut als Garant für Wachstum und Beschäftigung erweisen. Noch besser und nachhaltiger wären die Startvoraussetzungen, wenn die Politik endlich wichtige Hausaufgaben erledigen würde.
Lothar Semper
Gute Nachrichten vom Statistischen Bundesamt: Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr mit 3,0 Prozent stark gewachsen. Allerdings muss man wissen, dass das Wachstum vor allem im ersten Halbjahr 2011 stattgefunden hat. Insbesondere für das vierte Quartal wird mit einer schwachen Entwicklung gerechnet.
Nach wie vor aber gehen alle Einschätzungen davon aus, dass auch vor der Wirtschaftsentwicklung 2012 ein Pluszeichen stehen wird. Die Voraussetzungen dafür stehen nicht schlecht. 2011 kamen die Wachstumsimpulse vor allem aus dem Inland. So wuchsen die privaten Konsumausgaben um 1,5, die Ausrüstungsinvestitionen um 8,3 und die Bauten um 5,4 Prozent. Die Impulse aus dem Binnenmarkt dürften auch im laufenden Jahr anhalten. Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bringt es so auf den Punkt: „Die Deutschen leihen ihre Ersparnisse nicht mehr dem griechischen Staat oder den spanischen Häuslebauern, sondern sie bauen selber.“
Das kommt auch und gerade dem Handwerk zugute. Schon lange lief es in diesem Wirtschaftsbereich nicht mehr so gut wie 2011. Der Sektor geht von einem nominalen Umsatzplus von gut sechs Prozent aus. Real sind dies etwa vier Prozent. Damit liegt das Handwerk deutlich über der Gesamtwirtschaft – dies war in den vergangenen Jahren eher umgekehrt. Es besteht also kein Grund, die wirtschaftliche Entwicklung schlechtzureden oder in Panikmache zu verfallen. Mit einer Rezession rechnet für Deutschland derzeit niemand.
Die Nachrichtenlage zu den Entwicklungsmöglichkeiten ist zurzeit aber gespalten. Risiken bestehen in der Schulden- und Eurokrise. Deutschland bekommt allerdings von vielen Seiten bestätigt, dass es seine Hausaufgaben macht. Dank der günstigen Konjunktur musste der Bund 2011 auch deutlich weniger neue Schulden aufnehmen als erwartet. Positive Signale kommen zudem aus Amerika. Denn dort deuten die Zeichen auf Aufschwung.
Angesichts der Stärke der Binnenwirtschaft wird sich das Handwerk 2012 erneut als Garant für Wachstum und Beschäftigung erweisen. Noch besser und nachhaltiger wären die Startvoraussetzungen, wenn die Politik endlich wichtige Hausaufgaben erledigen würde – Stichwort steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung!