Strom gilt als Lebenselixier der Wirtschaft. Obwohl in Deutschland eine hohe Versorgungssicherheit gewährleistet ist, sollten sich Betriebe auf den Ernstfall vorbereiten.

Herbert Saurugg, Experte für Blackout-Vorsorge, rechnet damit, dass es binnen der nächsten fünf Jahre zu einem Blackout kommt, also einem überregionalen Stromausfall mit erheblichem Schadenspotenzial. In seinem Heimatland Österreich müsse an rund 300 Tagen im Jahr ins Stromnetz eingegriffen werden, damit nichts passiert. „Wenn nun ein zusätzliches Ereignis auftritt, wie etwa ein Extremwetterereignis oder ein Cyberangriff, bei dem Teile der Infrastruktur ausfallen, kann es schnell zur Überforderung kommen“, meint Saurugg.
Die Stromversorgungs-Experten der EPS Rechenzentrum Infrastruktur GmbH aus Straubing haben sich diesem Szenario gewidmet und die wichtigsten Daten und Fakten zusammengetragen.
Was bedeutet ein Blackout?
Ein Blackout tritt plötzlich und über einen längeren Zeitraum auf. Er betrifft mehrere Teile Europas. Bei den bisherigen Stromausfällen konnte Hilfe aus anderen europäischen Ländern die Situation jeweils verbessern und zur Wiederherstellung des Stromnetzes beitragen. Bei einem Blackout wäre hingegen jedes Land auf sich allein gestellt. Hilfe von außen wäre somit nicht möglich. Ein totaler Versorgungszusammenbruch wäre die Folge.
Von einem Blackout betroffen sind prinzipiell alle: vom Privathaushalt über das Rechenzentrum bis hin zum Handwerksbetrieb. Speziell im Produktionsbereich verstärkte sich durch die zunehmende Digitalisierung in jüngster Vergangenheit die Abhängigkeit von Systemen der Informations- und Kommunikationstechnologie.
Die Konsequenzen eines solchen Stromausfalls wären weitreichend und zum Teil sehr kostenintensiv. Aufgrund der zunehmenden Datenflut sind IT-Services von Rechenzentren (RZ) heutzutage darauf angewiesen, den Strom unterbrechungsfrei und stetig aufrechtzuerhalten. Ohne Sicherungsmaßnahmen stürzen Server und Rechner binnen weniger Sekunden ohne Strom ab. RZ-Betreiber müssen daher präventiv Maßnahmen einleiten, um die Konsequenzen durch einen länger andauernden Stromausfall möglichst gering zu halten.
Notfallmanagement im Rechenzentrum
Ziel eines ausgereiften Notfallmanagements im Serverraum ist eine definierte und zielgerichtete Reaktion im Notfall. Ein Notfallhandbuch beinhaltet dabei die wichtigsten Punkte:
- Abgrenzung Störung, Notfall, Krise
- Organisatorischer Rahmen und Verantwortlichkeiten
- Eskalationsprozeduren
- Kommunikation
- Notfallpläne
Das Notfallhandbuch sollte stetig optimiert und auf Grundlage von Erfahrungen und Tests weiterentwickelt werden. Nach Installation eines vollwertigen Serverraums empfiehlt EPS den Betreibern, von Experten einen Volllasttest durchführen zu lassen. „Im Rahmen des Funktions- und Lasttest gehen wir bewusst an die Belastbarkeitsgrenzen und können dadurch mögliche Risiken erkennen und präventiv vermeiden“, erklärt Jürgen Grubmüller, technischer Leiter bei EPS.
Für einen bestehenden Serverraum empfiehlt EPS eine ganzheitliche Überprüfung durch unabhängige RZ-Experten. Die unterschiedlichen Aspekte des RZ-Betriebes werden dabei genauestens betrachtet: z.B. Betriebsprozesse, physikalischer Schutz, Energie- und Klimaversorgung, Überwachung und Monitoring bis hin zu Energieeffizienz. Präventiv können auch hier Risiken und Fehlerquellen erkannt und zukünftig vermieden werden.
USV-Anlagen als Blackout-Schutz
Bei der Planung eines Serverraums steht die Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) im Mittelpunkt. Eine USV-Anlage gilt als eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für Serverräume und Industrieanlagen. Eine USV wird in die Stromzuleitung der zu sichernden Anlage eingefügt und garantiert bei kurzen Ausfällen Versorgungskontinuität. In den meisten Fällen ist jeder USV ein Batteriemodul zugeordnet. Die Module können sich je nach notwendiger Kapazität und Überbrückungszeit im Modul selbst, im gleichen Schrank oder in einem separaten Batterieschrank befinden.
Bei länger andauernden Stromausfällen (Blackouts) bieten USV-Anlagen höheren zeitlichen Spielraum für eine schadensfreie Abschaltung von IT-Komponenten bzw. Anlagen. Dabei hilfreich ist die von Eaton entwickelte USV-Software Intelligent Power Manager. Diese USV-Software verwaltet alle netzwerkbasierten Strominfrastrukturgeräte, löst Migrationspläne für virtuelle Maschinen aus und schaltet nicht benötigte Geräte ab, um den Betrieb des Unternehmens bei Strom- und Umgebungsereignissen aufrechtzuerhalten.
Neben der ständig verfügbaren Notstromlösung wird die Anforderung nach hoher Effizienz eines USV-Systems immer wichtiger. Besonders bei modularen Anlagen haben USV-Hersteller Steuerungen entwickelt, die – sofern sie nicht benötigt werden – einzelne Module in den Standby-Modus schalten. Bildlich gesprochen laufen sie im Leerlauf mit und schalten sich automatisch zu, sobald mehr Last benötigt wird. Dies senkt Betriebskosten nachhaltig und verbessert die Energieeffizienz.
Maximale Verfügbarkeit bei über 96 Prozent Wirkungsgrad im USV Doppelwandler-Betrieb bietet das modulare und skalierbare USV-System 93PS (8-40kW) von Eaton. Diese USV überzeugt durch enorm niedrige Gesamtbetriebskosten und garantiert maximale und effiziente Verfügbarkeit.
Um die maximale Verfügbarkeit und einwandfreie Funktion der USV langfristig zu gewährleisten, wird empfohlen, die Anlagen regelmäßig von Fachpersonal zu warten und ältere Komponenten präventiv zu ersetzen. Präventive Wartungen minimieren Betriebsunterbrechungen, Kosten durch Stillstände und erhöhen zugleich die Lebensdauer des USV-Systems.
Notstromaggregate als Überbrückung
Netzersatzanlagen (NEA) bzw. Notstromaggregate dienen der Stromerzeugung, falls das normale Stromnetz ausfällt. Sie können stunden- bzw. tagelang die Stromversorgung sichern, indem sie alle sicherheitsrelevanten Verbraucher mit elektrischer Energie, also neben den USV-Anlagen auch eine mögliche Klimatisierung und weitere Anlagen versorgt.
Der Einsatz eines externen Stromerzeugers nimmt zur Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit im Rechenzentrum aber auch in Produktionsbetrieben stetig zu, denn betrieben mit Diesel sorgt es für die notwendige Ersatzenergie.
Bei Unterbrechungszeiten kleiner einer Sekunde spricht man von „Kurzunterbrechungen“ im Bereich eines Rechenzentrums. Diese werden durch USV-Anlagen zuverlässig abgefangen. Bei längeren Unterbrechungszeiten übernehmen Notstromaggregate die komplette Energieversorgung des Systems und laden gleichzeitig den USV-Batteriespeicher. Je nach Anforderung der benötigten elektrischen Leistung, Auslegung der Tankanlage versorgt die NEA die zu versorgende Last für die definierte Zeitdauer. Bei Netzwiederkehr kann eine unterbrechungsfrei Rückschaltung mittels Netz-Synchronisierung erfolgen.
Für zuverlässige Stromversorgung sollte bereits im Vorfeld mit qualifiziertem Fachpersonal folgende Merkmale eines Aggregats definiert und dimensioniert werden: z.B. Menge und Qualität des Treibstoffs, Lagerort, Lagerart und Lagerdauer (des Treibstoffs, Brennstoffqualität, Überbrückungsdauer etc.).
„Unsere Welt wird vernetzter und digitaler, daher ist die Anforderung nach Verfügbarkeit und Qualität der Stromversorgung wichtiger denn je. Präventive Vorkehrungen helfen, die erforderliche Verfügbarkeit für betriebskritische und strategische Infrastrukturen in Notfällen aufrechtzuerhalten und damit negative Folgen zu mildern“, so Peter Reisinger, Vertriebs- und RZ-Projektleiter bei EPS.
IT-Notfallplanung und Krisenvorsorge
Mit einer professionellen IT-Notfallplanung und der richtigen Krisenvorsorge können Risiken abgeschätzt, Maßnahmen gesetzt und mögliche Schäden gemindert sowie im Idealfall sogar verhindert werden. IT-Unternehmen wie MP2 IT-Solutions bieten Hilfe:
- Erstellung eines für Ihr Unternehmen passendes IT-Sicherheitskonzeptes
- professionelle Notfallplanung für die IT inkl. eines konkreten Maßnahmenkatalogs
- Risikoanalyse & Folgeabschätzung – gemäß ISO 27001:2013
- Awareness-Schulungen & Trainings für Ihre MitarbeiterInnen
„IT-Notfallhandbücher bieten Handlungsanweisungen wie im Ernstfall zu reagieren und zu entscheiden ist. Wichtig ist es aber auch, Testläufe zu organisieren, beispielsweise für das Abschalten und Wiederhochfahren von Systemen. So können Schwachstellen analysiert und Prozesse optimiert werden“, rät Christoph Kitzler, Geschäftsführer von MP2 IT-Solutions.
Drei Tipps vom Blackout-Experten
Wie hart ein möglicher Blackout die Gesellschaft treffen wird, hängt stark davon ab, wie alle darauf vorbereitet sind. Drei praktische Tipps gibt dazu der Blackout-Experte Herbert Saurugg von der österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge:
- Krisenplan im Familienkreis erstellen: Bevorratung organisieren, ein Radio mit Batterien besorgen, spezielle Bedürfnisse berücksichtigen (Medikamente, Kleinkinder, Tiere etc.)
- Krisenplan für Arbeitgeber und Arbeitnehmer organisieren: Notfallplan mit Notbetrieb, Personalablöse erstellen und am aktuellsten Stand halten, schriftlich festhalten, wie viele Minuten nach dem Stromausfall die USV noch funktioniert, Offline-Pläne und Wiederanlaufpläne mit festgelegter Reihenfolge der Systeme bereitstellen
- Selbst- und Nachbarschaftshilfe einbinden: das Thema in der Nachbarschaft und in der Gemeinde ansprechen, sich gegenseitig motivieren, sich auf einen Blackout vorzubereiten, hilfsbedürftigen Menschen in der Nachbarschaft helfen
Die aktuelle Covid-19-Krise hat gezeigt, wie schnell ein geregelter Alltag und das berufliche Leben auf den Kopf gestellt wird. Ausnahmesituationen können jedoch auch anderer Natur sein: Hochwasser, Hitze, Waldbrände, technische Defekte, Kurzschlüsse, Schaltungsfehler oder Cyberangriffe können einen länger andauernden Stromausfall auslösen. Spätestens jetzt sollten alternative Stromversorgungslösungen den Weg in unser Krisenmanagement finden. Eine gute und sichere Netzinfrastruktur ermöglicht uns, unser Leben und unsere Arbeit in gewohnter Qualität fortzusetzen. dhz

