In Zeiten von Photoshop und Künstlicher Intelligenz ist es kein Hexenwerk, Fotos professionell zu bearbeiten. Die Grenzen zwischen legitimer Bildbearbeitung und Manipulation sind jedoch fließend und hängen vom genauen Verwendungszweck des Bildes ab. Worauf zu achten ist – und fünf praktische Tools.

Die Firma Auto-Scholz in Bamberg ist nicht nur der zweitälteste Mercedes-Händler der Welt – sondern auch einer der innovativsten. Direkt an das Betriebsgelände schließt seit dem vergangenen Jahr die sogenannte Service Factory an, in der Gebrauchtwagen für den Verkauf vorbereitet werden: "Das kann man sich wie so eine Art Fließband-Situation vorstellen: Fahrzeuge, die wir als Gebraucht- oder Jahreswagen einkaufen, kommen in die Karosserie- und Lackieranlage und in die Aufbereitung", erklärt Michael Eidenmüller, Inhaber und Geschäftsführer von Auto-Scholz. "Wenn die Fahrzeuge aufbereitet sind, kommen sie in ein Fotostudio mit LED-Wänden und werden vollautomatisch fotografiert." Die Bilder seien dann sofort im Netz verfügbar. Dadurch könne die Standzeit von Gebrauchtfahrzeugen verringert werden.
Digitale Fotos sind in vielen Handwerksbetrieben ein erfolgreiches Mittel, um Kunden von eigenen Produkten und Leistungen zu überzeugen. Deshalb werden sie fast überall eingesetzt: auf der eigenen Internetseite, in Broschüren und Werbeanzeigen, in sozialen Medien oder in Kundenpräsentationen. Doch nicht immer gelingt es, die Bilder optimal hinzubekommen, denn schließlich kann sich nicht jeder Betrieb ein eigenes Fotostudio wie Auto-Scholz bauen: So ist dann vielleicht bei Aufnahmen von Gebrauchtfahrzeugen noch ein Schneehaufen im Hintergrund zu sehen, obwohl die Verkaufsanzeige im Frühling noch online ist. Auf dem Projektfoto des neu angelegten Gartens eines Kunden läuft selbiger im Hintergrund durch das Bild. Oder die Lichtverhältnisse und Farben stimmen einfach nicht. Da ist die Versuchung groß, das Bild mit Programmen wie Photoshop oder entsprechenden Smartphone-Apps digital zu bearbeiten.
Wenig Spielraum für Bildbearbeitungen bei Pressemitteilungen
Das ist gar nicht so schwer. Und mit gewissen Abstrichen auch legitim, zumindest, wenn man nur Korrekturen und keine Verfälschungen vornimmt. Zunächst muss man dabei unterscheiden, für welchen Zweck das Foto eigentlich gedacht ist. "Die höchsten Standards gelten im nachrichtlichen Bereich", betont Daniel Peter, freier Fotograf aus Würzburg. Hier gelte der Grundsatz, möglichst nichts an der Bilddatei zu verändern. Allenfalls Helligkeitskorrekturen, Farbkorrekturen oder die Aufhellung eines Gesichts im Vordergrund seien akzeptabel "im Sinne einer realistischen Wiedergabe", so Peter. Das gilt auch für Fotos, die zusammen mit Pressemitteilungen versendet werden.
Anders ist es bei eindeutig für Werbezwecke gedachten Bildern: "Bei werblichen Bildern ist den Leuten bewusst, dass da eine gewisse Art von Manipulation stattfindet", sagt Peter. Schließlich sei ja Werbung an sich schon eine Form von Manipulation, indem versucht werde, ein künstliches Bedürfnis zu erzeugen, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen. Neben dem Vermeiden offensichtlicher logischer Fehler wie einem Finger zu viel oder zwei linken Füßen sei die Grenze in diesem Bereich eher eine moralische, so der Fotograf – nämlich ob das, was das Bild zeigt, wirklich dem angebotenen Produkt oder der angebotenen Dienstleistung entspreche. "Es geht darum, dass keine Irritationen bei dem Kunden entstehen, der eine Handwerkerleistung in Anspruch nimmt."
Bilder zusammenfügen: Voraussetzungen für eine professionelle Bildbearbeitung sind hoch
Eine besondere Herausforderung ist es, zwei Bilder miteinander zu kombinieren – zum Beispiel das Foto eines Esstisches mit dem einer leeren Küche. So gelte es bei der professionellen Bearbeitung von Fotos, die Lichtsituation, die Perspektive, die Farbtemperatur und die Struktur der Originalbilder zu beachten. "Die Bilder, die ich zusammenfügen will, müssen möglichst ähnlich sein, am besten unter den gleichen Umständen aufgenommen, dann ist es auch leichter zusammenzufügen", erklärt Fotograf Peter. "Man sollte vermeiden, Bilder zusammenzusetzen, die einfach nicht zusammenpassen." In solchen Fällen sei sonst auch für Laien intuitiv ersichtlich, dass irgendetwas nicht passt, also das Licht in einem Teil des Bildes von der anderen Seite kommt oder die Perspektive nicht zusammenpasst. "Wenn eine Bearbeitung wirklich gut gemacht ist, erkennt man es als Laie nicht", betont Fotograf Peter. "Wenn jemand das sauber gemacht hat und sich auskennt mit der Bildmontage, dann kann man das so machen, dass es wirklich täuschend echt ist." Im Zweifel sind Handwerksbetriebe gut beraten, diese Aufgaben einem Fachmann zu überlassen.
Für die professionelle Bildbearbeitung sei Adobe Photoshop der Industriestandard, so Peter. "Es ist aber ein sehr komplexes Programm, in das man sich sorgfältig einarbeiten muss. Die Schwelle ist also relativ hoch." Aber wenn man das Programm beherrsche, sei damit praktisch alles möglich. Auf niedrigerem Niveau gebe es aber auch diverse Smartphone-Apps, die es etwa ermöglichen, per Fingerstreich Personen im Hintergrund aus dem Bild zu nehmen. "Diese Apps sind deutlich besser geworden und werden wahrscheinlich in den nächsten Monaten und Jahren auch noch immer besser werden", erklärt Peter. Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) würden zudem immer neue Features, Funktionen und Möglichkeiten bieten.
5 praktische Bildbearbeitungs-Apps fürs Smartphone
Bildbearbeitungs-Apps für das Smartphone haben immer mehr Funktionen, um Aufnahmen ins rechte Licht zu rücken – und sind häufig umsonst bzw. kostengünstig zu haben. Fünf praktische Bildbearbeitungs-Apps im Überblick:
Snapseed: Die kostenlose App von Google eignet sich vor allem, wenn man Handyaufnahmen aufhübschen möchte. Helligkeit, Kontrast, Schärfe oder der Bildhorizont lassen sich ganz einfach intuitiv korrigieren. Die App ist kostenlos.
GIMP: Das kostenlose Open-Source-Programm bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Bildbearbeitung. Auch Personen lassen sich unauffällig aus Bildern schneiden. Die Bedienoberfläche ist allerdings etwas komplex, daher ist die App eher etwas für Fortgeschrittene.
Pixlr: Die kostenlose App punktet mit zahlreichen Bildbearbeitungsfunktionen, die den von Photoshop gesetzten Standards nahekommen. Mit einem leistungsfähigen Foto-Editor lassen sich zudem Collagen erstellen.
PicMonkey: Wer Bilder professionell bearbeiten möchte, aber dabei keine komplizierte Bedienoberfläche wie bei Photoshop mag, ist mit PicMonkey gut beraten. Ein praktisches Feature ist die Entfernung des Bildhintergrunds mit nur einem Klick. Die Premium-Version kostet 10,99 Euro pro Monat und eignet sich damit vor allem für regelmäßige Nutzer.
SKRWT: Das tollste Foto nützt nichts, wenn die Perspektive nicht stimmt. Dieses Problem schafft die App SKRWT mit der automatischen Zuschneidefunktion und Perspektivenkorrektur aus der Welt. Die App ist für 0,89 € im Apple App Store oder bei Google Play zu haben.
Bilder von der KI
"Man muss mittlerweile unterscheiden zwischen nachträglicher Bildbearbeitung eines echten Fotos und einem komplett künstlich generierten Bild", sagt Stefanie Krüll, Designerin und Kommunikationsexpertin aus Hürth bei Köln, die unter anderem Workshops zum KI-Tool Midjourney anbietet. So ist im vergangenen Jahr ein Bild vom Papst im schicken weißen Daunenmantel viral gegangen – ein Deepfake, generiert mit einem sogenannten Prompt, also einem einfachen Texteingabe-Befehl. "Die Technik ist mittlerweile so gut, dass eine Unterscheidung zwischen echt und fake immer schwieriger wird", so die Expertin.
Krüll vermittelt in ihren Workshops die Möglichkeiten von Midjourney und der künstlichen Bildgenerierung im Allgemeinen, zeigt Use Cases auf, liefert Beispielbilder und bildet sowohl die Grundlagen des Promptens als auch das Advanced Prompting ab. Es habe auch schon mehrere Anfragen von Handwerksbetrieben gegeben, verrät sie. "Diese Anfragen haben mich motiviert, bestimmte Handwerke mal ‚durchzuprompten‘, um zu zeigen, was teilweise schon möglich ist." Defizite habe die KI beispielsweise noch beim Abbilden von Arbeitsgeräten. "Da können zum Beispiel Hebel an der falschen Stelle sitzen oder die KI dichtet Dinge dazu, die es so an diesem Gerät eigentlich gar nicht gibt", so Krüll. "Möchte der Betrieb allerdings für seine Website oder den Social-Media-Account ein Stimmungsbild mit einer glücklichen Familie zeigen, die sich etwa über die neue Wärmepumpe freut, kann ein solches Stellvertreterbild schnell und einfach generiert werden." Insgesamt seien die Entwicklungen in der künstlichen Bildgenerierung rasant.
KI sei aktuell wie in vielen Branchen auch im Bereich der Fotografie der Game-Changer schlechthin, sagt auch Fotograf Peter. "Mit der KI kann man mittelfristig alles machen." Daher müsse man einen Modus finden, authentische Bilder kenntlich zu machen. "Die Fotografie, Kamerahersteller und die Politik sind hier gefordert", so der Experte. "Da sind alle gefragt, Maßnahmen zu ergreifen, um den authentischen Informationsfluss abzusichern und zu vermeiden, dass die Manipulation überhandnimmt." Immerhin: Der EU AI Act sieht vor, dass künstlich generierte Bilder zukünftig eindeutig als solche gekennzeichnet werden müssen. Manche Tools würden jetzt schon ein Wasserzeichen in die generierten Bilder implementieren, weiß Midjourney-Expertin Krüll. "Damit sollen Missverständnisse vermieden und die Betrachter aufgeklärt werden."