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Stellenanzeigen im Handwerk Bewerbung per WhatsApp: DSGVO-konform und erfolgreich

Ein ganzseitiges Anschreiben zu formulieren, liegt nicht jedem. Die Eismann Haustechnik GmbH nimmt Bewerbern diese Hürde. Eine kurze WhatsApp-Nachricht an den Geschäftsführer genügt, um sich ins Gespräch zu bringen. Das Angebot ist ein Erfolg – und DSGVO-konform. So funktioniert die Bewerbung per WhatsApp.

"Bewerben muss einfach sein", sagt Felix Stock, geschäftsführender Gesellschafter der Eismann Haustechnik GmbH. Doch gerade mit dem Anschreiben für die Bewerbungsmappe tun sich viele Bewerber schwer, wie eine Studie von meinestadt.de belegt. Aus ihrem Berufsalltag sind es die meisten Handwerker nicht gewöhnt, längere Texte zu verfassen. Auch  viele Schulabgänger greifen lieber auf Vorlagen aus dem Internet zurück, statt sich selbst an einen Text zu wagen. Das Ergebnis ist meist dasselbe: Anschreiben sind holprig formuliert oder weisen die immer selben Floskeln auf.

Bewerbung per WhatsApp bietet für beide Seiten Vorteile

"Über diese Hemmschwelle möchten wir Bewerbern helfen", sagt Stock. Er beschloss vor rund einem halben Jahr, Bewerbungen auch per WhatsApp entgegen zu nehmen. Eine Maßnahme, die bereits erste Früchte trägt. Im Mai begann ein neuer Auszubildender seine Lehre bei der Eismann Haustechnik GmbH in Oldenburg. Den Erstkontakt hatte der Azubi mit einer einfachen WhatsApp-Nachricht hergestellt. "Die Texte, die wir erhalten, sind ganz unterschiedlich". Von einem kurzen "Ist die Stelle XY noch frei?" bis hin zu längeren Nachrichten, in denen sich der Bewerber in ein paar Sätzen vorstellt, sei schon alles dabei gewesen.

Um die Bewerbungen per WhatsApp entgegen zu nehmen, hat Stock ein Smartphone angeschafft, das ausschließlich diesem Zweck dient. Erhält er eine Anfrage, antwortet er dem Bewerber meist noch am selben Tag – natürlich via Messenger. "In den meisten Fällen kommt so ein kleiner Dialog zustande", sagt der 34-Jährige. Seiner Meinung nach bietet diese Form der Kommunikation für beide Seiten Vorteile. "Der Bewerber weiß direkt, ob eine Stelle noch zu haben ist", erklärt er. Somit müsse sich kein Interessent stundenlang für ein Anschreiben abmühen, das unter Umständen nicht einmal gelesen wird. Für ihn als Chef sei das WhatsApp-Angebot eine gute Möglichkeit, die moderne Ausrichtung seines Betriebs glaubhaft nach außen zu kommunizieren. Ein Pluspunkt im Kampf um die besten Bewerber, davon ist Stock überzeugt. Er sieht aber noch einen weiteren Vorteil in der Bewerbung per WhatsApp: "Wer abends auf dem Sofa liegt und über einen Wechsel nachdenkt, schreibt vielleicht doch schneller eine WhatsApp als den formellen Weg über die E-Mail zu gehen."

Lebenslauf und Zeugnisse bleiben wichtig

Nach dem Erstkontakt bittet er seine WhatsApp-Bewerber stets darum, ihm einen Lebenslauf und die bisherigen Zeugnisse per E-Mail zuzusenden. "Ich möchte wissen, wie der bisherige Werdegang des Bewerbers aussah", erklärt er. Nur so könne er wichtige Details wie unentschuldigte Fehltage oder schlechte Noten in relevanten Schulfächern erfahren. Seine Rücklaufquote liege bei hundert Prozent. Alle WhatsApp-Kontakte hätten ihm im Nachgang ihre Bewerbungsunterlagen zugeschickt. Ein klassisches Anschreiben mussten die Bewerber nicht anhängen. "Ich weiß, dass Handwerker lieber mit ihren Händen arbeiten, als dass sie lange Texte verfassen", zeigt der gelernte Großhandelskaufmann Verständnis.

Stimmt der erste Eindruck aus WhatsApp-Kontakt und Unterlagen, geht der Bewerbungsprozess seinen gängigen Weg. Auf ein Vorstellungsgespräch folgen zwei bis drei Probearbeitstage. Wer dort überzeugt, erhält ein Vertragsangebot. Vor allem junge Schulabgänger mit Interesse an einer Lehrstelle hätten sich bislang per Messenger gemeldet. Die Bewerbung per WhatsApp bietet Stock aber grundsätzlich bei all seinen Stellenausschreibungen als Option an – ganz gleich, ob ein Azubi oder eine Fachkraft gesucht wird.

WhatsApp-Bewerbungen: Mittel gegen den Fachkräftemangel

Die Erfahrung aus sechs Monaten zeigt ihm, dass die meisten Bewerbungen weiterhin per Post, E-Mail oder persönlich bei ihm eintreffen. Er ist sich aber auch sicher, dass er durch sein WhatsApp-Bewerbertelefon die eine oder andere Anfrage erhalten hat, die er sonst nicht bekommen hätte. Für seinen 95-Mann starken Betrieb, der hauptsächlich Elektroninstallationen und SHK-Dienstleistungen anbietet, bewertet er das Modell bislang als Erfolg. "Mit dem einfachen Einstieg in das Bewerbungsverfahren heben wir uns von anderen Arbeitgebern aus der Region ab", ist der 34-Jährige überzeugt. Ein Vorteil, der in Zeiten des Fachkräftemangels den Unterschied machen kann. Den bekommt auch die Eismann Haustechnik GmbH zu spüren. "Statt wie früher hundert Bewerbungen, flattern heute nur noch 15 Bewerbungen pro Ausbildungsjahr bei uns rein", beschreibt Stock die Ausbildungssituation. Noch angespannter sei die Situation bei den Gesellen. "Der Teich ist leer gefischt", sagt er. Um die wenigen verfügbaren oder wechselwilligen Fachkräfte zu bekommen, müsse man schon hervorstechen.

Für Stock steht daher außer Frage, dass die Bewerbung per WhatsApp weiterhin angeboten wird. "Der minimale Mehraufwand ist absolut vertretbar", sagt er. Und auch seine schlechten Erfahrungen beschränkten sich bislang auf ein paar Anrufe, die er von unseriös wirkenden Personaldienstleistern erhalten hat.

Bewerbung per WhatsApp: DSGVO-konform gestaltet

Die seit 25. Mai geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bereitet ihm ebenfalls wenig Sorgen. Zwar verstößt die betriebliche Nutzung von WhatsApp grundsätzlich gegen geltendes Datenschutzrecht, allerdings nur dann, wenn die Kontaktdaten synchronisiert werden. Sein Smartphone habe Stock daher so eingerichtet, dass WhatsApp keinen Zugriff auf das Telefonbuch hat. Zudem gehe der Erstkontakt stets vom Interessenten aus. "Damit stimmt der Bewerber zu, dass seine WhatsApp-Daten an mich übermittelt werden", sagt Stock.

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