Unternehmensführung -

Bewerbung Lebenslauf: 8 Punkte, auf die Arbeitgeber achten sollten

Kein Schulabschluss, schlechte Noten und zu große Lücken — das sind einige der wichtigsten Negativkriterien für Unternehmer, wenn sie den Lebenslauf eines Bewerbers lesen. Positiv fallen dagegen ein Führerschein oder Fremdsprachenkenntnisse ins Gewicht. Doch überdenken so manche Arbeitgeber in Zeiten knapper werdenden Berufsnachwuchses ihre Standards. Die Deutsche Handwerks Zeitung sagt Ihnen, worauf Arbeitgeber in Bewerber-Lebensläufen heute achten sollten.

Im Lebenslauf eines Bewerbers verstecken sich viele Botschaften. Manche entdeckt man ganz leicht, nach anderen muss man aktiv Ausschau halten. Wie finden Arbeitgeber Mitarbeiter, die zu ihnen passen? Darauf sollten Arbeitgeber im Lebenslauf achten:

Mitarbeiter finden: 8 Punkte, die gute von weniger guten Bewerbern unterscheiden

1. Lücken im Lebenslauf

"Interessant an Lebensläufen sind vor allem die Brüche", sagt Georgios Papanikolaou, Gründer der Personalberatung People Grow in Offenbach am Main. Üblicherweise werden Arbeitgeber ab mehreren Monaten Leerlauf hellhörig. Eine Lücke von sechs Monaten oder mehr, gilt als Vermittlungshindernis. Doch mit dieser Herangehensweise sieben Betriebe auch fähige Leute aus.

"Wenn jemand zum Beispiel eine Lücke über einen längeren Zeitraum hat, muss das nicht heißen, dass er seine Ziele nicht verfolgt", so Papanikolaou. "Sondern es kann ein Lebensereignis geschehen sein, dass ihn vielleicht sogar maßgeblich für seine berufliche Laufbahn gestärkt hat. Jemand, der ein Jahr seine Ausbildung ausgesetzt hat, weil er ganz dringend im landwirtschaftlichen Betrieb zuhause einspringen musste, beweist beispielsweise Pflichtbewusstsein."

2. Adresse und Entfernung zum Arbeitsort

Wo wohnt der Bewerber eigentlich? Besser gefragt: Wie weit wohnt er weg? Die Distanz vom Wohnort bis zur potenziellen Arbeitsstelle lässt sich in Google Maps sehr leicht ausrechnen. Wenn er oder sie dutzende Kilometer bis zum Arbeitsplatz pendeln muss, könnte es beizeiten zu Problemen bei der Anfahrt kommen – im Falle eines Wintereinbruchs, neu eingerichteter Baustellen oder einem Warnstreik der Deutschen Bahn zum Beispiel. Das kostet Zeit.

Im Zweifel könnte dies für den Bewerber sprechen, der nur zehn Autominuten bis zur Arbeit benötigt. Unter Umständen kann eine größere Distanz aber auch von Vorteil für den Arbeitgeber sein. Nämlich dann, wenn seine Mitarbeiter hauptsächlich beim Kunden vor Ort arbeiten und der Betrieb durch den Neuen ein größeres Gebiet abdecken kann.

3. Stadt oder Land: Was passt zum Bewerber?

Stadtmenschen werden auf dem platten Land vielleicht nicht glücklich, überzeugte Landeier im Moloch Großstadt ebenfalls nicht. Ein Aspekt, den Arbeitgeber nicht ignorieren müssen. Ein Betrieb aus dem ländlichen Niedersachsen etwa sollte aufhorchen, wenn der Bewerber aus Berlin oder Hamburg kommt. Hat er schon Erfahrungen auf dem Land gesammelt? Warum will er überhaupt raus aus der Großstadt? Wird er hier glücklich? Wird er oder sie es nämlich nicht, hat auch der Arbeitgeber ein Problem. Die Motivation für die Luftveränderung gilt es spätestens im Vorstellungsgespräch zu hinterfragen.

4. Social-Media-Kompetenzen nutzen

"Ob Social-Media-Kompetenzen wichtig sind, hängt maßgeblich von der Branche ab", sagt Papanikolaou. "Für einen Fräser oder Dreher, der im Maschinenbauunternehmen produktiv tätig ist, spielt das zum Beispiel eher keine Rolle." Für manche Betriebe ist es allerdings attraktiv, wenn ein Bewerber im Umgang mit Snapchat und Instagram versiert ist. Er könnte im Netz als Botschafter für das Unternehmen fungieren oder gar den Facebook-Auftritt betreuen.

Sind Social-Media-Profile im Lebenslauf aufgeführt, sollte der Arbeitgeber jedenfalls nicht zögern, einen Klick darauf zu werfen. Schließlich stößt er hier auch auf mögliche Ungereimtheiten. Falls im Facebook-Profil etwa andere Interessen – oder gar Schulen – angegeben sind, als im Lebenslauf, wirft das Fragen auf.

5. Hobbys im Lebenslauf

"Angaben zu Hobbys im Lebenslauf können Hinweise geben, beispielsweise darauf, ob jemand gerne im Team arbeitet", sagt Papanikolaou. Das ist bei Teamsportarten wie Fußball oder Handball der Fall. "Oder ob er mehr auf Können und Leistung aus ist, weil er vielleicht Tennis als Einzelsportart betreibt." Und manches Hobby deutet vielleicht auf eine kreative Ader hin – die können viele Betriebe gut gebrauchen.

Fortgeschrittene Bewerber wissen: Risikosportarten kommen im Lebenslauf meist nicht so gut an. Sie erhöhen das Verletzungs- und Ausfallrisiko – das ist nichts, was einem Arbeitgeber gefallen kann. Risikosportarten sind zum Beispiel Reiten, Mountainbiking, Motorsport, Surfen, Drachenfliegen, Skifahren, Fallschirmspringen oder Tauchen.

6. Rechtschreibung

Nicht jeder Handwerker ist ein verkappter Romanschreiber. Das ist auch gar nicht notwendig. Kleine Rechtschreib- oder Grammatikfehler werden immer verzeihlicher. Vielleicht ist ein arbeitsloser Bewerber zuvor nur wegen seiner Rechtschreibschwäche durchs Raster gefallen, verfügt aber sonst über alle notwendigen Qualitäten. Er könnte sich für Betriebe, die dringend Nachwuchs suchen, als Glücksgriff entpuppen.

7. Ehrlichkeit im Lebenslauf

Zur Wahrheit gehört: Bewerber schummeln. Sie motzen Fremdsprachkenntnisse auf, erfinden EDV-Fähigkeiten und mogeln bei ihren Vorkenntnissen. Der Wahrheit nähern sich Arbeitgeber, indem sie die Angaben im Lebenslauf mit Zeugnissen und Social-Media-Profilen vergleichen und mögliche Referenzgeber anrufen. Und indem sie den Bewerber im Gespräch auf Widersprüche ansprechen. Wird er nervös, verhaspelt sich oder weicht er Fragen aus? Das sind Warnsignale.

8. Persönlichkeit des Bewerbers erkennen

"Jeder Mensch hat neben seinem Erlernten eine Persönlichkeit, Talente und seine eigenen Verhaltensweisen. Und es gilt herauszufinden, ob das alles zu meinem Unternehmen passt", sagt Papanikolaou. Ein notorischer Spätaufsteher eignet sich nicht für den Bäcker-Beruf, Höhenangst ist für Dachdecker ein No-Go. Wer partout kein Blut sehen kann, sollte über die Berufswahl Zahntechniker noch einmal nachdenken. Und kann eigentlich ein strikter Antialkoholiker ein guter Braumeister werden? Oder ein Veganer zu einem guten Schlachter?

Georgios Papanikolaou hat noch einen Tipp: Die Vorstellungsgespräche nicht in einem kühlen Besprechungszimmer führen, sondern am Küchentisch. Das schaffe eine familiäre Atmosphäre, in der sich die Bewerber leichter öffnen und aus dem Nähkästchen plaudern.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten