Personal + Management -

Betriebliche Altersversorgung Betriebsrente: Möglichkeit der Mitarbeiterbindung

Betriebliche Altersversorgung: Zwar hat die Verbreitung im Handwerk deutlich zugenommen, doch die Niedrigzinsphase könnte die Abschlussquote ausbremsen. Was jetzt wichtig ist.

Die gute Nachricht zuerst: Die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) im Handwerk hat „in den letzten zehn bis 20 Jahren deutlich zugenommen“, beobachtet Jörg Hagedorn, Leiter der Abteilung Soziale Sicherung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. Aber: Je kleiner der Betrieb, desto seltener bietet er eine Betriebsrente an. Und in der anhaltenden Niedrigzinsphase hinterfragen Arbeitgeber und Mitarbeiter Hagedorn zufolge verstärkt, ob eine bAV noch sinnvoll sei.

Betriebsrente: Firmen müssen als Arbeitgeber attraktiver werden

Dabei ist die Betriebsrente nach wie vor ein "interessantes Instrument zur Mitarbeiterbindung, denn je länger der Mitarbeiter im Betrieb bleibt, desto höher ist seine bAV", erläutert Hagedorn. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müssen die Firmen als attraktive Arbeitgeber gelten. Haben doch laut ZDH bereits heute etwa die Hälfte aller Handwerksbetriebe Probleme beim Besetzen offener Stellen.

Nach Aussage des bAV-Experten der Axa in Köln, Hans-Bert Schmitz, genießt die Betriebsrente einen hohen Stellenwert bei den Mitarbeitern, denn sie "zeigt Wertschätzung durch das Unternehmen". Zudem helfe das Instrument, "sich als Arbeitgeber am Markt zu profilieren. Das gilt vor allem für kleine Betriebe, da diese seltener eine bAV anbieten."

Kerstin Schiller, Direktionsberaterin bAV bei der Alte Leipziger Lebensversicherung in München, meint, Betriebe müssen wegen des Fachkräftemangels über den sprichwörtlichen Tellerrand schauen: "Nicht nur das Gehalt alleine zählt, sondern man muss den Mitarbeitern weitergehende Wertschätzung bieten. Dazu zählt, neben vielen anderen Optionen wie etwa Weiterbildungsmöglichkeiten, auch die bAV."

bAV: Der Arbeitgeber wählt das Modell und den Versicherer

Wie funktioniert die Vorsorge per Betriebsrente? Jeder Beschäftigte hat seit 2002 das Recht auf eine Entgelt­umwandlung. Er darf also einen bestimmten Teil seines Gehalts in eine Betriebsrente umwandeln, ohne darauf Lohnsteuer und Sozialabgaben zahlen zu müssen. Bei der Auszahlung in der Rentenphase fallen zwar Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an, der "Steuersatz des Rentners ist jedoch normalerweise geringer als während seines Erwerbslebens", sagt Dominik Stadelbauer, bAV-Experte bei der Nürnberger Versicherung in Nürnberg. In der Regel kann der Versicherte wählen zwischen einer einmaligen oder teilweisen Auszahlung und einer Rente. Spielt der Arbeitgeber mit, kann er die Betriebsrente um Bausteine wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung erweitern.

Es gibt fünf sogenannte Durchführungswege für die bAV: Am häufigsten im Handwerk sind die Direktversicherung und die Pensionskasse. Laut ZDH setzen je 40 Prozent aller Betriebe mit Betriebsrente auf eine der beiden Varianten. Eine geringere Rolle spielen die Direktzusage, die Unterstützungskasse und der Pensionsfonds.
Der Arbeitgeber wählt das Modell und den Versicherer. Das bedeutet auch: Stellt er einen Mitarbeiter mit bestehendem bAV-Vertrag bei einer anderen Versicherung ein, "kann der Arbeitgeber vorgeben, dass der Beschäftigte das Kapital entweder auf den Versicherer seines neuen Betriebs übertragen oder den alten Vertrag als normale Lebensversicherung privat weiterführen muss", sagt Stadelbauer.

Betriebsrente: Zuschuss des Chefs ist Pflicht

Bei den bis Ende 2018 abgeschlossenen Verträgen gibt es drei Finanzierungsvarianten: Der Arbeitgeber zahlt die bAV-Beiträge komplett, der Mitarbeiter stemmt sie alleine per Entgeltumwandlung oder beide beteiligen sich daran, was am häufigsten ist. Seit 2019 muss der Betrieb bei neuen bAV-Verträgen 15 Prozent des umgewandelten Entgelts zuschießen und ab 2022 gilt dies auch für alte Verträge. Stadelbauer legt Betrieben nahe, "mindestens 30 bis 50 Pozent des Umwandlungsbetrags als Bonus draufzulegen", wenn sie sich positiv abgrenzen wollen.

Axa-Experte Schmitz rät, einen Sockelbetrag des Chefs von 50 bis 100 Euro mit einem Zuschuss von 20 Prozent zur Entgeltumwandlung zu kombinieren: "Je höher die Finanzierung durch den Arbeitgeber, desto stärker wird die Mitarbeiterbindung sein." Eine Alternative zum Sockelbetrag steht unter dem Motto "Fördern und Fordern". "Ist der Mitarbeiter bereit, einen Euro für die bAV zu sparen, könnte der Chef einen weiteren Euro drauflegen", erklärt Schiller von der Versicherung Alte Leipziger.

Seit vergangenem Jahr gibt es das Sozialpartnermodell. Es muss von den zuständigen Tarifvertragsparteien vereinbart werden und ist auf die Durchführungswege, Direktversicherung, Pensionskasse und Pesionsfonds anwendbar. Das Modell verpflichtet den Arbeitgeber lediglich zu einer reinen Beitrags- und nicht zu einer Leistungszusage.

Betriebsrenten: Zeitplan und Modell im Überblick

Zeitplan des Betriebsrentenstärkungsgesetzes – ab wann greift welche Regelung?

1. Januar 2018: Anhebung der Grenzen für die Steuer­befreiung bei der Gehaltsumwandlung, Einführung des Sozialpartnermodells, Steuervergünstigung bei Arbeitgeberzuschuss für Geringverdiener.

1. Januar 2019: Verpflichtender Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent beim Abschluss von Neuverträgen.

1. Januar 2022: Verpflichtender Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent auch bei Altverträgen.

Die Durchführungswege

Direktversicherung: Hier fließt das Geld in eine Rentenversicherung, die bei der Kapitalanlage der Versicherungsregulierung unterliegt.

Pensionskasse: Eine Pensionskasse funktioniert ähnlich wie die Direktversicherung, auch hier muss das Geld sehr sicherheitsorientiert angelegt werden. Die Anbieter unterliegen der Versicherungsaufsicht.

Pensionsfonds: Das Geld darf risikoreicher als bei Ver­sicherungen angelegt werden, weil höhere Aktien- und Fremdwährungsanteile erlaubt sind.

Unterstützungskasse: Einer oder mehrere Betriebe gründen einen Verein für die Altersvorsorge der Mitar­beiter, der als Treuhänder für die eingezahlten Beträge fungiert. Ein Betrieb kann sich auch einer bereits bestehenden Unterstützungskasse anschließen. Bei der Wahl der Kapitalanlagen sind die Unterstützungskasse weit­gehend frei.

Direktzusage: Hier leistet der Betrieb Pensionszusagen, die über eigene Kapitanlagen und Rückstellungen gedeckt werden. th

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten