Wer seine Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten verringert, ist erfolgreicher. Das zeigt eine Studie des ZEW Mannheim und DIW Berlin. Was die Forscher empfehlen.

Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben einerseits gezeigt, wie angewiesen die deutsche Wirtschaft auf einzelne Lieferanten und Länder ist. Andererseits hängen eine stärkere Diversifizierung von Lieferketten und Unternehmenserfolg zusammen. Das zeigt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim und DIW Berlin. Das bedeutet: Umsichtige Unternehmer machen sich nicht von einem oder wenigen Lieferanten abhängig. Die Forscher werteten für ihre Studie die Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnologien aus.
Ob mithilfe von Subventionen für eine Intel-Chipfabrik in Magdeburg oder der nationalen Sicherheitsstrategie – die deutsche Politik strebt nach mehr digitaler Unabhängigkeit. Vorteilen einer regional verteilten Beschaffung stehen auf Seiten der Unternehmen indes spürbar höhere Kosten gegenüber. Dennoch zeigen sich die Forscher des ZEW Mannheim und DIW Berlin überzeugt, dass Unternehmen mit breiter aufgestellten Lieferketten erfolgreicher sind.
Zugang langfristig sichern
"Für die digitale Souveränität der deutschen Wirtschaft ist der Zugang zu IKT-Gütern essenziell, insbesondere in hoch digitalisierten Branchen", sagt Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs "Digitale Ökonomie" und Co-Autorin der Studie. Dies heiße nicht, dass diese Güter im Inland hergestellt werden müssten. Vielmehr gelte es, "einseitige Abhängigkeiten durch eine regional diversifizierte Beschaffungsstrategie zu vermeiden und so den Zugang zu IKT-Gütern langfristig zu sichern".
Die Studie basiert auf der Analyse von Mikrodaten der amtlichen Statistik für die Jahre 2010 und 2014. Untersucht wurden insgesamt 3.888 Unternehmen in Deutschland, die IKT-Güter importieren. "Anhand unserer Daten lässt sich bereits vor der aktuellen geopolitischen Situation ein positiver Zusammenhang zwischen Diversifizierung und Unternehmenserfolg nachweisen. Und das gilt für kleinere und größere Unternehmen gleichermaßen", sagt Thomas Niebel, Senior Researcher im ZEW-Forschungsbereich "Digitale Ökonomie" und Co-Autor der Studie.
Gültig auch für kleinere Betriebe
Grundsätzlich gelten die Befunde also auch für Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigen. Allerdings haben die Autoren für ihre Studie lediglich das verarbeitende Gewerbe betrachtet – und beispielsweise nicht den Bau- und Ausbaubereich, in dem viele Handwerksbetriebe beheimatet sind. Überdies bezieht das Handwerk große Teile seiner IKT-Güter über den Großhandel und nicht direkt aus dem Ausland. str