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Kommentar Berufsbildungsbericht 2018: Hohe Abbrecherquoten als Problem

Das Bundeskabinett wird in Kürze den Berufsbildungsbericht 2018 verabschieden. Vorab wurden allerdings schon einige Details bekannt. "Jeder vierte Lehrling wirft hin", das war die meist zitierte Schlagzeile darüber. Der aktuelle Berufsbildungsbericht wird aber auch positives zu vermelden haben – zumindest für das Handwerk.

Zum 30. September letzten Jahres – das ist für die Berufsbildungsstatistik jeweils der entscheidende Stichtag – wurden in unserem Wirtschaftsbereich mit gut 135.000 neuen Ausbildungsverträgen etwa 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr gezählt. Ob man darin schon eine Trendwende sehen kann, muss sich erst noch erweisen.

Die Herausforderungen dafür sind beträchtlich. Zum einen gibt es den demographischen Wandel, zum anderen die Konkurrenz der Bildungswege. Noch immer meinen viel zu viele Jugendliche und vor allem deren Eltern, in Gymnasium und Studium den Königsweg sehen zu müssen, wenngleich der Trend dahin sich schon abschwächt.

Universitäten und Hochschulen leiden unter höheren Abbrecherquoten

Angesichts dessen ist es natürlich schon ein besonderes Problem, wenn tatsächlich jeder vierte Lehrling seine Ausbildung abbricht. Doch dem ist nicht so; denn vielfach handelt es sich nicht wirklich um einen kompletten Abbruch der Berufsausbildung, sondern um einen Wechsel des Ausbildungsberufs oder des Ausbildungsbetriebs. Verlässliche Zahlen darüber zu gewinnen wäre genauso der Mühe wert wie die Vereinheitlichung der Erhebung der Abbrecherquote.

Und die ausbildende Wirtschaft braucht hier nicht im Büßergewand zu gehen; denn an den Universitäten und Hochschulen sind die Abbrecherquoten höher. Gleichwohl muss noch viel dafür getan werden, um Ausbildungen nicht scheitern zu lassen. Das A und O dafür ist eine fundierte Berufsorientierung an unseren Schulen – an Haupt- und Realschule genauso wie am Gymnasium. Gerade bei letzterem hapert es noch gewaltig. Hier wird deutlich intensiver für ein Studium geworben als für eine Berufsausbildung.

Effekte einer Mindestausbildungsvergütung fraglich

Insgesamt sind konzertierte Maßnahmen von Betrieb, Berufsschule, allgemeinbildenden Schulen und Berufsberatung nötig. Ob eine Mindestausbildungsvergütung wie sie im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD in Aussicht gestellt wird – spekuliert wird derzeit über 635 Euro pro Monat – die Ausbildungsabbrüche mindern könnte, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Zudem ist jedem Lehrling aus dem vorher unterschriebenen Ausbildungsvertrag bekannt, wie hoch die Vergütung sein wird.

Außerdem bestätigen Erhebungen, dass Geld für die Jugendlichen nicht alles ist. Für sie zählen mindestens genauso die interessante und zukunftssichere Tätigkeit. Gerade da brauchen sich Handwerksberufe vor anderen Branchen nicht zu verstecken, sondern sie sollten mit diesem Pfund noch deutlich mehr wuchern.

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