Gemeinschaftsaktion Beispielhaftes Projekt für Geflüchtete: Wenn alle Gewerke mit anpacken

Die geflüchteten Menschen aus der Ukraine brauchen Unterkünfte. Handwerker in Düsseldorf haben deshalb eine Hilfsaktion gestartet und eine leerstehende Wohnung in wenigen Tagen für zwei Flüchtlingsfamilien renoviert. Über ein Projekt mit Helfern aus zahlreichen Gewerken – das jetzt Nachahmer sucht.

Michael Kregel mit anderen Handwerkern
Michael Kregel organisiert die Renovierung der Hausmeisterwohnung für Geflüchtete aus der Ukraine. Gemeinsam mit Handwerkern der verschiedensten Gewerke haben sie das in nur wenigen Wochen ehrenamtlich gestemmt. - © Michael Kregel

Es war ein Gespräch mit einem Bekannten, das Gebäudereinigermeister Michael Kregel stutzig machte. Dieser erzählte ihm, dass seit kurzem die Freundin seiner ukrainischen Frau bei ihm lebt – samt Kind und Großeltern. Sie seien geflüchtet und kommen nun erst einmal bei ihm unter. Leider ist seine Wohnung zu klein für noch mehr Menschen. Doch eine weitere enge Freundin der Ehefrau sitzt mit zwei Kindern in einem Auffanglager in Österreich. Als Michael Kregel das hörte, wusste er sofort, was zu tun war.

Nur ein paar Tage zuvor hatte der stellvertretende Kreishandwerksmeister aus Düsseldorf mit einigen Handwerkskollegen darüber diskutiert, dass sie die derzeit leerstehende Hausmeisterwohnung der Kreishandwerkerschaft für Geflüchtete herrichten wollen. Die Idee dazu hatten Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide und Geschäftsführer Lutz Denken. Michael Kregel brachte dann den Anstoß, die Idee sofort in die Tat umzusetzen. "Die Kreishandwerkerschaft hat die Wohnung und ich habe die Leute. Wir müssen was machen", beschreibt er, was ihm durch den Kopf ging, bevor er anfing die Hilfsaktion zu organisieren.

Hilfe für Geflüchtete: Handwerker spenden und packen an

Aus dem Gedanken, die leerstehende Wohnung herzurichten, wurde dann innerhalb von rund drei Wochen eine große Gemeinschaftsaktion der verschiedensten Handwerksbetriebe in Düsseldorf. Der erste Schritt war die Gründung eines Spendenfonds. Der zweite und alle folgenden waren ein besonderer ehrenamtlicher Handwerkseinsatz.

"Wir haben die Obermeister aller Gewerke aktiviert und viele haben mitgemacht", erzählt Kregel. Schon als der Unternehmer mit seinen Kollegen in der Innung sprach und dann mit denen der anderen Gewerke kamen viele Spenden zusammen. "Dann kam der Betrieb von Hans-Werner Eschrich, der Obermeister der SHK-Innung Düsseldorf, und hat das gesamte Bad der Wohnung neu ausgestattet, ein Malerbetrieb hat alles neu gestrichen und ein Elektriker hat Rauchmelder angebracht und alle Steckdosen überprüft", nennt Kregel nur ein paar Beispiele für den tatkräftigen und unentgeltlichen Einsatz seiner Handwerkskollegen. So hat auch der Obermeister der Raumausstatterinnung dafür gesorgt, dass die Wohnung bunte Gardinen nach Maß für alle Fenster bekam.

Renovierte Wohnung für Ukraine-Flüchtlinge
Frische Betten für die beiden Flüchtlingsfamilien: Die Handwerker haben die gesamte Wohnung renoviert und eingerichtet. - © Michael Kregel

Als alles soweit fertig war, sind er und Lutz Denken selbst dann zu einem großen Möbelhaus gefahren und haben noch Matratzen, Bettwäsche und allerhand anderes für die Wohnungsausstattung besorgt. Dabei entschuldigt sich Michael Kregel schon fast, dass er nicht nur handwerklich hergestelltes Equipment gekauft hat. "Wir brauchten ja alles sofort und quasi direkt zum Mitnehmen", sagt er mit dem Hinweis auf lange Lieferzeiten und dem aktuell spürbaren Materialmangel in vielen Gewerken.

Geflüchtete aus der Ukraine: Bald ein Job im Handwerk?

Dann ging es ans Schleppen, Aufbauen und Einrichten. Auch das lief im Teamwork von zehn Handwerkern der verschiedensten Branchen und Betriebe aus Düsseldorf unter Leitung von Kregel, Denken und Eschrich. Bevor die beiden ukrainischen Familien dann in die Wohnung einziehen konnten, hat der Gebäudereinigermeister dafür gesorgt, dass alles frisch gereinigt ist. Als Sachspenden von Kollegen kamen auch noch ein Fernseher und ein Kühlschrank dazu. "Wir wollten die Menschen hier mit Respekt empfangen und es ihnen schön machen", sagt Kregel. Ihm war es wichtig, dass die Geflüchteten schnell das Gefühl haben, sich selbstständig versorgen zu können und nicht zu sehr abhängig zu sein.

Dennoch brauchen die beiden Mütter, die insgesamt drei Kinder und die Großeltern Unterstützung, um hier anzukommen. Auch hierbei helfen die Handwerker so gut sie können. "Wir haben schon Kontakte zu der nächstgelegenen Schule geknüpft und wenn die beiden Frauen das möchten, können wir dann auch über eine Beschäftigung in meiner Firma sprechen", sagt der Unternehmer. Dank Handydolmetscher konnte er sich schon ein wenig mit einer der beiden austauschen und er ist erschüttert, was diese von der Flucht berichtete. "Wenn ich diese Geschichten höre, verblassen die Probleme, die wir hier haben schnell", sagt Kregel.

Logo der Hilfsaktion der Kreishandwerkerschaft Düsseldorf
Logo der Hilfsaktion der Kreishandwerkerschaft Düsseldorf. - © Michael Kregel

Dank Spendenfonds der Kreishandwerkerschaft ist es möglich, dass alle laufenden Kosten der Flüchtlingswohnung erst einmal gedeckt sind und auch für Lebensmittel und andere notwendigen Dinge des Alltags ist gesorgt, bis die Familien in Deutschland registriert sind und offizielle Unterstützung bekommen.

Gemeinschaftsaktion für Geflüchtete: Handwerk sucht Nachahmer

Die Handwerker, die bei der Gemeinschaftsaktion mitgemacht haben, würden diese gerne wiederholen und noch mehr Menschen helfen. Das Problem ist nur der fehlende Wohnraum. Michael Kregel ruft deshalb dazu auf, dass sich jeder im Raum Düsseldorf bei ihm melden kann, der eine leerstehende Wohnung hat, Büros, die nicht genutzt werden oder Ähnliches. "Wenn eine Renovierung nötig ist, übernehmen wir das", sagte er. Und noch mehr: Die beispielhafte Gemeinschaftsaktion sollte aus seiner Sicht schnell Nachahmer finden und so appelliert Kregel an seine Handwerkskollegen in ganz Deutschland, darüber nachzudenken.

Damit die Aktion bekannt wird und auch über die sozialen Netzwerke verbreitet werden kann, hat er von einer Werbeagentur ein Logo dafür entwerfen lassen. Auch dieses gibt er gerne weiter. Michael Kregel hat kürzlich in einem ausführlichen Interview mit dem Handwerker Radio von der Gemeinschaftsaktion berichtet. Es steht hier zum Anhören bereit.>>>

Wohnung für Flüchtlinge
In dieser Hausmeisterwohnung der Kreishandwerkerschaft Düsseldorf können nun zwei Flüchtlingsfamilien wohnen. - © Michael Kregel