Vermittlungsplattform Blauarbeit "Baukrise ist bei Blauarbeit eher als positiver Effekt angekommen"

Alexander Oberst, Geschäftsführer der Handwerks-Vermittlungsplattform Blauarbeit, verrät, wie das Unternehmen durch die Corona-Pandemie gekommen ist, erklärt, warum das Plattformgeschäft mit einem "Henne-Ei-Problem" zu kämpfen hat und zeigt Verständnis für die Bedenken von Betrieben, zu Erfüllungsgehilfen degradiert zu werden.

Alexander Oberst, Geschäftsführer Blauarbeit.de
Alexander Oberst, Geschäftsführer Blauarbeit. - © Blauarbeit.de

Herr Oberst, wie ist Blauarbeit als Vermittlungsplattform im Handwerk durch die Pandemie gekommen?

Alexander Oberst: Das Geschäft von Blauarbeit hat sich in den letzten fünf Jahren durchaus positiv entwickelt. Blauarbeit hat in den Jahren 2019 bis 2021 versucht, den Umfang des Geschäftsmodells auszubauen. Vor allem durch den Zukauf des damaligen Mitbewerbers Homebell sollte dieser Schritt untermauert werden. Die Corona-Pandemie hat allerdings dafür gesorgt, dass sich Blauarbeit wieder stärker auf das ursprüngliche Geschäft konzentrieren durfte und in diesem Zuge auch erkannt wurde, dass die Wirtschaftlichkeit der Plattform dadurch sukzessiv weiter gesteigert werden konnte. Der aktuelle Fokus liegt auch klar darauf, das Kerngeschäft weiter auszubauen und vor allem kleinen Handwerksbetrieben eine echte Chance zum Aufbau neuer Kundenbeziehungen zu bieten.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile für Kunden, einen Handwerker über eine Plattform wie Blauarbeit zu suchen?

Im Grunde sind es drei große Vorteile: Die Handwerkersuche über Blauarbeit ist zunächst einmal immer kostenlos. Das bedeutet: Auch wenn der Bedarf, einen Handwerker z.B. kurzfristig finden zu müssen, recht groß ist: Kunden können den Handwerkerauftrag immer kostenlos ausschreiben. Zudem erfolgt die Ausschreibung immer unverbindlich, es muss also kein Handwerker beauftragt werden, wenn zum Beispiel die Kommunikation oder das finale Angebot nicht den Erwartungen der Kunden entspricht. Außerdem bietet Blauarbeit aufgrund des großen Dienstleister-Netzwerks Kunden in vielen Fällen die tolle Möglichkeit, Angebote von unterschiedlichen Handwerksbetrieben zu vergleichen und somit eine gute Entscheidung treffen zu können.

"Ich beobachte, dass es immer wieder Anstrengungen gibt, weitere oder neue Plattformen zu etablieren. Oft gelingt das nicht, weil es am Ende immer um das Henne-Ei-Problem geht."

Beobachten Sie eine Marktkonzentration oder ist noch Platz für neue Anbieter am Markt im Handwerksumfeld?

Ich beobachte, dass es immer wieder Anstrengungen gibt, weitere oder neue Plattformen zu etablieren. Oft gelingt das nicht, weil es am Ende immer um das Henne-Ei-Problem geht. Wenn ich eine Plattform anbiete und zum Beispiel Handwerksbetriebe gewinnen möchte, benötige ich immer auch konkrete Auftragsanfragen – die ich wiederum nur bekomme, wenn ich entsprechend nachweisen kann, dass ich Handwerksbetriebe habe. Somit ist oft das Problem, dass neue Projekte, die gleich einen nationalen Ansatz, wie z.B. Blauarbeit verfolgen, dieses Ziel nicht erreichen. Wir beobachten aber mit großem Interesse kleinere, regionale Projekte, oder auch spezifische Projekte, wie etwa die unterschiedlichen Plattformen von DS Digitale Seiten. Diese bieten Spezial-Plattformen an, und in Gesprächen haben wir festgestellt, dass es Sinn machen kann, die Plattform Blauarbeit auch mehr mit diesen Angeboten zu verknüpfen, um z.B. Kunden am Ende den Erfolg zu verschaffen, den sie sich versprechen.

Derzeit ist eine Baukrise zu beobachten. Glauben Sie, dass sich diese eher begünstigend oder bremsend auf das Plattformgeschäft auswirkt? Spüren Sie bereits Effekte?

Die Baukrise ist zumindest bei Blauarbeit eher als positiver Effekt angekommen. Unsere Hauptklientel sind junge und/oder kleine Handwerksbetriebe, und diese sind nach wie vor sehr dankbar dafür, dass es Plattform-Angebote wie unseres gibt, um schnell neue Kundenbeziehungen aufzubauen. Wir beobachten aber auch, dass seit etwa einem Jahr mehr und mehr auch alt-eingesessene Betriebe unser Angebot nutzen, die uns berichten, dass sie durch uns Auftragslücken schließen möchten. Dies war bis vor einem Jahr sicherlich noch kein Tagesgeschäft für uns.

Sind Plattformen dank der Skalierungseffekte ein gutes Hilfsmittel, um die Energiewende und den Ausbau/Austausch von Heizungen, Wärmepumpen, Photovoltaik etc. besser meistern zu können?

Ganz sicher ja. Wenn ich allein sehe, welche Effekte unser Marktbegleiter Thermondo hier erzielt, kann man diese Vermutung nur bestätigen. Auch wenn die Bereiche Heizungen/Wärmepumpen/Photovoltaik nur drei von (bei Blauarbeit) über 50 Gewerken sind, aus denen Nutzer Handwerker finden können, so können auch wir feststellen, dass gerade im Rahmen der politischen Diskussion in den vergangenen Monaten die Nachfrage nach derartigen Dienstleistungen bemerkenswert angestiegen ist.

"Unsere Plattform sieht und respektiert jeden Partner als eigenständig handelnden Handwerksbetrieb."

Können Sie nachvollziehen, wenn Betriebe Bedenken haben, auf Plattformen zu Erfüllungsgehilfen degradiert zu werden und die Hoheit über ihr Geschäft zu verlieren?

Ich kann das nachvollziehen, auch wenn das zum Beispiel für Blauarbeit nicht zutrifft, weil unsere Plattform jeden Partner als eigenständig handelnden Handwerksbetrieb sieht und respektiert. Zum Beispiel äußert sich das so, dass Blauarbeit niemals einen Handwerker drängt, bei einer bestimmten Anfrage auch ein konkretes Angebot abzugeben. Auch ist es nicht der Fall, dass ein Betrieb einen gewissen Teil vom Projektumsatz an Blauarbeit als Provision zahlen muss. Unsere Premiumpartner bezahlen ein monatliches Fixum, und dafür erhalten sie den Kontakt zu allen Auftraggebern, die für sie spannende Projekte ausschreiben.

Ich kann die Skepsis mancher Betriebe aber nachvollziehen, weil es natürlich Wettbewerber gibt, die das anders handhaben und die Handwerker anders an ihre Plattform(en) binden oder auch andere Abrechnungs- oder Beteiligungsmodelle anbieten. Am Ende sollte einfach jeder Betrieb gut prüfen, welches Modell am besten geeignet ist und welche Plattform etwa auch Testzeiträume etc. anbieten.

Wie bewerten Sie B2B-Plattformen? Müssen sich die Betriebe, Hersteller und Lieferanten untereinander stärker digital vernetzen?

Ich glaube ja, auch wenn ich hier Unterschiede machen würde. Für Betriebe mit einer gewissen Größe macht es sicherlich viel Sinn, das zu tun und weiter auszubauen, um z.B. Skalen- und Mengeneffekte beim Materialeinkauf zu erzielen und Projekte effizienter umzusetzen.

Kleinere Betriebe – und diese zählen ja vor allem zur Zielgruppe unserer Plattform – sollten genau prüfen, ob das Sinn macht und in welchem Maße. Wir haben hier auch schon einiges getestet und z.B. andere Plattformen mit anderen Ansätzen an uns angebunden. Im Gespräch mit unserem B2B Kunden ist aber aufgefallen, dass sich viele in ihrer Flexibilität eingeschränkt fühlen, wenn sie sich zu sehr an vernetzte Plattformen binden. Von daher gilt aus meiner Sicht: Vernetzung ist gut, aber am Ende (aktuell) nicht für alle Zielgruppen im Handwerk ein Muss.