Holzpreis in den Medien Bauholz: Warum vom Preisabsturz noch nichts zu spüren ist

Meldungen zu sinkenden Holzpreisen an den Börsen wirken verwirrend in Zeiten der ansonsten stark steigenden Preise. Mit dem, was Holzbaubetriebe derzeit in Deutschland erleben, haben diese Entwicklungen noch nicht viel zu tun. Das steckt dahinter.

Preise für Bauholz
Preise für Bauholz stabilisieren sich, da der Holzpreis auf dem Weltmarkt sinkt. Von einem Preisabsturz ist hierzulande aber noch nichts spürbar. - © oka - stock.adobe.com

Die Börsenmeldungen im Juni und die Marktberichte zum ersten Halbjahr 2022 klingen nach einer starken Entspannung auf dem Holzmarkt. So ist in aktuellen Analyseberichten zu lesen, dass die Preise für Bauholz stark fallen, dass Holzpreise sogar abstürzen und unter den Werten vom starken Preisanstieg 2020 und 2021 liegen. Aber was steckt hinter den Berichten, die sich meist auf die Entwicklungen auf dem US-Markt beziehen? Haben sie auch Folgen für den Holzbau in Deutschland?

Preis für Bauholz steigt nicht mehr

"Holz ist kein Tagespreisgeschäft", sagt dazu Rainer Kabelitz-Ciré und nimmt dem Thema gleich ein wenig an Aufgeregtheit. Rainer Kabelitz-Ciré ist der Geschäftsführer des Fachgruppe Holzbau Deutschland, die zum Zentralverband des Deutschen Baugewerbes gehört. Zwar spürt die Branche auch, dass sich die Preisanstiege beruhigt haben. Schon seit dem 2. Halbjahr 2021 habe sich der Markt wieder spürbar stabilisiert. Aber von einem Absturz – wie man es in Meldungen zu den US-Börsenpreisen liest – kann hier keine Rede sein.

Zwar teilt auch der Gesamtverband Deutscher Holzhandel mit, dass sich im Gegensatz zu fast allen anderen Gütern die allgemeine Lage auf dem Holzmarkt als positiv darstellt. Die aktuelle Nachfrage nach Holz könne bedient werden und nur in einzelnen Sortimenten könne es zu längeren Lieferzeiten kommen. "Insgesamt erweist sich der Holzmarkt jedoch als stabil", sagt König, der Sprecher des Handelsverbands.

Inflation und Zinserhöhung sorgt für Zurückhaltung beim Bauen – zumindest in den USA

Die Holzpreise am Weltmarkt gingen einem Bericht von agrarheute.de zufolge seit Jahresbeginn um 47 Prozent zurück und liegen damit um 65 Prozent unter dem Höchststand von 2021. Derzeit kostet ein Kubikmeter Holz an der Warenterminbörse umgerechnet gut 230 Euro, meldet sueddeutsche.de und teilt damit einen Rückgang von rund 61 Prozent allein gegenüber März 2022 mit. Doch dies ist starken Schwankungen unterworfen und zeichnet ein Bild, dass geprägt ist von den Entwicklungen in den USA. Übertragen kann man dieses laut Kabelitz-Ciré nicht so einfach und nicht eins zu eins auf Deutschland. Derart starke Schwankungen erlebt der Holzmarkt in Deutschland nicht – eher langfristige Wellen.

So gehen die Ursachen für die Schwankungen im Holzpreis unter anderem auch darauf zurück, dass die Menschen aufgrund der hohen Inflation und der darauffolgenden Zinserhöhung weniger Geld in die eigenen vier Wände stecken. Es wird viel weniger renoviert als in den Pandemiezeiten während der Lockdowns und vor allem sinkt das Interesse an Immobilien. So handelt es sich um ganz reale Ursachen und nicht um reine Spekulationen an den Börsen, die den Preis beeinflussen. Das zeigt sich in den USA jedoch bereits deutlicher als hierzulande. Die USA, wo klassischerweise sehr viel mit Holz gebaut wird, hatte die Nachfrage nach Bauholz und den Preisanstieg 2020/2021 stark beeinflusst. Darauf hatten die Weltmarktpreise sofort reagiert – genauso wie jetzt.

Dass sich das aber auch hierzulande abbilden lässt, ist nicht klar. "Unsere Betriebe planen mit einem großen Vorlauf", sagt dazu der Geschäftsführer von Holzbau Deutschland. Was jetzt gerade verbaut werde, wurde schon vor Monaten bestellt. Ganz aktuell sei auch noch nicht zu spüren, dass sich der Markt stark verändert oder dass es einen regelrechten Preisabsturz gibt. Konkrete aktuelle Zahlen, dass die Branche Preisveränderungen erlebt, gibt es zwar nicht. Aber das Stimmungsbild im Holzbau ist keineswegs so, dass auch hierzulande die Nachfrage sinkt und dies zu sinkenden Bauholzpreisen führt, da wieder mehr verfügbar ist.

Deutschland versorgt sich selbst mit Bauholz

Insgesamt erlebt der Holzbau in Deutschland weiter ein robustes Wachstum. So zeigt auch der aktuelle Lagebericht von Holzbau Deutschland ein Plus in der Umsatzentwicklung der Betriebe. Geprägt ist dies aber dennoch von turbulenten Zeiten, in denen sich die Betriebe immer wieder mit neuen Herausforderungen auseinandersetzen müssen. Thema sind dabei auch die Materialpreise und deren Schwankungen. Dennoch konnte die Mehrheit der Betriebe, den Anstieg der Preise 2021 weitergeben. Nur knapp zehn Prozent der Betriebe blieben demnach auf den Mehrkosten
sitzen.

Ob es zu einer umgekehrten Entwicklung kommt und ob die Betriebe sinkende Kosten an ihre Auftraggeber weitergeben können, ist derzeit aber genauso ungewiss wie die Tatsache, ob sich die Weltmarktpreise bzw. das aktuelle Absinken auch hierzulande zeigt. So versorgt sich Deutschland zu einem großen Teil selbst mit Bauholz, aber dennoch sind die Preise an die weltweiten Kurse gebunden. "Es gibt noch viel mehr Aspekte, die den Preis von Holzbauten bestimmen als nur der Materialpreis", gibt Rainer Kabelitz-Ciré zu bedenken.