Das Bauhauptgewerbe wuchs 2025 mit einem Plus von 6,8 Prozent so stark wie lange nicht. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe spricht von einem soliden Jahr, ist verhalten optimistisch und warnt vor großen Sorgenkindern.

Das deutsche Bauhauptgewerbe hat 2025 mit einem Auftragsplus von 6,8 Prozent den stärksten Zuwachs seit Jahren erreicht. Das Auftragsvolumen kletterte auf 113 Milliarden Euro – fast zehn Milliarden Euro mehr als 2024. Erstmals seit 2021 zogen auch die Hochbau-Aufträge wieder deutlicher an.
Laut Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) setzten alle Betriebe der Branche zusammen rund 172 Milliarden Euro um. "Das Bauhauptgewerbe hat ein insgesamt solides Jahr hinter sich", erklärte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. "Während die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nur schleppend verläuft, wuchs das Bauhauptgewerbe real um rund 2,5 Prozent."
Der Verband sieht die Baubranche als einen der Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft. Die drängenden Aufgaben – von Wohnungsbau über Infrastruktur bis zur Energiewende müssten gebaut werden, so Pakleppa. "Unsere Betriebe stehen dafür bereit."
Tiefbau als Wachstumstreiber
Teile des Tiefbaus entwickelten sich zum Wachstumstreiber der Branche. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) lag der Auftragseingang 8,6 Prozent über dem höchsten Wert 2024. Der ZDB sieht die Wachstumsimpulse vorwiegend im Umbau der Energieinfrastruktur, in der Sanierung der Schienenwege, im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und im Breitbandausbau.
Mit der Entwicklung im Straßenbau zeigt sich der Verband allerdings unzufrieden. Wegen der späten Verabschiedung des Bundeshaushaltes und der Umgliederung von Haushaltsmitteln ins Sondervermögen blieben die Aufträge bis ins vierte Quartal deutlich unter dem Vorjahresniveau, so der ZDB.
Hochbau erholt sich nach drei schwachen Jahren
Im Hochbau lagen die Auftragseingänge 2025 gut über dem Vorjahresergebnis. Laut Destatis stiegen sie damit erstmals seit 2021 wieder an. Der Wohnungsbau verzeichnete – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – mit real 10,1 Prozent ein größeres Wachstum als der Nichtwohnungsbau mit 5,8 Prozent (Fabriken, Bürogebäude, Schulen etc.) .
Beim Umsatz fiel die Entwicklung jedoch verhaltener aus. Der ZDB meldet für den gesamten Hochbau nur ein nominales Wachstum von knapp einem Prozent, nach Inflation sogar einen Rückgang um etwa zwei Prozent. Der Wohnungsbau bleibt laut Verband "das Sorgenkind der Branche". Der über drei Jahre andauernde Rückgang der Baugenehmigungen schlug sich erwartungsgemäß in der Umsatzentwicklung nieder. Im Wirtschaftshochbau bremste die schwache Konjunktur in Maschinenbau, Automobilindustrie und chemischer Industrie die Investitionsneigung. Einziger Hoffnungsschimmer sei der Aufbau von Rechenzentren.
Beschäftigung steigt leicht
Trotz der Sorgenkinder zeichnet sich in der Gesamtbilanz ein leicht erfreuliches Bild ab. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. Laut ZDB beschäftigte die gesamte Branche etwa 923.000 Menschen nach 916.300 im Jahr 2024. Die Zahl der Auszubildenden steige erfreulich weiter an, so der Verband. "Die steigende Nachfrage im Tiefbau hat dieses Wachstum möglich gemacht", erklärte Pakleppa.
Prognose: Weiteres Wachstum erwartet
Für 2026 rechnet der ZDB mit einem realen Umsatzwachstum von 2,5 Prozent. Treiber der Entwicklung bleibe der Tiefbau, der nun zusätzliche Impulse aus dem Sondervermögen erhalten soll. Im Wohnungsbau sei der Tiefpunkt der Nachfrage durchschritten. Baugenehmigungen und Aufträge hätten auf niedrigem Niveau wieder Fuß gefasst.
Das reiche aber noch nicht, um auf die benötigten gut 300.000 Wohnungen zu kommen, so Pakleppa. Die Sonderabschreibung solle auf den EH-55-Standard abgesenkt werden, wie es bei der degressiven AfA bereits gelte, und bei der KfW-Förderung verankert werden müsse. Die Bauwirtschaft stehe bereit, den Kapazitätsaufbau fortzusetzen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten, betonte der ZDB-Hauptgeschäftsführer. ewö