Branche -

Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Bauboom: Kies und Sand werden knapp

Was Sand und Kies angeht, ist Deutschland im Prinzip gut versorgt. Unter der Erdoberfläche warten reiche Vorkommen. Dennoch werden diese Baustoffe in einigen Regionen zur Mangelware und der Preis steigt.

Etwa zwanzig bis dreißig Jahre dauert es, bis eine Kiesgrube für die Betreiber uninteressant wird. Dann kann man weder Kies noch Sand in den nötigen Mengen mehr herausholen. Übrig bleiben meist naturnahe Seen oder es werden Badeteiche daraus. Wenn sich in den künstlichen Senken kein Wasser sammelt, entstehen häufig sogenannte Magerstandorte, auf denen Gräser und wilde Kräuter wachsen und sich gerne auch eine Vielfalt an Insekten ansiedeln. Solche Standorte sind selten und deshalb bei vielen Naturschützern beliebt. Voraussetzung natürlich: Die ausgekiesten Grundstücke dürfen brach und ungenutzt liegen bleiben.

Fast immer dann, wenn in Deutschland eine neue Kiesgrube entstehen soll, regt sich allerdings Widerstand unter anderem gegen die anstehende Veränderung der Landschaft. Oft werden Bürgerinitiativen gegründet, die das Anlegen verhindern wollen. Nach Aussagen von Naturschutzverbänden gehen diese Initiativen jedoch meist auf einzelne private Interessen zurück und haben selten mit dem Natur- oder Umweltschutz zu tun.

Kiesgruben: Kein Problem mit dem Naturschutz

Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat deshalb die Erfahrung gemacht, dass die Bedenken derjenigen, die befürchten, dass eine Kiesgrube die Natur oder den Lebensraum für Tiere zerstört, meist beseitigt, wenn man im Detail erläutert, warum hier langfristig sogar neue und häufig sogar bessere Lebensräume geschaffen werden. Denn die meisten Kiesgruben enden letztendlich als Biotope und Brachflächen. Konflikte entstehen im Vorfeld meist dann, wenn sich die genannten privaten Initiativen mit Eigeninteressen bilden  oder wenn Anwohner befürchten, dass sie vom Lärm der vorbeifahrenden Baustofftransporte gestört werden. Denn der Bauboom nimmt immer mehr Platz in Anspruch und so sind freie Flächen hart umkämpft.

Doch die starke Nachfrage der Bauwirtschaft wird nicht nur an den Flächen deutlich, sondern auch beim Material. So nimmt die Anzahl der Kiesgruben in Deutschland eigentlich seit Jahren ab, doch  hat sich diese Tendenz im vergangenen Jahr etwas abgeschwächt. Zudem nahm die Menge an abgebautem Kies und Sand zu. So wurden in Deutschland seit dem Jahr 2012 aufgrund von steigenden privaten Bauinvestitionen rund fünf Prozent mehr Bausand abgebaut. Etwa 100 Millionen Tonnen Bausand werden in Deutschland derzeit im Jahr gewonnen. Die BGR hat eine Studie zur Versorgung mit Baurohstoffen erstellt und nimmt darin speziell den Sand in den Blick. Die Verfügbarkeit von Bausand wird demnach immer knapper. Die Studie kann hier nachgelesen werden.>>>

Dass die Kiesgruben-Betreiberfirmen derzeit stark unter Druck stehen und den steigenden Bedarf immer schwerer bedienen können, hat Harald Elsner zufolge verschiedene Gründe. "Kiesgrubenbetreiber sind meist mittelständische Familienbetriebe und diesen fällt es immer schwieriger sowohl gutes Personal zu finden als auch die Nachfolge zu sichern", erklärt er. Zudem sei die Zeit, in der eine Kiesgrube aktiv bearbeitet werde, so lange, dass die Flächen, unter denen sich die beliebten Baustoffe befinden, nicht verpachtet, sondern verkauft würden. "Da die Zinsen derzeit so niedrig sind und der Besitz von Grund und Boden dagegen eine große Wertsteigerung verspricht, will im Moment kaum jemand Flächen verkaufen", sagt der Geowissenschaftler und weist zudem darauf hin, dass die Vorkommen in Deutschland auch nicht gleichmäßig verteilt sind.

Kies und Sand: Importe werden nötig

"Man muss auch wissen, dass an die meisten Vorkommen, die wir hier in Deutschland haben, kein Herankommen ist", sagt Elsner und meint damit, dass die Vorkommen unter Städten oder Straßen liegen oder mitten in einem Natur- oder Wasserschutzgebiet. Als Beispiel nennt er Baden-Württemberg, wo dies auf wohl mehr als 85 Prozent aller Kies- und Sandvorkommen zutreffe.

Angesichts der steigenden Nachfrage der Bauwirtschaft wird dies nun zunehmend zur Herausforderung. Der Bauboom will versorgt werden und braucht Kies und Sand. Vor allem für Sand gibt es keine Alternative. Statt Kies kann dagegen auch Schotter oder Splitt – also gebrochener Naturstein – eingesetzt werden.

"In Deutschland haben wir eigentlich Kies und Sand in solchen Mengen, dass wir für Jahrhunderte damit in großem Ausmaß bauen könnten, aber wir kommen nicht dran", sagt der Experte. Dies hätte im Ruhrgebiet schon im Jahr 2017 dazu geführt, dass Importe aus dem Ausland nötig waren und führt im Jahr 2018 auch zu einer ähnlichen Lage im Raum Karlsruhe-Mannheim. Das hat auch Folgen für die Preise. Sand und Kies hätten sich 2018 um rund fünf Prozent verteuert. Zudem kommt es derzeit auch zu Verzögerungen am Bau und die Bundesingenieurkammer warnt bereits, dass es mancherorts zum Stillstand auf Baustellen kommen könne. "In Berlin etwa warten sie 14 Tage lang auf bestimmte feine Betonmischungen."

Grundsätzlich sind Importe keine Alternative, die weiträumig eingesetzt werden kann. Denn die tonnenschwere Last des Sandes macht Transporte per Lkw teuer. Etwa ab einer Entfernung von über 50 Kilometern ist das unwirtschaftlich.

mit Material von dpa

Folgen Sie der Autorin auf Twitter

Folgen Sie Jana Tashina Wörrle auf Twitter @JanaTashina

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten