Rekord mit Haken Bau-Aufschwung geht am Mittelstand vorbei

Das Statistische Bundesamt meldet den höchsten saisonbereinigten Auftragsanstieg im Bauhauptgewerbe seit 1991 – ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vormonat. Doch der ZDB warnt: Wenige Großaufträge im Tiefbau, darunter ein einzelner Bundeswehr-Auftrag für Unterkunftsgebäude, verzerren das Bild.

Milliarden aus dem Sondervermögen fließen in die Bauwirtschaft – doch die Aufträge werden in so großen Losen vergeben, dass nur wenige große Unternehmen mitbieten können. - © Medienzunft Berlin - stock.adobe.com

Die deutsche Bauwirtschaft hat im August einen Rekordanstieg im Neugeschäft verbucht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im August 2026 gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 23,0 Prozent gestiegen. "Bedingt durch mehrere Großaufträge war dies der höchste saisonbereinigte Anstieg zum Vormonat im Bauhauptgewerbe seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991", hieß es. Dabei profitierte der Tiefbau mit einem Plus von 31,6 Prozent stärker als der Hochbau mit 12,4 Prozent. Im Jahresvergleich legte der gesamte Auftragseingang um 17,3 Prozent zu.

ZDB: Wenige Großaufträge im Tiefbau bestimmen die Zahlen

Für den Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) beschreiben dieses Zahlen allerdings nicht die Lage vieler mittelständischer Bauunternehmen. "Mit einem richtigen Aufschwung in der Breite, der die mittelständische Bauwirtschaft mitnimmt, haben wir es leider nicht zu tun", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Der kräftige Anstieg beim Auftragseingang gehe vor allem auf den Tiefbau mit wenigen Großaufträgen in einzelnen Bundesländern – insbesondere in Bayern – zurück.

Unterkünfte für Bundeswehr bestimmen die Statistik

Besondere deutlich zeigt sich dies nach den Worten Pakleppas im Wohnungsbau. Dort habe das Plus beim Auftragseingang bei knapp 28 Prozent gelegen, in Bayern sogar bei rund 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. "Dahinter steckt im Wesentlichen ein einzelner Großauftrag der Bundeswehr für Unterkunftsgebäude. Ohne ihn wären es nominal nur 1,6 Prozent gewesen", betonte er. Angesichts der Rahmenverträge für rund 300 Unterkunfts- und Funktionsgebäude werde es immer wieder solche Ausschläge bei den Wohnungsbauaufträgen geben, ohne dass sich an der Wohnungskrise im Land etwas ändere.

Baugewerbe kritisiert Vergabe in großen Losen

Pakleppa kritisiert in diesem Zusammenhang vor allem die Vergabepolitik: "Zunehmend zum Problem wird, dass Mittel aus dem Sondervermögen in so großen Losen vergeben werden, dass nur noch wenige große Unternehmen mitbieten können", sagte er. Gleichzeitig habe der Mittelstand noch Kapazitäten. Im Hochbau seien die Geräte im Schnitt nur zu 45 Prozent ausgelastet.

Infrastrukturprojekte beflügeln Wirtschaftsbau

Wie der ZDB weiter mitteilte, verzeichnete die Branche im Wirtschaftsbau das größte Umsatzplus von nominal 16,5 Prozent, angetrieben vor allem von Infrastrukturprojekten für den Tiefbau. Der öffentliche Bau habe seinen Umsatz nominal um 6,7 Prozent erhöht. Kaum vom Fleck komme der Wohnungsbau: Hier sei der Umsatz nominal nur um 1,6 Prozent gewachsen.

Mehr Beschäftigte im Bauhauptgewerbe

Wie das Statistische Bundesamt außerdem mitteilte, ist die Zahl der im Bauhauptgewerbe tätigen Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,5 Prozent auf 548.000 Personen gestiegen, wobei sich die Angaben auf Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen beziehen.