Die Deutsche Bahn erhöht die Preise Bahn-Pendler müssen wieder tiefer in die Tasche greifen

Immer mehr Pendler lassen das Auto stehen und nehmen den Zug. Das hat der Deutschen Bahn steigende Umsatz- und Gewinnzahlen beschert. Die Preise erhöht die DB AG zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember trotzdem. Auch die BahnCard-Preise werden steigen. Lediglich die Sparangebote, die für Pendler nicht in Frage kommen, will die Bahn nicht erhöhen.

Die Deutsche Bahn erhöht die Preise im Personenverkehr zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember um durchschnittlich 2,8 Prozent. - © Frank Augstein/AP/dapd

Die am Dienstag angekündigte Fahrpreiserhöhung bei der Bahn stößt bei Verkehrsverbänden und Oppositionspolitikern auf Unverständnis und Kritik. Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, nannte die Preiserhöhung um 2,8 Prozent unter Hinweis auf den Gewinn des Unternehmens von mehr als zwei Milliarden Euro im vergangenen Jahr "völlig überzogen". Der "Tagesspiegel" zitierte Riexinger mit den Worten: "So greift der Staat den Pendlern von hinten in die Tasche."

Auch der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), geizte nicht mit Kritik: "Ich halte die Preiserhöhungen nicht für gerechtfertigt", sagte er derselben Zeitung. Der Anstieg liege deutlich über der Inflationsrate und auch über den durchschnittlichen Kostensteigerungen.

"Letztlich kann man dies nur mit einem echten Mehrwert begründen, den kann ich aber nicht erkennen", sagte Hofreiter. Die Bahn habe immer noch erhebliche Qualitätsprobleme, etwa bei der Pünktlichkeit.

"Ungelöste Qualitätsprobleme"

Auf nach wie vor ungelöste "Qualitätsprobleme insbesondere im Personenfernverkehr" verwies auch Sören Bartol (SPD), Sprecher der Fraktions-Arbeitsgruppe Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. "Zwar hat sich seit dem Schneechaos und der Hitzeschlacht in den ICEs einiges verbessert, aber Servicedefizite sind nach wie vor vorhanden", sagte Bartol am Dienstagabend. Es bestehe "schon der berechtigte Verdacht, dass die DB AG ihre Marktstellung missbraucht, um jedes Jahr ungerechtfertigte Preiserhöhungen durchzusetzen".

Das kritisierte Unternehmen dürfte dies weitgehend kalt lassen. Die Bahn begründete die ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember geltende Preiserhöhung in erster Linie mit gestiegenen Energiekosten.

Diese müsse sie nun, zumindest zum Teil, an die Kunden weitergeben. "Wir erhöhen die Fahrpreise moderater als die anderen europäischen Bahnen und bleiben auch unter den Preissteigerungen der großen deutschen Nahverkehrsverbünde", erklärte der für Personenverkehr zuständige Bahnvorstand Ulrich Homburg. Für die Bahnreisenden werden die Tickets deshalb teurer.

Einzelfahrkarten werden meist überdurchschnittlich teurer, dafür steigen die BahnCard-Preise moderater, nämlich um 2,4 Prozent, wie das Staatsunternehmen am Dienstag mitteilte.

Der Maximalpreis im deutschen Fernverkehr für die einfache Fahrt 2. Klasse steigt demnach von 135 auf 139 Euro (+3,00 Prozent). Eine Fahrt im ICE von Frankfurt/Main nach Mannheim kostet somit künftig beispielsweise 28 statt 27 Euro (+3,7 Prozent), die Reise von Stuttgart nach München 55 statt 54 Euro (+1,9 Prozent). Die Preise im Fern- und Regionalverkehr werden gleichermaßen um durchschnittlich 2,8 Prozent angehoben.

Nur Sparangebote werden nicht teurer

Stabil bleiben sollen lediglich die Sparangebote mit 29 Euro innerhalb Deutschlands und 39 Euro für das Europa Spezial sowie die Kosten für die Platzreservierung. Die Bahn wies darauf hin, dass lediglich zehn Prozent der Bahnkunden den Normalpreis bezahlten, aber 33 Prozent ihre Tickets mit der BahnCard günstiger kauften.

In den Augen des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" kommt dies einer "Verhöhnung der Kunden" gleich, "da man mittels Ticketverknappung hier den durchschnittlichen Preis immer wieder erhöht" habe, hieß es am Dienstag auf der Internetseite des Verbandes.

Auch der Verkehrsclub VCD und die Linkspartei äußerten angesichts steigender Umsatz- und Gewinnzahlen der Bahn Unverständnis für die Fahrpreiserhöhung. Die Bahn verzeichnete 2012 bisher ein Fahrgastplus von gut fünf Prozent im Fernverkehr. 2011 hatte das Staatsunternehmen die Preise um 3,9 Prozent erhöht. dapd