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Ausbildungsförderung Bafög und Co.: Welche Zuschüsse es für Azubis gibt

Im vergangenen Jahr ist neben dem Meister-BAföG auch der BAföG-Satz für Schüler und Studenten gestiegen. Die Reform verfehlt allerdings ein Ziel: Statt zu steigen, nimmt die Zahl der BAföG-Empfänger ab. Zwar können auch Azubis BAföG beantragen, doch für sie gibt es noch weitere finanzielle Hilfen. Ein Überblick.

Die BAföG-Reform im vergangenen Jahr hatte das Ziel, mehr Studenten und Azubis finanziell zu unterstützen. Nun zeigt sich jedoch, dass die Anzahl der Bezieher sinkt. Das hat das Statistische Bundesamt nun bekannt gegeben. So lag die Zahl der Bafög-Empfänger 2016 in Deutschland bei 823.000. Das sind 5,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zudem erhielt nur knapp die Hälfte der Geförderten (48 Prozent) den maximalen Förderbetrag. Im Schnitt erhielten BAföG-beziehenden Schüler monatlich 435 Euro und die geförderte Studierende 464 Euro.

Azubis zählen in der Statistik zu den Schülern, doch für sie gibt es neben dem BAföG noch eine Reihe anderer finanzieller Hilfen.

Wie hoch ist der BAföG-Höchstsatz?

Studenten und Schüler, die Anspruch auf Zahlungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz – kurz BAföG – haben, bekommen seit dem 1. August 2016 mehr Geld. Die Bundesregierung hat die Fördersätze um sieben Prozent angehoben und so liegt der Höchstsatz seit dem vergangenen Wintersemester bei 738 Euro im Monat statt bei 670 Euro wie zuvor.

Da die Mieten, vor allem in den Großstädten, stark steigen, wurde der Anteil für die Wohnkosten auf 250 Euro erhöht. Zudem weitet das Bundesbildungsministerium (BMBF) nach eigenen Angaben den Kreis derjenigen aus, die förderfähig sind. Denn sie vergrößerte mit dem Reformpaket des 25. BAföG-Änderungsgesetzes die Einkommensfreibeträge. So ist die Zahl der Geförderten in diesem Jahr auf den höchsten Wert seit mehr als 30 Jahren anwachsen. Laut BMBF auf 110.000 Personen.

Was darf man als BAföG-Empfänger dazuverdienen?

Diejenigen, die BAföG erhalten, können nun dauerhaft einen Minijob mit einem Einkommen bis zu 450 Euro ausüben, ohne dass dies zu einer Kürzung der Förderung führt. Zudem ist der Freibetrag beim Vermögen der Studenten und Schüler gestiegen. Er liegt nun bei 7.500 Euro statt wie bisher bei 5.200 Euro.

Damit BAföG-Empfänger mit Kindern Ausbildung und Familie besser miteinander vereinbaren können und eine zusätzliche Betreuung zu Randzeiten sehr früh oder spät am Tag finanzieren können, bekommen sie nun einen Zuschuss von 130 Euro pro Kind. Bisher war dieser Zuschuss gestaffelt und für das erste Kind gab es mehr Geld als für weitere Kinder. Der Satz bleibt nun bei 130 Euro für jedes Kind.

Das Reformpaket sieht allerdings nicht, wie ursprünglich einmal geplant, vor, dass auch Studenten, die in Teilzeit studieren, ein Recht auf BAföG bekommen.

Wann bekommen Azubis BAföG?

Von der BAföG-Erhöhung profitieren aber dennoch nicht nur reguläre Vollzeit-Studenten. Auch Auszubildende haben unter bestimmten Voraussetzungen  einen BAföG-Anspruch. Gefördert wird der Besuch von Berufsfachschulen, Fachschul-, Fachoberschul- und Berufsfachschulklassen und Berufsaufbauschulen. Wer eine schulische Ausbildung absolviert, kann dann einen Antrag auf die BAföG-Förderung stellen, wenn er bei Beginn der Ausbildung jünger als 30  Jahre ist.

Die Höhe der monatlichen BAföG-Zahlungen hängt vor allem vom anrechenbaren Einkommen der Eltern ab. Liegt dieses Einkommen unterhalb bestimmter Freigrenzen, wird der BAföG-Höchstsatz gezahlt, ansonsten wird das Einkommen darauf angerechnet.

Wer bekommt Ausbildungsbeihilfe?

Azubis, die eine betriebliche und überbetriebliche Ausbildung im sogenannten dualen System absolvieren, können statt BAföG eine staatliche Beihilfe beantragen: die sogenannte Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Voraussetzung für die Förderung ist, dass der Auszubildende nicht mehr bei den Eltern wohnt, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit vom Elternhaus entfernt ist. Es wird von der Bundeagentur für Arbeit (BA) gezahlt.

Die BAB wird über die gesamte Dauer der Ausbildung gezahlt. Der Antrag sollten bestenfalls vor Beginn der Lehre gestellt werden. Bei einer Bewilligung des Antrags wird das Geld nur rückwirkend bis zum Monat der Antragstellung gezahlt. Die Höhe der Förderung richtet sich laut Arbeitsagentur "nach der Art der Unterbringung" - ob eigene Wohnung, Wohnheim oder bei einem Familienmitglied. Dabei wer den das Einkommen des Auszubildenden ebenso wie das Jahreseinkommen der Eltern und eines möglichen Ehegatten oder Lebenspartners angerechnet.

Wollen angehende Azubis Ausbildungsbeihilfe beantragen, machen sie dies am besten bereits vor Beginn der Ausbildung. Denn beantragen sie die sogenannte BAB erst nach dem Start, wird sie maximal rückwirkend vom Beginn des Monats der Antragstellung gezahlt, wie die Bundesagentur für Arbeit erläutert. BAB müssen Jugendliche bei der Arbeitsagentur vor Ort beantragen.

Wie viel dabei am Ende monatlich herauskommen kann, kann man individuell über den BAB-Rechner der Bundesagentur für Arbeit berechnen. Er ist unter babrechner.arbeitsagentur.de zu finden.

>> Weitere Informationen zur Berufsbildungsbeihilfe. <<

Alternative Bildungskredit?

Neben den Förderungen, die nur teilweise als Darlehen vergeben werden, können Azubis auch einen Bildungskredit beantragen. Ein zinsgünstiger Bildungskredit (0,87 Prozent effektiver Jahreszins) wird von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der KfW, vergeben und kann auch hier beantragt werden.

Einen Antrag auf Bildungskredit kann nur stellen, wer bereits volljährig ist. Deshalb wird er meist für die Finanzierung von ausbildungs- oder studienbedingten Praktika im In- und Ausland oder eine Zweit- oder Folgeausbildung genutzt. Das Kreditvolumen liegt bei maximal 7.200 Euro und wird in monatlichen Raten von 100 bis 300 Euro ausgezahlt. Auf Wunsch ist auch eine Ein­mal­zah­lung von bis zu 3.600 Eu­ro für aus­bil­dungs­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen wie etwa teure Arbeitsmaterialien möglich.

Der Bildungskredit kann mit anderen Förderungen wie dem BAföG kombiniert werden.

Informationen zum Bildungskredit gibt das Bundesverwaltungsamt.>>>

Weitere finanzielle Hilfen

Wenn die monatliche Ausbildungsvergütung sehr knapp ist, haben Azubis verschiedene Möglichkeiten ihre Kasse aufzubessern:

  • Kindergeld: Auszubildende, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, steht Kindergeld zu. Das sind in der Regel 192 Euro pro Monat – ab dem dritten Kind steigt es auf 198 Euro, dann auf 223 Euro. Wohnen Auszubildende nicht mehr zu Hause, und die Eltern geben es nicht an den Nachwuchs weiter, können sie es sich direkt auszahlen lassen. Dafür müssen sie bei der Familienkasse der Arbeitsagentur einen Antrag stellen.
  • Stipendium: Bei Stipendien denken viele erst einmal an Studenten mit herausragenden Leistungen. Doch es gibt auch Förderungen für Auszubildende, wie beispielsweise das "Querdenker-Stipendium" für junge Leute, die besondere Wege einschlagen. Die meisten Stipendien gelten für bestimmte Personengruppen, es lohnt sich also zu schauen, ob für einen selbst etwas dabei ist. Einen Überblick bietet die Datenbank stipendienlotse.de oder mystipendium.de.
  • Nebenjob: Um etwas mehr Geld in der Tasche zu haben, scheint ein naheliegender Schritt, einen Nebenjob anzunehmen. Einige Betriebe bieten Azubis an, am Wochenende für sie etwa auf der Baustelle im Einsatz zu sein – gegen ein Entgelt. Doch Vorsicht: Hierbei sind enge Grenzen zu beachten. Wer unter 18 ist, darf laut Jugendschutzgesetz an maximal fünf Tagen in der Woche arbeiten. Der Samstag ist für sie deshalb für einen Nebenjob tabu.
    Wer über 18 Jahre ist, kann das machen. Ist der Nebenjob nicht beim Ausbildungsbetrieb, sollten Lehrlinge aber auf jeden Fall Bescheid geben, um keinen Ärger zu riskieren. Verboten ist es, dem Arbeitgeber im Nebenjob Konkurrenz zu machen. Das gilt zum Beispiel, wenn jemand Maurer lernt – und am Wochenende in der Nachbarschaft gegen Geld diese Dienstleistung übernimmt.  

Weiterbildung: Wer bekommt Meister-BAföG?

Prädestiniert für eine Folgeausbildung bzw. Weiterbildung im Handwerk ist der Besuch einer Meisterschule. Speziell dafür gibt es auch eine eigene finanzielle Förderung: das Meister-BAföG . Das Meister-Bafög ist eine finanzielle Unterstützung, die der Staat während der Weiterbildung monatlich zahlt. Auch beim Meister-BAföG gab es aktuell Änderungen. Ausführliche Informationen zum Meister-BAföG lesen Sie im Beitrag "Meister-Bafög wird erhöht: Wichtige Fragen und Antworten" . jtw

Mehr zum Thema BAföG, den Förderbedingungen und Antragsmöglichkeiten finden Sie unter bafoeg.bmbf.de.

Über die BAB informiert die Bundesagentur für Arbeit unter arbeitsagentur.de. Den BAB-Rechner gibt es hier.

Der Beitrag wurde zuletzt am 7. August 2017 aktualisiert.

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