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Berufskrankheit Allergie Bäckerasthma und Maurerkrätze: Was tun?

Wenn die Haut juckt und brennt, wenn das Atmen schwer fällt und die Nase scheinbar grundlos läuft – dann könnte eine Allergie dahinterstecken. Mehr als 15 Prozent der Deutschen sind nach Angaben des deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) von den Anzeichen einer so genannten Kontaktallergie betroffen und es werden immer mehr.

In der Statistik der berufsbedingten Erkrankungen liegen Allergien an vorderster Stelle, auch bei Berufsanfängern wirken sie sich aus. Jedes Jahr müssen bis zu 30.000 Azubis ihre Lehrstelle aufgrund einer Allergie aufgeben, meldet die Krankenkasse DAK. Bei etwa einem Drittel der Jugendlichen, die ihre Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, sind Probleme der Haut und der Atemwege die Ursache, bestätigt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Auf der Liste der am stärksten von Allergie betroffenen Branchen stehen Handwerksberufe sehr weit oben. Bäcker, Tischler, Friseure, die Baubranche und einige mehr sind besonders gefährdet, an einer Allergie zu erkranken.

Viele Handwerker sind betroffen

Allergien können von fast jedem Stoff ausgelöst werden und sich in den verschiedensten Formen zeigen. Bekannt sind vor allem Überempfindlichkeitsreaktionen gegen bestimmte Lebensmittel und natürlich Pollenallergien – der "klassische" Heuschnupfen. Neben Atemwegserkrankungen spielen bei den berufsbedingten Allergien vor allem so genannte allergische Kontaktekzeme eine Rolle.

Wie der Name schon sagt, treten sie an Hautstellen auf, die in Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff kommen – meistens sind das die Hände. Hier zeigt sich in der Regel nach einiger Zeit, manchmal sogar erst Tage später, eine Rötung, Schwellung oder sogar eine Bläschenbildung. Die Haut juckt und bildet oft kleine Pusteln.

Unter den Allergien im Handwerksbereich ist wohl die Mehlstauballergie der Bäcker und Konditoren am ehesten bekannt. Ausgelöst durch Bestandteile des Mehlstaubs oder anderer Backhilfestoffe leiden die Betroffenen meistens an Asthma und Bindehautentzündungen. Im Friseurhandwerk, bei den Gebäudereinigern sowie in allen Berufen, die in direkten Kontakt mit chemischen Färbe-, Pflege- oder Reinigungsmitteln kommen, sind dagegen die allergischen Hautekzeme stark verbreitet.

Maurerkrätze kaum bekannt

Von diesen allergischen Hautproblemen ist jedoch auch eine Berufsgruppe betroffen, die man vielleicht nicht auf Anhieb mit allergieauslösenden Stoffen verbindet. Auch Beschäftigte des Baugewerbes haben oft mit Kontaktekzemen zu tun. Hauptauslöser der so genannten M aurerkrätze ist der Zement. Zement bindet Feuchtigkeit, hat einen hohen pH-Wert und wirkt durch seine körnige Struktur wie Schmirgelpapier.

Dies begünstigt bei Hautkontakt entzündliche Reaktionen, im Extremfall kann die Haut regelrecht verätzt und zerstört werden. Verantwortlich sei hier das Kontaktallergen sechswertiges Chrom (Chrom VI) beziehungsweise Dichromat. Aber auch Stoffe wie Rohzeder können, beispielsweise bei Tischlern und holzverarbeitenden Tätigkeiten, zu allergischen Reaktionen führen.

Da Allergien zu den Erkrankungen gehören, deren auslösende Stoffe mithilfe verschiedener Tests in den meisten Fällen eindeutig charakterisiert werden können, ist eine gezielte Behandlung möglich. Ärzte und medizinische Ratgeber weisen darauf hin, dass die effektivste Methode, um die Symptome einer Allergie zu bekämpfen, darin besteht, den verursachenden Stoff zu meiden.

Dieser Ratschlag ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer sofortigen und endgültigen Berufsaufgabe. Die Symptombekämpfung kann unterschiedlich vonstatten gehen und ist abhängig davon, wie ausgeprägt die Allergie ist. Eventuell kann der Mitarbeiter im Betrieb an einer anderen Stelle eingesetzt werden, so dass er keinen Kontakt mehr mit dem allergieauslösenden Stoff hat. Manchmal reicht es auch, Schutzhandschuhe zu tragen oder auf eine spezielle Reinigung zu achten.

Allergieprävention ist wichtig

Hautausschlag
© Foto: Jürgen Fälchle/Fotolia

Im Einzelfall kann es auch hilfreich sein, die Arbeitsmaterialien auszutauschen, die zu den Symptomen führen. Ersetzt man den "normalen" Zement beispielsweise durch Zement mit einem Zusatz von Eisensulfat, so wird das gesundheitsschädliche, sechswertige Chrom zu dreiwertigem Chrom reduziert. So kann dreiwertiges Chrom (Chrom III) weniger gut in die Haut eindringen und wirkt entsprechend weniger allergisierend. Und auch gegen die Mehlstauballergie beziehungsweise gegen das so genannte "Bäckerasthma" gibt es bereits Lösungen. Mit dem Verfahren der Mehlbenetzung sowie mit staubarmem Trennmehl wird versucht, zu verhindern, dass der Mehlstaub überhaupt eingeatmet wird und so Allergien auslöst.

Damit es erst gar nicht zu einer allergischen Reaktion kommen kann, sollten auch Mitarbeiter, die bislang keine Anzeichen einer Unverträglichkeit gegen bekannte Allergieauslöser gezeigt haben, von solchen Stoffen Abstand nehmen beziehungsweise diese nur geschützt verwenden. "Es gibt Gefahrstoffe, die als sensibilisierend eingestuft sind", berichtet Jörg Feldmann, Sprecher der BAuA. Zu diesen Stoffen sollte ein andauernder Hautkontakt vermieden werden, da ansonsten die Gefahr steige, eine Allergie zu entwickeln, erklärt Feldmann. Zwar heilt ein einmal aufgetretenes Ekzem in der Regel vollständig wieder ab, bei ständigem Kontakt mit dem Allergen könne sich jedoch ein chronisches Hautekzem mit entzündlichen Hautverdickungen entwickeln.

Richtig schützen und pflegen

Zusätzlich sollte jedoch auch auf ganz bestimmte Schutzmaßnahmen geachtet werden. "Ganz besonders wichtig ist eine gute Arbeitshygiene", sagt Jörg Feldmann. "Ist die natürliche Schutzmantel in Ordnung, nimmt die Haut weniger von den verwendeten Stoffen auf. Feuchtigkeit oder Lösemittel greifen diesen Schutz an." Händewaschen ist jedoch wichtig, um den Kontakt mit problematischen Stoffen so gering wie möglich zu halten. Anschließend sollte die Haut gut eingecremt werden, da zu trockene und rissige Haut anfälliger für kleine Ekzeme ist. Um mögliche allergische Hautreaktionen zu vermeiden, rät der Fachmann deshalb, dass die Arbeitgeber für entsprechende Pflege- und Schutzprodukte sorgen sollten.

"Auch wenn es erst einmal komisch ist, ständig Handschuhe zu tragen, kann diese Maßnahme helfen, die Haut vor sensibilisierenden Stoffen zu schützen", sagt der BAuA-Sprecher und weist gleichzeitig darauf hin, dass jedoch auch die Schutzhandschuhe selbst zu allergischen Reaktionen führen können. Meist ist hier Latex als Grundstoff Auslöser der Unverträglichkeit. Da diese Reaktion auch den Herstellern von Schutzbekleidung bekannt ist, gibt es bereits latexfreie Handschuhe für Allergiker, die im Falle des Falles eingesetzt werden können.

Nicht nur für die Mitarbeiter selbst, sondern auch für die Arbeitgeber sollte die Regel, um berufsbedingte Allergien zu vermeiden, lauten: Mögliche Allergieauslöser kennen, Krankheitsfälle – und sind sie noch so klein – beobachten und eventuell die verwendeten Stoffe, die die Allergien auslösen, austauschen. "Die verwendeten Arbeitsmaterialien besitzen, falls sie als Gefahrstoffe eingestuft sind, einen Vermerk auf eine mögliche Sensibilisierung. Darauf sollte der Arbeitgeber in jedem Fall achten", rät Jörg Feldmann.

Allergie ist nicht immer das Aus für den Traumberuf

Um über die Gefahrstoffe und ihre eventuell gesundheitsschädigenden Folgen zu informieren, hat die BAuA spezielle technische Regeln verfasst, die Arbeitgebern bei der Gefährdungsbeurteilung helfen und mögliche Schutzmaßnahmen erläutern. Es gibt beispielsweise die " TRGS 401" zu den Gefährdungen durch Hautkontakt sowie die "TRBA/TRGS 406" über sensibilisierende Stoffe für die Atemwege und einige mehr.

In der technischen Regel "TRGS 401" heißt es ganz klar: "Gemäß der Gefahrstoffverordnung hat der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung die Pflicht, Art, Ausmaß und Dauer der dermalen Gefährdung zu ermitteln und zu beurteilen sowie die erforderlichen Schutzmaßnahmen zur Verhinderung oder Minimierung der Gefährdung durch Hautkontakt festzulegen."

Der erste Schritt sollte jedoch immer das Gespräch mit den Mitarbeitern über mögliche Allergien und allergieauslösende Stoffe sein. Vor allem Berufsanfänger sollten aufgeklärt werden, welche Stoffe im Betrieb vorhanden sind und welche Schutzmaßnahmen getroffen werden können. Sie sollten jedoch auch über eventuell vorhandene Allergien und bekannte Allergiker in der Familie befragt werden.

Auch wenn die Diagnose "Allergie" feststeht – mit den richtigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen muss dies nicht das Aus für den Traumberuf bedeuten!

Eine ausführliche Broschüre zum Thema der BAuA mit dem Titel "Damit der Traumberuf kein Alptraum wird" bekommen Sie unter baua.de.

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Tenglert

Einfache Hilfsmittel gegen Allergien...

Berufsbedingte Allergien sind mit Sicherheit sehr häufig. Meine Partnerin und ich leiden beide an Allergien. Bei Ihr kommt bzw. kam noch Neurodermitis hinzu. Seit sie die Pille abgesetzt hat, sind bei ihr wie durch ein Wunder, auch diverse Nahrungsmittelallergien sowie Ihre Neurodermitis verschwunden. Da ich keine Pille nehme und trotzdem betroffen bin, kann ich gegen den Juckreiz Arganöl und gegen die Atemnot Nasivent Röhrchen (eigentlich ein Anti Schnarch Mittel) empfehlen. Damit kann man selbst als Allergiker ganz gut durch die "Saison" kommen..