Rohstoffpreise Bäcker geraten unter Kostendruck

Die globale Rohstoffknappheit und die Warenterminbörsen bestimmen zunehmend auch das Preisgefüge bei den deutschen Handwerksbäckern. Angesichts nur mittelmäßiger Getreideernten und der Dürre in den USA geraten sie unter Kostendruck. Zwar verspricht Verbraucherministerin Aigner stabile Brotpreise, doch der Bäckerverband sieht die Lage kritischer.

Jana Tashina Wörrle

Ob die Brotpreise steigen oder fallen hängt bei den deutschen Handwerksbäckereien heute auch von den globalen Entwicklungen ab. - © Francis Lempérière/Fotolia

Nach den Berechnungen von Ilse Aigner macht der Getreidepreis nur rund vier Prozent des Brotpreises aus. Daher hätten auch Ereignisse wie die Dürre in den USA – einer der wichtigsten weltweiten Getreideproduzenten – und Voraussagen der deutschen Landwirte zu einer eher mittelmäßigen Getreiderente durch den vielen Regen kaum Auswirkungen auf die heimischen Preise.

66 Prozent des Brotpreises entfallen ihrer Ansicht nach auf Kosten für Weiterverarbeitung, Energie, Handel und Steuern. Lohnkosten schlügen mit rund 30 Prozent zu Buche, sagte die Bundesverbraucherministerin in der vergangenen Woche der "Mittelbayerischen Zeitung". Doch nach Ansicht von Heinrich Traublinger, dem Vizepräsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, geht diese Rechnung nicht auf.

Weizenpreis steigt drastisch innerhalb nur eines Monats

"Jeder Betrieb hat seine individuelle Kostenstruktur, so dass Pauschalaussagen völlig unangebracht sind", sagte er im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung. Die Rohstoffpreise seien ein wesentlicher Kostenfaktor, der nicht unterschätzt werden dürfe. Allein seit etwa Mitte Juni sei der Weizenpreis um über 60 Euro je Tonne, gestiegen – das ist fast ein Drittel mehr als zuvor.

Zusätzlich weist Traublinger darauf hin, dass auch die Handwerksbäckereien in Deutschland heute wesentlich durch die weltweiten Entwicklungen beeinflusst werden. "Es wäre vermessen zu glauben, dass man sich davon loskoppeln kann", sagt der Vizepräsident, der selbst Bäckermeister ist. Der  Preis zu dem die Müller ihren Weizen kaufen, orientiere sich maßgeblich an dem Preis, der an den Warenterminbörsen gezahlt wird.

Wie teuer Brot und Brötchen verkauft werden, bestimmt aber am Ende jeder Bäcker für sich. Doch der Preisdruck nimmt zu. "Jede noch so kleine Kostensteigerung schlägt voll auf das wirtschaftliche Ergebnis der Betriebe durch", sagt Traublinger. Viele Betriebe würden sich schon seit langer Zeit am Kostendeckungslimit bewegen. Und auch die Bundesregierung gibt zu, etwas beunruhigt zu sein. Die internationalen Prognosen zeigen derzeit an, dass weltweit die Nachfrage nach Getreide deutlich stärker steigt als die Erträge. (mit dapd)

Das Interview mit Heinrich Traublinger lesen Sie hier in voller Länge.