Interview mit Heinrich Traublinger "Viele Betriebe bewegen sich am Kostendeckungslimit"

Allein seit etwa Mitte Juni ist der Weizenpreis um über 60 Euro je Tonne gestiegen – das ist fast ein Drittel mehr als zuvor. "Die Auswirkungen von Rohstoffkostenerhöhungen dürfen nicht unterschätzt werden", warnt deshalb Heinrich Taublinger, der Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks.

Jana Tashina Wörrle

Heinrich Taublinger ist Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. - © Baier

DHZ : Nur eine mittelmäßige Getreideernte in Deutschland und Dürre in den USA. Können da die Preise für Brot und Brötchen wirklich auf dem Preisstand von heute bleiben?

Heinrich Traublinger: Jede handwerkliche Bäckerei ist bestrebt, ihren Kunden qualitativ hochwertige Backwaren zu angemessenen Preisen zu bieten. Dies geht dauerhaft nur, wenn die Betriebe kostendeckend arbeiten – nur dann haben sie auf Dauer eine Perspektive für die Zukunft. Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn die Handwerksbäckereien ihre Kalkulation an die Kostenentwicklung anpassen. Ob, wann und in welchem Umfang dies geschieht, muss jeder Betrieb für sich bestimmen.

DHZ: Welche Auswirkung haben dabei die internationalen Entwicklungen?

Traublinger: Natürlich spielen die Gegebenheiten des jeweiligen lokalen Marktumfeldes eine wichtige Rolle für diese Entscheidung. Die Auswirkungen von Rohstoffkostenerhöhungen dürfen nicht unterschätzt werden – allein seit etwa Mitte Juni ist der Weizenpreis um über 60 Euro je Tonne gestiegen – das ist fast ein Drittel mehr als zuvor. Unsere Betriebe haben intern keine Möglichkeiten, diese Kostensteigerung auszugleichen. Viele Betriebe bewegen sich schon seit langer Zeit am Kostendeckungslimit. Jede noch so kleine Kostensteigerung schlägt voll auf das wirtschaftliche Ergebnis durch.

DHZ : Die Bundeslandwirtschaftsministerin rechnet beim Brotpreis nur mit einem minimalen Anteil, den die Rohstoffe dabei ausmachen. Stimmt die Rechnung?

T raublinger: Jeder Betrieb hat seine individuelle Kostenstruktur, so dass von daher schon Pauschalaussagen wie zum Beispiel "die Brotpreise werden nicht steigen" oder "der geringe Mehlanteil im Brot kann keine Brotpreissteigerungen bewirken" völlig unangebracht  und von wenig Sachkenntnis getrübt sind. Relative Berechnungen helfen nicht weiter, wenn Betriebe mittlerer Größenordnung alleine aufgrund einer Mehlpreiserhöhung aufs Jahr gerechnet einen 5-stelligen Betrag mehr zahlen müssen.

DHZ: Wie viel macht der Rohstoffpreis in der Gesamtpreiskalkulation überhaupt aus?

Traublinger: Rohstoffpreise – vom Mehl bis zur Sahne oder Butter – sind, ebenso wie die Energiekosten oder auch die Lohnkosten, die Mieten für die Verkaufsstellen und anderes mehr, ein wesentlicher Kostenfaktor und sie schlagen je nach Qualität, Herkunft und Wettbewerbssituation weit stärker zu Buche, als mit dem Mehlanteil an einem Kilo Brot zum Ausdruck gebracht werden kann.

DHZ : Laut internationalen Prognosen steigt weltweit die Nachfrage nach Getreide deutlich stärker als die Erträge. Wird das auch für die Handwerksbäcker zum Problem?

Traublinger: Die Zeit, in der lokale und regionale Märkte losgelöst waren von der globalen Preisentwicklung , ist schon lange vorbei. Rohstoffe werden weltweit gehandelt – oft auch als Spekulationsobjekt. Ob man das gut findet oder nicht, steht nicht zur Debatte. Es wäre vermessen zu glauben, dass man sich davon loskoppeln kann. Der Preis zu dem die Müller ihren Weizen kaufen, orientiert sich aus diesem Grunde maßgeblich an dem Preis, der an den Warenterminbörsen gezahlt wird. Folglich spielt der Auslandsanteil am Mehl keine gravierende Rolle bei der Preisgestaltung.