Elektromobilität und die Ausbildungsverordnung Azubis warten auf Elektroautos

Die Zulassungszahlen von Elektroautos in Deutschland steigen. Doch sie starten von einem niedrigen Niveau und so sind die E-Fahrzeuge in den Werkstätten noch immer eher selten. Für Azubis der Branche gehört die E-Mobilität fest in den Ausbildungsplan. Praxiserfahrungen können sie allerdings noch kaum sammeln.

Elektroauto in der Werkstatt
Noch sind Elektroautos in den Kfz-Werkstätten nicht so häufig vertreten, dass Azubis viele Erfahrungen in der Praxis sammeln können. - © Андрей Репетий - stock.adobe.com

Auto Hellinger im rheinlandpfälzischen Kruft verkauft Fahrzeuge von Toyota – mit Elektromotor sind es vor allem Plug-In-Hybride. Das Autohaus passt sich dabei der Nachfrage an, denn diese nimmt Fahrt auf. In der dazugehörigen Kfz-Werkstatt sind die E-Autos aber noch seltene Gäste. "Der Anteil der Reparaturen an Hybrid-Fahrzeugen liegt zwischen fünf und zehn Prozent. Reparaturen am Hochvoltbereich machen wir so gut wie gar nicht", berichtet Guido Hellinger, Werkstattleiter des Autohauses und Kfz-Meister. Zwar bereitet sich der Betrieb auf die Elektrifizierung seiner Branche vor, doch noch heißt es abwarten. In die Werkstätten kommen noch hauptsächlich die Verbrenner. So sammeln aber auch die Azubis bisher kaum Praxiserfahrungen an den E-Fahrzeugen.

Der Anteil von Elektrofahrzeugen in Deutschland legt allerdings zu. Zwar sank die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im vergangenen Monat insgesamt, doch E-Fahrzeuge gibt es immer mehr auf den Straßen. Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamts zeigen, dass die Elektro-Pkw im Oktober 2021 einen Marktanteil bei allen Neuzulassungen von 17 Prozent erreichten. Vor allem die reinen E-Autos sind demnach gefragt. Sie zeigen eine Wachstumsdynamik von 32 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der sich nun zeigende Anstieg wird sich künftig dann auch spürbar mehr in den Werkstätten zeigen.

Elektroautos: Betriebe müssen Mitarbeiter schulen

Zwar gelten Elektroautos als wartungsärmer und auch Inspektionen sollen aufgrund eines geringen Verschleißes seltener nötig und weniger umfangreich sein als bei den Fahrzeugen mit Verbrennermotoren. Dennoch landen auch sie mal in einer Kfz-Werkstatt – mit den steigenden Nutzungszahlen immer mehr. Darauf bereiten sich auch die Betriebe des Kfz-Handwerks vor. Die Azubis stehen quasi in den Startlöchern, auch wenn sie bisher – wie bei Auto Hellinger – wenig von dem, was sie bereits seit Jahren in den Berufsschulen lernen, in der Praxis anwenden können.

Im Prinzip dürfen Azubis nach einer Unterweisung in einem festgesteckten erlaubten Rahmen an den E-Autos genauso mitarbeiten wie an den Benzinern und Dieselfahrzeugen. Zuvor müssen die Hochvoltfahrzeuge von einem speziell geschulten Kfz-Mechatroniker stromlos geschaltet werden. "Wir nutzen Hochvolt-geeignetes Werkzeug und die Monteure ziehen Schutzkleidung an", berichtet Guido Hellinger. Außerdem müsse der Arbeitsplatz abgesichert und so markiert sein, dass jeder andere Mitarbeiter sofort erkennt, wo an den Stromern gearbeitet wird.

Wichtiges Thema Elektroautos: Berufsschule ja, Praxis nein

Stärker präsent als im Betrieb, ist die E-Mobilität für die Azubis als Thema in der Berufsschule. "Die Azubis müssen dort auch eine Prüfung dazu ablegen", sagt Hellinger. Schon seit dem Jahr 2013 ist die Elektromobilität thematisch in der Ausbildungsordnung verankert und jeder Auszubildende wird damit mit den Arbeiten an E-Fahrzeugen konfrontiert. In der ersten Hälfte der dreijährigen Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bekommen sie Grundlagen vermittelt. Danach geht es mit Schwerpunktthemen weiter – einer davon ist die System- und Hochvolttechnik.

Da in den Werkstätten aber noch derart stark die Verbrenner dominieren, bleibt das Ausprobieren und Lernen mit der praktischen Arbeit den Berufsschulen und Ausbildungszentren der sogenannten Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) vorbehalten. Kleine Werkstätten, die thematische Pflichtteile der Ausbildung im eigenen Betrieb überhaupt nicht abbilden können, können ihre Azubis zu Kursen der ÜLU schicken. In den Werkstätten selbst ist aber dennoch auch eine Vorbereitung nötig. Denn hier sind noch nicht überall alle Mitarbeiter geschult, an den batteriebetriebenen Autos zu arbeiten. Bei ihnen war die E-Mobilität meist kein Thema in der Ausbildung.

So bestätigt auch Joachim Syha vom Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), dass Betriebe dann Probleme bekommen können, wenn Mitarbeiter im Betrieb die Ausbildung vor 2013 abgeschlossen haben und dann keine Weiterbildung in Sachen E-Mobilität bekommen haben. "Die Verantwortung dafür liegt beim Unternehmer, er muss im Blick haben, welche Qualifikationen die Mitarbeiter haben", sagt der Verbandsmitarbeiter aus dem Bereich der Berufsbildung. Wenig Einfluss hat die bundesweite Ausbildungsverordnung außerdem auf die Berufsschullehrer. Denn wie gut diese geschult sind, liegt in der Hand der Bundesländer.

Ausbildungsverordnung schon 2013 an Elektroautos angepasst

Für die Azubis agieren die Zuständigen für die Ausbildungsverordnung bei dem Thema allerdings bereits seit längerem vorausschauend. Bis vor kurzem kamen die Zulassungszahlen bei den E-Autos trotz Zuschüssen beim Kauf, Steuererleichterungen und verschiedensten staatlichen Förderprogrammen nicht wirklich voran. Dennoch wurde schon im Jahr 2013 bei der Überarbeitung der Ausbildungsverordnung zum Kfz-Mechatroniker – eine Bundesverordnung – an die E-Autos gedacht. "Darin ist die Elektromobilität enthalten und vorsorglich schon als wichtig platziert worden", sagt Joachim Syha. Im dazugehörigen Ausbildungsplan stehe zudem, dass sich jeder Betrieb möglichst mit dem Thema beschäftigen sollte.

"Ordnungsrechtlich ist vieles vorbereitet, aber nun muss die Praxis nachziehen", so der Berufsbildungsfachmann des ZDK. Neben den öffentlichen Stellen werden aber auch immer mehr die Fahrzeughersteller selbst aktiv und bieten Schulungen für die Fahrzeuge ihrer eigenen Marken an. "Die Ausbildung bietet die Basics, aber die Hersteller selbst geben auch Besonderheiten an ihren Fahrzeugen vor", sagt Syha. Dafür müssen sie die Vertragswerkstätten schulen.

Elektroautos: Nachfrage nach Weiterbildung wächst

Auch aus Sicht von Johanna Telieps vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) kann man nicht bemängeln, dass die Ausbildungsverordnungen der technischen Entwicklung hinterherhinken. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich "Gewerblich-technische Berufe" sieht auch eher die Übung, die eben noch fehlt. Auch sie weist darauf hin, dass seit 2013 alle Azubis dieses Berufs mit dem Thema ausführlich in Berührung kommen – wenn auch noch wenig an Elektrofahrzeugen in ihren Ausbildungsbetrieben. Wie die einzelnen Werkstätten und Ausbildungsbetriebe aufgestellt seien und wie viele E-Autos in der Praxis dann repariert worden seien, unterscheide sich aber natürlich stark. Ihrer Erfahrung nach sei die Elektromobilität vor allem in den überbetrieblichen Ausbildungsstätten ein großes Thema, um die Auszubildenden auch an realen Fahrzeugen auszubilden.