Stolze 1.870 Kilometer liegen zwischen Löbau und dem albanischen Örtchen Zaroshke. Im September machten sich sieben Zimmerer-Azubis aus der Lausitz, ihr Berufsschullehrer und ein junger Schmied auf die lange Fahrt, mit einem Kleinbus und einem Anhänger voller Werkzeug. Auf dem Balkan hauchten sie einem stark sanierungsbedürftigen Lehmbau neues Leben ein.

"Wir waren knapp zwei Wochen vor Ort", erzählt Christian Schmied. Als Fachlehrer für die Zimmererausbildung am BSZ Löbau war er die treibende Kraft hinter dem Projekt und sorgte dafür, dass seine Schüler einen besonderen praktischen Unterricht im Ausland erleben durften. "Über die European Heritage Volunteers wurde uns die Möglichkeit eröffnet", erläutert der Pädagoge.
Kümmern um Kulturerbeprojekte
Diese Freiwilligen-Organisation will in Zaroshke langfristig eine Anlaufstelle für alle am Denkmalschutz und am historischen Bauen in der Region Interessierten errichten. Gleichzeitig eröffnet sie Freiwilligen die Möglichkeit, bei der Instandsetzung von Baudenkmalen tätig zu werden. Die Non-Profit-Organisation der European Heritage Volunteers mit Sitz in Weimar kümmert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten um Kulturerbeprojekte in Europa – oft um solche, die weniger im Fokus stehen.
Ruinöser Zustand
Für die angehenden Zimmerer aus Sachsen verhieß das vor Ort in Albanien eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. "Unser erster Blick offenbarte einen zum Teil ruinösen Zustand der Anlage", sagt Christian Schmied. Entmutigen ließen sie sich davon aber nicht. "Gleich am ersten Tag haben wir eine Holzliste erstellt und getüftelt, um eine nachhaltige Konstruktion anbringen zu können."
Improvisationstalent gefragt
Genau diese praktische Herangehensweise sei für die Auszubildenden im dritten Lehrjahr besonders lehrreich gewesen, so der Löbauer, dessen Sohn als Schmied die Gruppe unterstützte. Das im Unterricht Gelernte, wie zum Beispiel die Schiftung, die Konstruktion einer Decke und eines Daches mussten angewandt werden. "Es waren sehr viel Improvisationstalent und handwerkliches Geschick nötig. Wir haben aber gezeigt, was das Handwerk kann, und brauchen uns mit dieser Leistung nirgends zu verstecken." Ziel ist, dass eine Mönch- und Nonnendeckung das Dach einmal zieren wird. Die Dach- und Deckenbalken liegen nun dafür bereit.
Zwischenmenschlicher Austausch
Doch neben dem fachlichen Austausch sei auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz gekommen. Mit Händen und Füßen und Bruchstücken von Russisch, Sorbisch oder anderen slawischen Sprachen konnten sich die Handwerker aus Deutschland mit den Einheimischen verständigen. Eine "lebensprägende" Erfahrung für die Jugendlichen, so Christian Schmied. Wann und ob demnächst wieder eine Handwerker-Delegation aus Deutschland gen Albanien aufbricht, steht noch nicht fest. "Aber die ersten schwierigen Schritte sind vor Ort bereits erledigt", sagt Christian Schmied.

