Politik + Wirtschaft -

Ladenschließung Autohandel untersagt - Kfz-Gewerbe besorgt

Autohäuser sind geschlossen, Werkstätten und Tankstellen bleiben geöffnet. Das Kfz-Gewerbe ist alarmiert – und warnt vor einer Pleitewelle.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Die Bundesregierung hat den stationären Kraftfahrzeughandel untersagt, um das Coronavirus zu bekämpfen. Darüber zeigt sich der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) besorgt. Die Entscheidung bringe die Unternehmen in eine prekäre Lage, teilte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn mit.

Autohäuser werden am Mittwoch (18. März) geschlossen, Werkstätten dagegen nicht. Denn Werkstätten gehören genau wie Tankstellen oder Lebensmittelläden zu den Einrichtungen der nötigen Grundversorgung, die von den staatlich angeordneten Schließungen ausgenommen sind - und sind für die Betriebe in der Krisenzeit auch eine wichtige Einnahmequelle. Probleme sehen die Autohäuser darin, die staatlichen Regeln tatsächlich umzusetzen.

Trennlinie in Autohäusern

Quer durch die Autohäuser muss ab sofort eine Demarkationslinie gezogen werden. Die Fortführung des Werkstattbetriebs ist erwünscht. Wie aber solle man einem Kunden, der ohnehin schon im Autohaus stehe, plausibel klarmachen, dass man ihm beispielsweise ein gewünschtes Zubehör zwar einbauen, aber nicht verkaufen dürfe, so Peckruhn. Nach Darstellung des ZDK würden viele Betriebe ein generelles Verbot des Handels ohne massive Liquiditätshilfen nicht überstehen.

Das Kfz-Gewerbe bekenne sich ohne Wenn und Aber zum Vorrang des Schutzes von Leib und Leben in dieser noch nie dagewesenen Krisensituation, ergänzte Peckruhn. Man habe aber Zweifel daran, ob ein Beitrag zum Gesundheitsschutz geleistet werde, wenn in ein- und demselben Unternehmen unterschiedliche Maßstäbe angelegt würden.

Lese-Tipp: >> Themenpaket: Die wichtigsten Infos zur Corona-Epidemie und wichtige Tipps für Handwerksbetriebe <<

Bayen unterstützt Kfz-Gewerbe

Bayern versucht indes, die größten Härten für das Kraftfahrzeuggewerbe abzufedern. Vertreter des Kraftfahrzeuggewerbes lobten die Unterstützung für den Mittelstand. "Die von der bayerischen Staatsregierung angekündigten unbürokratischen Soforthilfen von bis zu 30.000 Euro für Betriebe unter 250 Mitarbeitern sind eine große Unterstützung für den Mittelstand und sorgen für sofortige Liquidität", sagte Albert Vetterl, Präsident und Landesinnungsmeister. "Das wird auch unserem bayerischen Kraftfahrzeuggewerbe mit seinen rund 7.000 Innungsbetrieben in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation helfen", sagte Albert Vetterl, Präsident und Landesinnungsmeister. Die Staatsregierung nehme ihre Verantwortung für die bayerische Wirtschaft gerade auch in der aktuellen Lage ernst.

Die Autoindustrie steht vor einer schwierigen Zeit, was auch auf Zulieferer und Dienstleister durchschlagen wird. VW und Daimler haben die Produktion wegen der Coronakrise weitgehend eingestellt. Die Buchungen bei Deutschlands größtem Autovermieter Sixt sind seit Anfang März eingebrochen. Besonders an den Flughäfen. Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer diagnostizierte im ZDF die "schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg". Einen Zusammenbruch aller drei großen Kernmärkte - China, USA, Europa - habe die Welt "bisher noch nicht erlebt".

Roland Berger prophezeit hartes Jahr für Kfz-Branche

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat in der vergangenen Woche das Störungspotenzial für die Weltwirtschaft mit einem besonderen Augenmerk auf Lieferketten und spezielle Branchen bewertet. Die Automobilbranche, die bereits durch schleppendes Wachstum 2019 geschwächt wurde, wird wahrscheinlich den größten Abschwung erfahren, glauben die Experten von Roland Berger. Die Bruttowertschöpfung könnte 2020 im schlimmsten aller Fälle bis zu 10,6 Prozentpunkte fallen, wodurch Automobilverkäufe um zehn Prozent stärker sinken würden als vorhergesagt und aufgrund der gestörten Lieferketten keine Erhöhung möglich wäre. Im Szenario "Verzögerte Heilung" folgt auf ein signifikantes Verkaufstief aufgrund von Bauteil- Engpässen und Problemen mit der Lieferkette im ersten Halbjahr ein Produktionsanlauf im vierten Quartal, wodurch der Effekt übers Jahr minimiert wird. Im Szenario "Schnelle Erholung" folgt auf einen kleinen Abfall im Verkaufsvolumen im ersten Halbjahr ein ausgleichender Produktionsanlauf in der zweiten Jahreshälfte. str

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten