Studie: 3 Jahre lang 1.200 Euro im Monat Auszahlung gestartet: 122 Menschen erhalten Grundeinkommen

Drei Jahre lang jeden Monat 1.200 Euro, ohne dafür arbeiten zu müssen: Welche Auswirkungen hat das auf den Alltag und die Entscheidungen der Menschen? Das wollen Forscher in einem Projekt zum bedingungslosen Grundeinkommen herausfinden. Nun ist die Auszahlung gestartet. Wer für das Projekt ausgewählt wurde und welche Chancen es gibt, selbst noch daran teilzunehmen.

Seit dem 1. Juni erhalten Teilnehmer eines Pilotprojekts für insgesamt drei Jahre monatlich 1.200 bedingungsloses Grundeinkommen. - © pusteflower9024 - stock.adobe.com

Monatlich 1.200 Euro extra – und das ganz ohne Gegenleistung. Was macht das mit den Menschen? Handeln sie gemeinnütziger? Motiviert das Geld dazu, mutigere Entscheidungen zu treffen oder sich beruflich neu zu orientieren? Oder verführt es zum Faulenzen? Das will ein Pilotprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen herausfinden, das nun gestartet ist. Seit dem 1. Juni erhalten 122 Teilnehmer aus Deutschland monatlich 1.200 Euro – für insgesamt drei Jahre.

Initiatoren der Langzeitstudie sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und der Verein Mein Grundeinkommen. "Die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen ist von ideologischen Glaubenssätzen geprägt. Wir wollen wissen, was am bedingungslosen Grundeinkommen wirklich dran ist", sagt Jürgen Schupp vom DIW Berlin, der das Projekt wissenschaftlich verantwortet.

Diese Personen erhalten das bedingungslose Grundeinkommen

Private Spenden von rund 181.000 Privatpersonen finanzieren die Studie. Das soll ihre politische Unabhängigkeit garantieren. Bereits im letzten Jahr hatten die Initiatoren zur Teilnahme aufgerufen. Mehr als zwei Millionen Menschen bewarben sich online für das Projekt. Insgesamt wurden 122 Bewerber ausgewählt.

Entscheidend für die Auswahl der Teilnehmer waren den Studienmachern zufolge die Kriterien Haushaltsgröße, Alter und Einkommen. Alle Teilnehmer sollen 21 bis 40 Jahre alt sein, zur mittleren Einkommensschicht gehören und in einem Ein-Personen-Haushalt leben. Die Entscheidung sei auf diese homogene Gruppe gefallen, um aussagekräftige Ergebnisse erzielen zu können. "In dieser Altersgruppe werden wesentliche Lebensentscheidungen getroffen. Uns interessiert, ob und wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auf diese Lebensentscheidungen auswirkt", erläutert Michael Bohmeyer, Initiator des Projekts. Nach drei Jahren soll untersucht werden, inwiefern sich die Erkenntnisse auch auf andere Teile der Bevölkerung übertragen lassen.

Nicht die erste Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen

Das Projekt ist nicht das erste, dass die Effekte eines bedingungslosen Grundeinkommens testet. Weltweit haben dazu etwa auch Finnland und Namibia Versuche durchgeführt. Im Fall von Finnland erhielten 2.000 finnische Arbeitslose zwei Jahre lang monatlich 560 Euro steuerfreies Grundeinkommen ohne Abzüge. Positive Effekte hatte das vor allem auf die Psyche: Die Teilnehmer empfanden mehr Sicherheit, Stressgefühle verringerten sich. Auch die Arbeitslosigkeit nahm leicht ab. Trotzdem waren die Ergebnisse der Studie in den Augen vieler ernüchternd. Nach Ansicht der Forscher des Vereins Mein Grundeinkommen lag das auch daran, weil die Studie den falschen Forschungsschwerpunkt setzte und sich lediglich auf die Gruppe der Einkommensschwachen konzentrierte. "Da das Grundeinkommen aber keine Nothilfe, sondern eine universelle Investition in die Entwicklung der gesamten Gesellschaft ist, erforschen wir nun die Wirkung des Grundeinkommens in der Mittelschicht", sagt Bohmeyer.

Bisher ist die Gesellschaft in ihrer Meinung zum bedingungslosen Grundeinkommen gespalten: die einen sprechen vom "Bürgergeld", andere von einer "Faulheitsprämie". In Deutschland haben sich die Gewerkschaften oder die Bundesagentur für Arbeit bisher eher ablehnend geäußert. Von einer "Stillhalteprämie" für Menschen war die Rede, denen sich kaum Perspektiven der Erwerbsarbeit eröffnen. Der deutsche Philosoph und Publizist Richard David Precht hingegen spricht sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Auch Jürgen Schupp ist überzeugt: "Ein Bürgerrecht auf ein bedingungsloses Mindesteinkommen hätte das Potenzial, einige Schwächen unseres derzeitigen Systems sozialer Sicherung zu überwinden."

So kann man noch Teilnehmer des Projektes werden

Auf ihrer Website kündigen die Initiatoren bereits eine zweite Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen an. Dabei solle erforscht werden, wie das Grundeinkommen konkret umgesetzt und finanziert werden kann.

Berwerber für die erste Studie, die nicht ausgewählt wurden, sollen weiterhin eine Chance haben im Rahmen der Studie zwei für das Projekt ausgewählt zu werden. Gegebenenfalls sollen auch neue Bewerbeungen möglich sein. Geplanter Start ist in 2022. Die Projektinitiatoren wollen auf ihrer Website rechtzeitig über den Start der zweiten Studie informieren.

Weitere Informationen zum Studienablauf finden Interessierte auf der Website des Projekts: Pilotprojekt Grundeinkommen

Mit Inhalten von dpa

Bedingungsloses Grundeinkommen: Was denken die Deutschen darüber?

Im Jahr 2018 hat das Marktforschungsinstitut Splendid Research im Rahmen einer repräsentativen Umfrage unter 1.024 Deutschen zwischen 18 und 69 Jahren gefragt, was diese vom Konzept eines Bedingungslosen Grundeinkommens halten. Das sind die Ergebnisse der Studie:

  • 58 Prozent der Deutschen halten eine Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens für sinnvoll.
  • Wie hoch sollte das Grundeinkommen sein, um davon leben zu können? 750 Euro empfanden die Umfrageteilnehmer als zu niedrig zum Leben, 1.602 Euro jedoch als zu hoch.
  • 28 Prozent der Deutschen glauben, dass ihre Mitbürger bei der Einführung dem Job kündigen würden. Jedoch würden dies nur 15 Prozent der Berufstätigen bei einem Satz von 1.500 Euro tun.
  • 76 Prozent würden unabhängig von der Höhe des Geldes weiterarbeiten.

Quelle: splendid-research.com