Urlaubsgeld Diese Berufsgruppen erhalten besonders viel Urlaubsgeld

Nur knapp die Hälfte aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft in Deutschland erhalten Urlaubsgeld. Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen Männern und Frauen sind weiterhin groß. Am meisten gestiegen ist das Urlaubsgeld 2021 im ostdeutschen Gebäudereiniger-Handwerk.

Urlaubsgeld
Nur knapp die Hälfte aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft in Deutschland erhalten Urlaubsgeld. - © reichdernatur – stock.adobe.com

Der Sommer steht vor der Tür und viele Arbeitnehmer sehnen sich nach der langen Corona-Zeit nach Urlaub. Etwas weniger als die Hälfte (46 Prozent) der Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft in Deutschland dürfen sich über Urlaubsgeld freuen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Online-Befragung des Internet-Portals Lohnspiegel.de, welche vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Für die Analyse seien die Angaben von mehr als 57.000 Beschäftigten aus dem Zeitraum von Anfang Mai 2020 bis Ende April 2021 ausgewertet worden.

"Urlaubsgeld für viele besonders wichtig"

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland sind nach Angaben von Statista im Zuge der Corona-Pandemie von Kurzarbeit betroffen oder betroffen gewesen. Gerade unter diesen Bedingungen sei das Urlaubsgeld in diesem Jahr für viele Arbeitnehmer besonders wichtig, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten. "Viele Beschäftigte hoffen, nach der langen Zeit des Lockdowns im Sommer wieder in den Urlaub fahren zu können. Aber nicht alle werden sich dies auch leisten können. Gerade im Niedriglohnsektor haben viele Beschäftigte in Kurzarbeit teilweise empfindliche Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Wer da jetzt Urlaubsgeld bekommt, kann sich glücklich schätzen", so Schulten.

Wer erhält Urlaubsgeld?

Ob ein Beschäftigter Urlaubsgeld erhält oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Der mit Abstand wichtigste Faktor sei die Tarifbindung. Laut WSI-Umfrage erhalten 73 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen der Privatwirtschaft Urlaubsgeld. In Unternehmen ohne Tarifvertrag sind es nur 35 Prozent. Der Unterschied zwischen Ost und West ist nach den neuen Ergebnissen immer noch groß – Während in Ostdeutschland nur etwa jeder dritte Beschäftige (33 Prozent) Urlaubsgeld bekommt, ist es in Westdeutschland knapp jeder zweite Arbeitnehmer (48 Prozent). Diese Unterschiede könnten in erster Linie auf die deutlich geringere Tarifbindung im Osten zurückgeführt werden.

Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Größe des Unternehmens, da die Wahrscheinlichkeit, Urlaubsgeld zu erhalten, mit zunehmender Beschäftigtenzahl steige. Nach Angaben von WSI besteht auch hier eine enge Korrelation mit der Tarifbindung, da große Unternehmen häufiger tarifgebunden sind. Nicht nur beim Lohn, sondern auch beim Urlaubsgeld gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer erhalten mit 49 Prozent häufiger Urlaubgeld als Frauen, von denen nur 41 Prozent eine entsprechende Sonderzahlung bekommen.

Höhe des tarifvertraglichen Urlaubsgeldes

Die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus: Zwischen 155 und 2.558 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe dieses Jahr als tarifliches Urlaubsgeld. Das zeigt die aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs für 22 Tarifbranchen. Am wenigstens Urlaubgeld bekommen demnach Arbeitnehmer in der Landwirtschaft und im Hotel- und Gaststättengewerbe. Die höchsten Zahlungen erhalten Beschäftigte unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, der Metallindustrie, der Papier verarbeitenden Industrie, dem Kfz-Gewerbe, der Druckindustrie, im Versicherungsgewerbe, dem Einzelhandel, dem Bauhauptgewerbe und in der Chemischen Industrie.

Laut WSI hat sich das tarifliche Urlaubsgeld gegenüber dem Vorjahr in sieben von 22 untersuchten Branchen erhöht. Dies gelte insbesondere für diejenigen Branchen, in denen das Urlaubsgeld als bestimmter Prozentsatz der Tarifentgelte festgelegt wird, wie z.B. im Kfz-Gewerbe, in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie, im Einzelhandel oder im Bauhauptgewerbe. Die Erhöhungen des Urlaubsgeldes folgten demnach den allgemeinen Tariferhöhungen und lagen meistens zwischen 1,7 und 3,0 Prozent. Den höchsten Zuwachs beim Urlaubsgeld gab es mit 5,9 Prozent im ostdeutschen Gebäudereiniger-Handwerk, womit zugleich die endgültige Angleichung an das Westniveau erreicht wurde.

Im öffentlichen Dienst und in der Stahlindustrie gibt es kein gesondertes tarifliches Urlaubsgeld. Es wird mit dem Weihnachtsgeld zu einer einheitlichen Jahressonderzahlung zusammengefasst. Bei der Deutschen Bahn wird es in das Jahrestabellenentgelt eingerechnet. Auch im Bankgewerbe und in einigen Branchentarifverträgen der Energiewirtschaft gibt es kein Urlaubsgeld.

Urlaubsgeld im Handwerk

Genaue Daten dazu, wie viele Arbeitnehmer im Handwerk Urlaubsgeld erhalten, gibt es nicht. Viele Handwerksbranchen sind allerdings nicht tarifgebunden – somit ist die Chance auf Urlaubsgeld geringer. Tarifverträge der IG Metall gibt es in einigen Bundesländern im Kraftfahrzeughandwerk, Elektrohandwerk oder im Metallhandwerk. Im Metallhandwerk beträgt das Urlaubsgeld zum Beispiel in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen-Anhalt 50 Prozent des normalen Gehalts.