Auszubildende im Gebäudereinigerhandwerk Auslandspraktikum in Irland: Die kleinen Unterschiede beim Reinigen

Die angehende Gebäudereinigerin Sarah Lutz absolvierte ein handwerkliches Praktikum in Irland. Ihren Ausbildungsberuf gibt es auf der grünen Insel nicht. Professionelle Reinigungsmittel sind eher unbekannt. Mit dem Spaghetti-Mopp und einem Heilmittel für alle Arten von Dreck war sie in Privathäusern und auf Baustellen unterwegs.

Selfie Sarah Lutz
Sarah Lutz bezeichnet ihr Auslandspraktikum als einmalige und tolle Erfahrung. - © privat

Auch im vergangenen Jahr ermöglichte das Projekt "Go.for.europe" 18 baden-württembergischen Auszubildenden aus dem Handwerk Praktika in Irland. Mit von der Partie war die 19-jährige Sarah Lutz, deren Vater in Metzingen ein Weiterbildungsinstitut für Gebäudereinigerinnen und -reiniger betreibt. Die angehende Gebäudereinigerin entschied sich für Irland als Praktikumsland und wurde von der Organisation für das Städtchen Tralee im Herzen der Grafschaft Kerry zugeteilt. "Ich war noch nie in Irland und mich reizte und faszinierte die irische Landschaft schon immer. Also habe ich mich für das Praktikum beworben, ein zweisprachiges Bewerbungsschreiben aufgesetzt, einen Lebenslauf und die Einverständniserklärung von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb hinzugefügt", erzählt Sarah Lutz.

Sehr kleiner Gastbetrieb

Ende September ging es los. In Tralee angekommen wurden die Austausch-Azubis von den Gastfamilien empfangen. "Ich kam bei einem sehr netten Ehepaar um die 60 unter, dessen 24-jährige Tochter noch zuhause wohnt. In den vier Wochen, die ich bei ihnen verbringen durfte, kümmerten sie sich rührend um mich, wir führten abends interessante Gespräche zu verschiedenen Themen wie irisches Essen, die Sprache, die Geschichte und Hurling, den Gaelic Football, eine Mannschaftssportart keltischen Ursprungs, die mit Schlägern und einem Ball gespielt wird." In der ersten Woche war Schule angesagt, vormittags büffelte Sarah in der Celtic School of English, die Nachmittage und die Wochenenden waren für Stadttouren, Ausflüge oder Besichtigungen reserviert. In der zweiten Woche durfte sie das eigentliche Praktikum in ihrem Gastbetrieb beginnen. "Sandra Ryle Cleaning Services war ein sehr kleiner Betrieb und bestand aus meiner Chefin Sandra Ryle, einer ukrainischen Kollegin und einem Herrn, der ausschließlich für Glas- und Teppichreinigungen zuständig war", beschreibt die 19-Jährige ihren Betrieb während des Aufenthalts in Tralee.

Reinigungstücher aus dem Supermarkt

Von der Unterhaltsreinigung über die Bauend- und Grundreinigungen sowohl in Privathäusern als auch auf großen Baustellen – Sarah Lutz gewann vielseitige Einblicke in die Welt der Gebäudereinigung in Irland. "Ich habe einige sich von Deutschland unterscheidende Reinigungsverfahren kennengelernt. Auch der Umgang mit Reinigungsmitteln unterscheidet sich gänzlich von dem in Deutschland", so Lutz. So gab es in ihrem Gastbetrieb keine professionellen Reinigungsmittel. Reinigungstücher und Reinigungsmittel aus dem Supermarkt wurden stattdessen verwendet, so Lutz weiter. "Ich habe mit einem Wischmopp, dem sogenannten Spaghetti-Mopp, und Reinigungstüchern gereinigt und mit einem Lösemittel-Spray, das als Heilmittel für alle Art von Dreck uns Schmutz galt", erinnert sich die Gebäudereinigerin. "Was wirklich neu für mich war, war die Zwischenreinigung von Küchen, in denen ich sehr viel altes Fett entfernen musste." Und sie erfuhr, dass es in Irland nicht möglich sei, zur Gebäudereinigerin ausgebildet zu werden – dieser Ausbildungsberuf existiere nicht.

Neue Freundschaften

Auch wenn sie in den vier Praktikumswochen in Irland fachlich nicht viel dazulernen konnte – dazu waren die dortigen Reinigungsstandards und die Technologien weit unter den deutschen –, so durfte sie viel über die irische Kultur und das freundliche und aufgeschlossene Wesen dieses Volkes lernen. "Für mich war der Aufenthalt eine einmalige und tolle Erfahrung, die ich jedem Azubi empfehlen würde. Das Praktikum war für meine persönliche Weiterentwicklung sehr wichtig. Und es entstanden neue Freundschaften."

Praktika in Irland, Spanien und Österreich

Auslandspraktika tragen dazu bei, die duale Ausbildung attraktiver und konkurrenzfähiger zu machen. Angesichts des Fachkräftemangels ist das unerlässlich. Deshalb wird es auch 2023 wieder handwerkliche Auslandspraktika in Irland, Spanien, Österreich geben.