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Zahl der Ausbildungsabbrüche steigt Ausbildungsvergütung kein Grund, die Lehre zu schmeißen

Sind Azubis wirklich so wenig motiviert und ohne Durchhaltevermögen? Diesen Anschein erweckt zumindest der Berufsbildungsbericht 2018. Denn immer mehr von ihnen halten die Berufsausbildung nicht durch. Die Gründe dafür haben jedoch wenig mit den Ausbildungsvergütungen zu tun, verteidigt das Handwerk.

Der Anteil der abgebrochenen Ausbildungen lag im Jahr 2016 bei 25,8 Prozent und damit erstmals höher, als er in all den Jahren seit Anfang der 90er lag. Seitdem schwanken die Quoten üblicherweise zwischen 20 und 25 Prozent. So wurden den neuesten Zahlen des Berufsbildungsberichts 2018 zufolge, über die die Süddeutsche Zeitung vorab berichtet, etwa 146.000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst.

Was nun so scheint, als würde jeder vierte Azubi seine Ausbildung einfach grundlos hinwerfen, ist jedoch aus Sicht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zu kurz gedacht. Denn ein Großteil habe die Ausbildung nicht wirklich abgebrochen, sondern nur den Vertrag gelöst und setze die Ausbildung in einem anderen Betrieb fort. "Ein Wechsel ist umso leichter, je größer das Ausbildungsangebot ist", teilt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke zur aktuellen Diskussion mit.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bzw. die große Auswahl, die Jugendliche derzeit haben, die eine Lehrstelle suchen, ist auch Thema des Bildungsberichts. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge bis zum Stichtag 30. September 2017 mit mehr als 520.000 leicht gestiegen, meldet die Süddeutsche. Doch wie schon in den Jahren zuvor bleibt es auch weiterhin Thema, dass immer mehr Lehrstellen frei bleiben – die Zahl steigt um fast 13 Prozent auf etwa 49.000 unbesetzte Ausbildungsstellen – und dass gleichzeitig immer noch viele Bewerber leer ausgehen. So blieben knapp 24.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.

Niedrige Ausbildungsvergütung kein Grund für Ausbildungsabbruch

Die fehlende Passgenauigkeit zwischen Azubi und Ausbildungsbetrieb ist jedoch nur ein Grund von vielen, die dazu führen, dass Ausbildungen nicht zustande kommen oder abgebrochen werden. Ein weiterer liegt laut ZDH in der Tatsache begründet, dass immer mehr nach Deutschland Geflüchtete eine Ausbildung beginnen und leider nicht bis zum Ende dabei bleiben. "Sprachdefizite und unzureichende Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen führen zu Problemen vor allem in der Berufsschule", so der Verband. Rund 9.500 Geflüchtete haben laut Bundesagentur für Arbeit bislang mit einer Ausbildung begonnen.

Holger Schwannecke erwähnt jedoch noch ein wichtiges Thema, über das im Zusammenhang mit den hohen Ausbildungsabbrüchen spekuliert wird: die angeblich zu niedrige Ausbildungsvergütung. Diesen Zusammenhang weist der ZDH allerdings vehement ab. Die Ausbildungsvergütung sei selten der Grund für den Abbruch einer Ausbildung. Holger Schwannecke nennt auch Beispiele, die das begründen sollen: "Schornsteinfeger-Azubis verdienen zum Beispiel deutlich weniger als der Schnitt und haben dennoch eine unterdurchschnittliche Vertragslösungsquote. Auszubildende in Maurerbetrieben hingegen verdienen deutlich mehr als der Schnitt, ihre Vertragslösungsquote hingegen ist überdurchschnittlich."

Studenten geben öfter auf als Azubis

Elke Hannack, Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hatte in dem Bericht der Süddeutschen dagegen klar betont, dass die Abbrecherquoten dort extrem hoch seien, wo die Vergütung besonders niedrig ist. Viele Azubis würden mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen, sagte sie und forderte sogleich die Bundesregierung auf, die geplante Mindestvergütung für Azubis zügig durchzusetzen. Diese lehnt das Handwerk jedoch ab. Der ZDH sieht durch eine generelle starre Untergrenze für Ausbildungsvergütungen die Vielfalt und regionalen sowie branchenüblichen Besonderheiten des Handwerks als missachtet an.

Holger Schwannecke weist zur aktuellen Diskussion zudem darauf hin, dass die Abbrecherzahlen auch im Verhältnis zu anderen Bildungsbereichen gesehen werden sollten. "Im Vergleich zum akademischen Bereich sind die Ausbildungsabbrüche im Handwerk deutlich geringer." jtw

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